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„Wir sind abhängig von Verbündeten, das muss uns klar sein“

Seit Frühjahr 2020 ist Werner Böhler, Vorstandsvorsitzender der Dornbirner Sparkasse, Obmann der Sparte Bank und Versicherung. Im Interview spricht er über die Herausforderungen der Regionalbanken in der Corona-Krise.

Werner Böhler, Obmann der Sparte Bank und Versicherung.
© Matthias Rhomberg Werner Böhler, Obmann der Sparte Bank und Versicherung.
Starten wir gleich mit der aktuellen Lage. Wie stellt sich diese aus Sicht der Banken dar?

Für mich hat das Sprichwort „die Ruhe vor den Sturm“ eine neue Bedeutung bekommen, weil es tatsächlich so ist, dass wir, abgesehen von einzelnen Fällen, keine allzu große Alarmsituation vorfinden. Auf der anderen Seite wissen wir natürlich, dass es ganze Branchen gibt, die sich in einer unglaublich schwierigen Situation befinden. Das heißt, da wird was kommen. Ich vergleiche das mit einem Hurrikan, der auf Amerika  zusteuert. Wir wissen da kommt etwas, wissen aber nicht wie stark dieser auftrifft und wissen auch nicht, welche Branchen letztendlich am stärksten betroffen sein werden. Auf das müssen wir uns nun vorbereiten. Wir sind gefordert, keine Barrikaden zu errichten, die sich dann zulasten der Wirtschaft auswirken. Das bedeutet, wir müssen mit Augenmaß, auch mit Zuversicht, Maßnahmen setzen, die dazu beitragen, dass die Wirtschaft gut durch diese Krise kommt. Das können wir jedoch allein nicht bewerkstelligen, dazu brauchen wir Verbündete.


Inwiefern?
Verbündete zuerst in dem Sinn, dass wir uns als Regio- nalbanken der Bedeutung gesamthaft bewusst werden. Da sind wir auf einem sehr guten Weg, wir befinden uns in einem regen Austausch und sind wirklich näher zusammengerückt, obwohl wir ja Konkurrenten und Mitbewerber sind. Das ist der eine Punkt. Das zweite ist, dass wir Verbündete von außen brauchen, da denke ich insbesondere an die Regulatoren, aber auch ganz besonders an die Politik. Letztendlich müssen auch die Kunden Verbündete sein, indem wir Offenheit auf den Tisch legen, indem wir die Dinge beim Namen nennen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Unser großes Netzwerk ist von Vorteil. Aber wir sind abhängig von anderen, das muss uns klar sein.

Sie haben die Politik angesprochen. Welche Wünsche gibt es in diese Richtung?
Für uns geht es stark darum, dass wir aufgrund der regulatorischen Vorgaben nicht alles machen können, was wir gerne machen möchten. Wir können nicht einfach unsere Bilanzen aufs Spiel setzen, das heißt, wir brauchen jemand der uns unterstützt. Ich denke da an die Politik,  in die Richtung, dass die überlebensnotwendigen Hilfsprogramme für die Betriebe verlängert werden, eine schnelle Auszahlung stattfinden muss und Haftungsübernahmen neu angedacht werden müssen, weil uns da teilweise die Hände gebunden sind. Das geht aber nur in Abstimmung, Zustimmung und mit Rückendeckung der Politik. Ganz besonders denke ich da an sinnvolle Garantieunterstützungen. Sei es auf europäischer Ebene durch die europäische Investitionsbank (EIB) oder sei es durch die  Garantieinstrumente, die der Bund bislang zur Verfügung stellt.

Was kann das konkret für unsere Vorarlberger Wirtschaft heißen?
In Vorarlberg gilt es für uns Regionalbanken zunächst einmal alles auszuschöpfen, was in unserer Möglichkeit liegt. Das bedeutet, dass wir bis an unsere Grenzen gehen. Aber immer unter dem Gesichtspunkt der Sorgfaltspflicht, die uns auferlegt wurde. Dann gilt es weiters, Dia- loge zu führen, auch da sind wir auf gutem Wege mit den betroffenen Branchen, um ihre Ängste, Nöte und Sorgen auf direktem Weg kennenzulernen, sie auch unsere Sichtweise verstehen und wir gemeinsam mit der Politik nach einer Lösung suchen, um die gravierenden, teilweise existenzbedrohenden Probleme in den Griff zu kriegen. Eventuell dient dies auch dazu, gemeinsame Forderungspakete nach Wien und Brüssel zu formulieren. Ich glaube, da haben wir eine große Aufgabe vor uns.

Massiv betroffen ist der Tourismus. Da finden aktuell konstruktive Gespräche statt.
Es ist sehr erfreulich, dass wir uns aufeinander zubewegt haben und auch ein gegenseitig großes Verständnis vorhanden ist. Dabei kommen dann die konkreten Punkte Richtung Politik zutage, wie etwa naheliegend das Forbearance-Thema. Durch Stundungen können wir vielen Unternehmen eine enorme Entlastung bieten. Wenn die Stundungen aber durch den Wegfall der Forbearance-Erleichterungen zum Problem der Banken werden, dann sind auch uns die Hände gebunden, großzügig Stundungen zu gewähren. Das kann es ja nicht sein, denn eine Stundung in der jetzigen Situation bedeutet ja nicht, dass ein Unternehmen falsch gewirtschaftet hat, sondern aktuell keine Aufträge, keine Kunden, keine Gäste hat. Da muss unbedingt eine Sondersituation weitergeführt werden, die jetzt wieder aufgelöst wurde. Das Insolvenzrecht ist ein weiteres Thema. Wenn die in normalen Zeiten berechtigten Bestimmungen jetzt nicht aufgeweicht werden, müssten manche Unternehmen Insolvenz anmelden. Daher brauchen wir diese Aufweichungen, die derzeit teilweise noch laufen, sonst kommen wir miteinander nicht zu einer guten Lösung.

Die Lage der Unternehmen muss also anders beurteilt werden als zu Nicht-Krisen-Zeiten. Dennoch pochen die Banken sehr auf eine Stärkung der Eigenkapitalbasis der Betriebe. Ein schwieriges Unterfangen derzeit?
Schwierig deshalb, weil primär der Markt für dieses Thema nicht aufbereitet ist. Wir haben in der Vergangenheit wiederholt darauf hingewiesen, dass es wünschenswert wäre, einen funktionierenden Eigenkapitalersatzmarkt vorzufinden und die Unternehmen auch Risikokapital bekommen. Zum Risikokapital braucht es mehrere Voraussetzungen. Erstens muss ein steuerlicher, gesetzgeberischer Anreiz dafür geschaffen werden, zweitens braucht es Unternehmer, die zulassen, Risikokapital hineinzunehmen und dass womöglich andere dann mitreden können und drittens braucht es Menschen, die bereit sind, Kapital für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen.

Die Kultur auf dem Kapitalmarkt muss sich verändern?
Genau. Das heißt, dass nicht nur die Banken Kreditgeber sind, sondern dass echtes Risikokapital zur Verfügung gestellt wird, weil den Banken aufgrund der derzeit gesetzlichen Bestimmungen das ja quasi untersagt wird. Es muss daher eine ganz andere Struktur geschaffen werden. Ich finde es gut, dass diese Diskussion jetzt beginnt und man daran arbeitet. Es wird aber nicht funktionieren, nur mit dem Finger zu schnipsen. Vielmehr muss es endlich in die Köpfe hinein.

Ich höre da eine gewisse Solidarität innerhalb der Wirtschaft heraus. Der Tourismus etwa fürchtet einen Ausverkauf der Branche. Dem muss man ja regional entgegenwirken.
Der Überzeugung bin ich auch. Wenn dieser Ausverkauf, der jetzt in den Raum gestellt wurde, tatsächlich im größeren Stil zuträfe, würde das die ganzen Vorteile und Strukturen unserer wunderbaren Region, die überwiegend von starken Familienunternehmen geprägt ist, eine enorme Kundennähe demonstriert und damit so attraktiv für viele tausende Gäste ist, aufs Spiel setzen. Wir würden sehr viel von unserer Identität abgeben und das verlieren, was uns so stark macht. Natürlich sind die Herausforderungen sehr groß, genau diese Struktur zu erhalten, aber ich bin zutiefst überzeugt, dass wir das schaffen.

Ein Wort zu den Privatkunden, die ebenfalls unter Corona leiden, Stichwort Vorsorge.
Das wird uns noch intensiver betreffen, vor allem in Bezug auf das Thema Finanzwissen. Eine unserer Uraufgaben ist es, Finanzwissen ins Volk hineinzutragen, damit die Menschen eine eigene Beurteilung haben, was auf dem Kapitalmarkt passiert oder ob man ein Typ ist, der für Instrumente, die über das Sparbuch oder über die Anleihe hinausgehen, geeignet ist. Finanzbildung, auch gesehen mit dem Hintergrund einer Pensionsvorsorge, einer Absicherung, ist eine der Hauptaufgaben von uns als Regionalbanken.

Sie klingen grundsätzlich optimistisch, was die Bewältigung der Situation anlangt. Wie gehen Sie persönlich mit dieser Krise um?
Die häufigste Frage, die ich derzeit gestellt bekomme ist: Warum tust du dir das noch an, so knapp vor der Pensionierung? Die Krise hat massiv aufgezeigt, dass man als Regionalbank nicht nur dazu da ist, Gelder hereinzunehmen und Gelder herauszunehmen, sondern dass wir besonders stark an unsere Grundwerte wie den Gemeinwohlauftrag oder den Genossenschaftsgedanken erinnert werden. So gesehen ist es irgendwie auch eine Erfüllung, sich als Teil der Lösung und nicht als Teil des Problems zu sehen. Das gibt mir zurzeit Kraft.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person: Werner Böhler

Nach seiner schulischen Ausbildung absolvierte Werner Böhler eine Grundausbildung und diverse Managementlehrgänge innerhalb der Sparkasse. 1976 trat er in die Dornbirner Sparkasse ein und wurde 1989 zum Leiter der Kreditabteilung bestellt. Vier Jahre später wurde Böhler Mitglied in der erweiterten Geschäftsleitung. Zwischen 1997 und 2008 war er Vorstandsmitglied der Sparkasse Feldkirch, von 2000 bis 2008 sogar als Vorstandsvorsitzender. 2008 erfolgte die Rückkehr zur Dornbirner Sparkasse. Seither ist Werner Böhler als Vorstandsvorsitzender zuständig für die Bereiche Markt (Kommerz, Privat, Freie Berufe), Marketing, Kommunikation, Personal, Treasury und Produktmanagement. Seit dem Jahr 2008 ist Werner Böhler als Vorsitzender der Fachvertretung der Vorarlberger Sparkassen aktiv für seine Branche im Einsatz. Seit 2020 ist er zudem Obmann der Sparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer Vorarlberg.

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