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BREXIT: Die Zeichen stehen auf Sturm

Der neue britische Premier Boris Johnson ist nun der Hauptverhandlungspartner der EU um den Brexit. Auch wenn Österreich vom BREXIT im EU-Vergleich geringer als andere Länder betroffen ist, geht es um einen wichtigen Exportmarkt. „Die Wirtschaft“ hat Christian Kesberg, Wirtschaftsdelegierter in London, um seine Einschätzung gebeten.

Im Interview: Christian Kesberg, Wirtschaftsdelegierter in London.
© Alexandra Serra Im Interview: Christian Kesberg, Wirtschaftsdelegierter in London.

Unter welchen Vorzeichen stehen die Brexit-Verhandlungen nach der Wahl von Boris Johnson zum britischen Premierminister?

Unter Johnson hat eine Regierung von Brexit-Hardlinern zumindest vorläufig im Königreich das Ruder übernommen. Mit einem unverdaulichen Ultimatum – Verhandlungen nur über einen Austritt ohne Irlandregelung – flammender Rhetorik und „no deal“-Vorbereitungsaktionismus stehen die Zeichen auf Sturm.

Johnson ist Verfechter eines „do or die“-Brexits, der den EU-Austritt am 31. Oktober explizit nicht ausschließt. Allerdings kommt er unter Druck, weil ihm bei diesem Kurs im Parlament einige Abgeordnete die Gefolgschaft verweigern würden. Ist hier noch mit einer inhaltlichen Neuausrichtung Johnsons zu rechnen?

Was Johnson, dem chamäleonhafte Wandlungsfähigkeit zugeschrieben wird, tatsächlich vorhat, bleibt Gegenstand vieler Spekulationen. Beide von ihm propagierten Handlungsstränge scheinen hochgradig unrealistisch: Eine Neuverhandlung des Austrittsvertrags hat die Union mehrfach kategorisch ausgeschlossen und ein Exit ohne Deal dürfte am Widerstand des Parlaments scheitern. Bleibt nur die Vermutung, dass er in Wirklichkeit Neuwahlen anstrebt, die er hofft mit der Strahlkraft des Märtyrers, den andere vom rechten Weg abhalten, zu gewinnen. Es läge nahe, dass Johnson versucht, die bereits ausgehandelte Abschlagszahlung von knapp 40 Milliarden Pfund wieder zum Hebel in den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der EU zu machen. Was aber tatsächlich auf uns zukommt, weiß niemand.

Wie wäre Großbritannien auf einen Brexit ohne ­entsprechendes Abkommen vorbereitet?

Vermutlich ist niemand wirklich flächendeckend auf einen Brexit ohne Abkommen vorbereitet. Die Dramatik der Einschätzungen orientiert sich stark an der Agenda der „Schätzmeister“. Wie viel Chaos tatsächlich droht und wie lange es andauern könnte, ist ungewiss. Zu hoffen bleibt, dass die auf EU-Seite recht weit gediehenen Notfallpläne zur Regelung von Finanzdienstleistungen, Luftverkehr, Straßenverkehr, Geschäftsreisen, Dual Use (Güter mit doppeltem Verwendungszweck) oder der Behandlung von Mitarbeitern, viele der schwerwiegendsten Probleme zumindest abfedern.

Wie ist die Stimmung bei den österreichischen Unternehmen? Wie haben sie sich auf einen möglichen No-­Deal-Brexit vorbereitet?

Die großen Produzenten und Lieferanten sind nur so gut vorbereitet, wie es ökonomisch Sinn macht. Sie sehen den zukünftigen Entwicklungen besorgt, aber nicht panisch entgegen. Die Firmen haben Lagerkapazitäten soweit es geht ausgebaut, alternative Transportrouten identifiziert und gebucht, ihre Lieferkette überprüft und Fachwissen im Unternehmen aufgebaut. Vielfach wurden dabei auch Beratungsleistungen von Rechtsanwälten und Steuerberatern in Anspruch genommen. Schwieriger ist die Situation für Gelegenheitslieferanten und KMU, denn für diese bringen die veränderten Rahmenbedingungen oft schwierige personelle und finanzielle Herausforderungen mit sich. Ziel der laufenden Informationskampagnen der Wirtschaftskammer ist es daher, vor allem bei diesen Unternehmen zumindest das Bewusstsein für Veränderungen zu schärfen und sie über die bestehenden Beratungs- und Unterstützungsangebote zu informieren.


Sprechtag

Wirtschaftsdelegierten-Sprechtag „Nord-, West- und Südeuropa“: Am 16. September 2019, von 09:00 bis 12:00 Uhr, im WIFI Dornbirn. Auch Christian Kesberg, Wirtschaftsdelegierter in London, steht für persönliche Beratungsgespräche zur Verfügung.

Buchen Sie Ihre Beratungsgespräche!

Gabriele Schweigebauer steht für weitere Informationen zur Verfügung:
05522 305-227
schweigebauer.gabriele@wkv.at

Brexit-Infopoint der WKÖ:
05 90900-5590
brexit@wko.at
wko.at/brexit



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