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„Wir können die Klimaziele von Paris ohne Verbote erreichen“

Als Obmann des Fachverbandes des österreichischen Energiehandels spricht Jürgen Roth im Interview über die aktuelle Situation in der Branche, die Erreichung der Pariser Klimaziele und über synthetischen Treibstoff.

Jürgen Roth, Fachverbandsobmann des österreichischen Energiehandels und  IWO-Vorstandsvorsitzender.
© Lunghammer Jürgen Roth, Fachverbandsobmann des österreichischen Energiehandels und IWO-Vorstandsvorsitzender.

Wie schätzen Sie die Situation des heimischen Energiehandels ein? Und welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf diese Entwicklung?

Unsere Branche gliedert sich in die Bereiche „Raumwärme“ und „Mobilität“. In ersterem sind die Preise relativ stark gefallen, beim Heizöl etwa um 25 Prozent. Bei den Umsatzzahlen war hier ein Plus zu verzeichnen, weil die Kunden in Krisenzeiten Wärme speichern; das ist bei Pellets und Öl spürbar. Der Nachteil für die Unternehmen ist, dass die Kunden zwar mehr gekauft, aber nicht mehr verbraucht haben; das heißt, Rückgänge werden erst zeitverzögert sichtbar werden.
Bei der Mobilität sind die Umsätze speziell in der Zeit des Lockdowns stark zurückgegangen, in Gebieten in  Grenznähe bis zu 90 Prozent! Nach dem Lockdown haben sich die Umsätze auf dem Vorjahresniveau eingependelt. Im Sommer zeigte sich, dass die Leute weniger Flugreisen ins Ausland unternahmen und stattdessen  ihren Urlaub mit dem Auto in Österreich verbrachten. Insgesamt ist der heimische Energiehandel mit einem blauen Auge davongekommen.  

Im Herbst hat sich die Situation allerdings wieder verschärft ...

In der Tat ist die Lage seit Oktober aufgrund der Reisewarnungen angespannt, die Umsatzrückgänge liegen bei etwa 30 Prozent. Das ist einerseits auf die neuerlichen Reisewarnungen, aber auch durch die Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice erklärbar – durch beide Faktoren gibt es wieder deutlich weniger Mobilität. 

Stichwort „Pariser Klimaziele“ – welchen Beitrag kann der Energiehandel zur Erreichung leisten?

Der Energiehandel war eine der ersten Branchen, die bereits vor Jahrzehnten damit begonnen haben, proaktiv Emissionen einzusparen, wir konnten bereits eine Reduktion von 50 Prozent erreichen. Wir sind die, die Mobilität und Wärme ermöglichen und sind überzeugt, dass wir die Klimaziele von Paris gemeinsam erreichen können: Und zwar mit innovativen und standortverträglichen Lösungen und nicht durch Verbote!

In diesem Zusammenhang starten AVL* und IWO* die weltweit innovativste Anlage für CO2-neutralen synthetischen flüssigen Kraftstoff aus erneuerbarer Energie ...

Das Pilotprojekt „Innovation Flüssige Energie zur Herstellung synthetischer Brenn- und Kraftstoffe“ hat das Potenzial Österreich in eine CO2-neutrale Zukunft zu führen und unseren Wirtschaftsstandort damit langfristig abzusichern. Diese Kooperation von AVL, IWO und Montanuni Leoben hat das Ziel, Europas innovativste und in dieser Form erste „Power-to-Liquid-Anlage“ zu errichten. 

Was können wir uns darunter konkret vorstellen?

Aus dem in Österreich überschüssig produzierten grünen Strom wird zuerst Wasserstoff hergestellt. Dieser wird dann unter Hinzugabe von regenerativem CO2 aus Biomasse bzw. Biogas in ein DIN-geformtes Dieselkraftstoff-Äquivalent verwandelt. Der enorme Vorteil eines solchen synthetischen und dank des neuen, innovativen Verfahrens auch erstmals leistbaren Brenn- bzw. Kraftstoffes ist, dass damit die geforderte massive Reduktion von Treibhausgasemissionen auch wirklich erreicht werden kann; und das ohne teure Umrüstung! Das Potenzial ist erheblich: Alleine durch die Ausnutzung des jährlichen Ökostromüberschusses in Österreich könnten damit 240 Millionen Liter dieses synthetischen Treibstoffes CO2-neutral und zu 100-Prozent „made in Austria“ produziert werden!


Vielen Dank für das Gespräch!

*AVL: Anstalt für Verbrennungskraftmaschinen List mit Sitz in Graz, *IWO: Institut für Wärme- und Öltechnik


Tipp!
500.000 Liter pro Jahr sind das Ziel der Testanlage: Wasserstoff wird mit regenerativem CO2 mittels Fischer-Tropsch-Verfahrens zu synthetischem Kraftstoff. 

Weitere Infos zum österreichischen Energiehandel sind online zu finden: energiehandel.net, iwo-austria.at

Das Video zur Funktionsweise der innovativen „Power-to-Liquid-Anlage“ finden Sie online:
youtu.be/QZ35wUaTSiA

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