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2020 rund 1.200 Neugründungen in Vorarlberg

Das Gründerservice der Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV) zieht Bilanz zu den Unternehmensneugründungen in Vorarlberg: Mit etwas mehr als 1.200 Neugründungen übertreffen die Zahlen nicht nur das Vorjahresergebnis um 11,3 Prozent, sondern auch die Corona-bedingten Erwartungen. Nach wie vor ist zudem die Nachfrage nach Gründungsberatungen erfreulich hoch geblieben.

Über 1.200 Neugründungen in Vorarlberg.
© iStock

In Vorarlberg gab es 2020 im Schnitt somit drei Neugründungen pro Tag. Mit einem Anteil von 37,3 Prozent dominierte laut der aktuellen Gründerstatistik der Wirtschaftskammer Österreich im Spartenvergleich wieder das Gewerbe und Handwerk – gefolgt vom Handel mit 30,6 Prozent – 2019 waren das noch 27,3 Prozent – und der Sparte Information und Consulting mit 20 Prozent. Für WKV-Präsident Hans Peter Metzler sind die Ergebnisse mehr als erfreulich, vor allem aufgrund der aktuellen Umstände:

"Gründen heißt, Risiko und viel unternehmerische Verantwortung zu übernehmen. Das hat in der Corona-Krise umso mehr Bedeutung. Auch deswegen werden wir uns weiterhin konsequent dafür einsetzen, unseren Wirtschaftsstandort so gründerfreundlich wie möglich zu gestalten."
WKV-Präsident Hans Peter Metzler

Hans Peter Metzler
© Frederick Sams

Gründungsmotive haben sich verstärkt

„Die Hauptmotive, sich in Vorarlberg selbstständig zu machen, waren immer schon ‚sein eigener Chef zu sein‘, ‚eigene Verantwortung zu tragen‘ sowie ‚flexible Zeit- und Lebensgestaltung‘. Im Jahresvergleich sind diese Motive sogar noch stärker geworden“, kommentiert Christoph Mathis, Leiter des Gründerservice in der WKV, die aktuelle Motivumfrage: Wollten 2017 noch 43 Prozent immer schon selbständig sein, so sind es 2020 bereits 55 Prozent. Gaben 2017 noch 57 Prozent an, ihr eigener Chef sein zu wollen, so sind es heute 66 Prozent. Die flexible Zeit- und Lebensgestaltung ist für 64 Prozent der Gründer wichtig. Zahlreiche Gründer sehen in der Selbständigkeit auch die Möglichkeit, ihr Einkommen zu steigern (54 Prozent). 

Die generell sehr positive Einstellung zur Neugründung erklärt sich Mathis durch zahlreiche Trends: „Gründungen sind gesellschaftsfähiger und eben trendiger geworden, insbesondere auch durch den Einfluss der globalen Start-up-Szene, von Social-Media-Kanälen, Medien und Politik“, sagt Mathis. Die zunehmende Digitalisierung fördere neue Geschäftsideen und Geschäftsmodelle, insbesondere etwa in den Bereichen e-Commerce, digitale Finanzdienstleistungen, öffentliche Services oder Cyber-Security. In vielen Branchen wie beispielsweise dem Handel wurden solche Entwicklungen durch die Corona-Krise sogar beschleunigt. Insofern sei auch der Begriff „Krise als Chance“ nennenswert: „Krisen sind auch ein Ansporn, sich mit Veränderungen auseinanderzusetzen. Und das kann auch der Schritt in die Selbständigkeit sein“, sagt Mathis. Waren früher „klassische Branchen“ wichtige Gründungssegmente, werden künftig Themen wie Umwelt, Klima oder Digitalisierung immer mehr in den Blickpunkt rücken – und damit auch Neugründer und Unternehmer als Lösungsanbieter fordern.  

Gründungen sind entscheidend für Standort

„Die Gründerzahlen sind ein idealer Beweis für die hohe Attraktivität des und das Vertrauen in unseren Wirtschaftsstandort, der für sichere Arbeitsplätze sorgt und ein Wohlstandsgarant ist“, betont WKV-Präsident Metzler. Damit diese Gründungs-Attraktivität erhalten bleibt, müsse auch für den Erhalt und die konsequente Justierung der entsprechenden Rahmenbedingungen gesorgt werden: Die Pauschalierung bei der Gewinnermittlung hat eine wesentliche Verwaltungsvereinfachung für Kleinunternehmer gebracht. Ebenso die Erhöhung der umsatzsteuerlichen Kleinunternehmergrenze von 30.000 auf 35.000 Euro sowie die Anhebung der Beitragsgrenze für geringwertige Wirtschaftsgüter auf 800 Euro. „Obwohl inzwischen verschiedenste Behördenmeldungen digital erledigt werden können, bleiben aber nach wie vor viele bürokratische Schritte sehr komplex und die Belastungen hoch. Hier müssen wir dranbleiben!“, sagt WKV-Präsident Hans Peter Metzler. 

Anlaufstelle für Gründer

Das Gründerservice der Wirtschaftskammer Vorarlberg ist die erste Anlaufstelle für Neugründer und verfügt über ein umfassendes Informations- und Beratungsangebot. Die Serviceabteilung bietet Beratungen, Weiterbildung und ein Netzwerk an Experten zur Unternehmensgründung und Betriebsnachfolge. „Auch 2020 waren Gründerworkshops sowie individuelle Gründungsberatungen sehr gefragt. Nur während der Lockdown-Phasen, insbesondere von Mitte März bis Anfang Juni, machte sich ein Rückgang bemerkbar – immerhin waren nur telefonische Kontakte möglich“, erklärt Christoph Mathis. Auf das Jahr gerechnet gab es 21 Prozent weniger Gründungsberatungen und 33 Prozent weniger Workshop-Teilnehmer/-innen. „In den restlichen Monaten war die Nachfrage allerdings ähnlich und teilweise sogar höher wie 2019“, was Mathis auf das Angebot an Online-Beratungen und -Workshops zurückführt.

Jungunternehmertum und Startup-Talente weiter fördern

Auch die Junge Wirtschaft Vorarlberg ist vom großen Engagement vor allem von Jungunternehmer/-innen im Land überzeugt: „Die Gründerzahlen sind bemerkenswert – trotz herausfordernder Zeiten. Es zeigt sich, dass wir starke Jungunternehmer/-innen in Vorarlberg haben, die sich nicht unterkriegen lassen und weiterhin ihre Ideen umsetzen“, betont Verena Eugster, Vorsitzende der JWV. „Persönlich bin ich zudem begeistert über den Anstieg von Gründerinnen von rund zehn Prozent im Vergleich zu 2019. Das ist ein sehr positiver Trend, den es weiter zu forcieren gilt. Und das werden wir seitens der JWV auch weiterhin voll unterstützen.“ 

Mit Startupland Vorarlberg wurde 2018 eine Plattform und zentrale Anlaufstelle für alle Start-ups in Vorarlberg geschaffen. Seither hat sich die Initiative bestens etabliert, es konnten viele neue Akzente speziell für Start-ups gesetzt werden. Am Standort Dornbirn wurde in der Postgarage ein Freiraum und Austauschort für über 20 Start-up-Teams geschaffen, die ihre innovativen Ideen vorantreiben. Es zeigt sich immer mehr, dass Vorarlberg ein sehr gutes Umfeld für Start-ups ist und großes Potenzial hat. Um so wichtiger ist es jetzt, motivierte Talente und junge Ideen mit innovativen Lösungen am Standort Vorarlberg weiter zu fördern. „Es gilt, dieses Potenzial auf allen Ebenen zu fördern und Rahmenbedingungen für Start-ups stets weiter zu verbessern“, sagt Julia Grahammer, Leiterin von Startupland Vorarlberg. Aktuell läuft die mittlerweile schon vierte Bewerbungsrunde für die begehrten Postgaragen-Tickets. Ideen mit Start-up-Potenzial können bis einschließlich 10. Februar eingebracht werden.


Eckdaten Gründerstatistik: 

 Frauenanteil auf Kurs

Vorarlberg 48,2 %         Österreich 45,2 % (2006: 38,9 %)

496 Frauen haben 2020 in Vorarlberg ein Einzelunternehmen gegründet. 

 Durchschnittsalter (Einzelunternehmen) bei Gründern

Vorarlberg 36,6 Jahre   Österreich 35,9 Jahre

Die Meisten Gründungen fallen in die Altersgruppe 30 bis unter 40 (32,4 %) 

 Gründungen nach Sparten:             2020                2019

Gewerbe u. Handwerk                          37,3 %              39,3 %

Industrie                                                  0,2 %                0,2 %

Handel                                                     30,6 %              27,3 %

Transport u. Verkehr                             4,9 %                5,5 %

Tourismus u. Freizeit                            7,0 %                8,5 %

Information u. Consulting                    20,0 %              19,3 % 

 Nach drei Jahren existieren noch knapp acht von zehn Unternehmen, sieben von zehn Unternehmen sind nach fünf Jahren immer noch aktiv

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