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„Wir dürfen nur mit dem Besten zufrieden sein!“

"Die Zukunt hat begonnen!“, schreiben Autoren von „Die Zukunft Vorarlbergs“, Siegfried Steininger und Wolfgang Herburger. „Die Wirtschaft“ hat sie zu einem klärenden Gespräch gebeten.

© Thinkstock "Wir dürfen nur mit dem Besten zufrieden sein“, schreiben die Autoren von „Die Zukunft Vorarlbergs“, Siegfried Steininger und Wolfgang Herburger. „Die Wirtschaft“ hat sie zum Interview gebeten.

Ein solches Buch zu schreiben, erfordert eine aufwendige Recherche. Was war die eigentliche Intention bzw. Hoffnung dahinter?
Beginnen wir mit der Hoffnung: Unsere Hoffnung war und ist, dass Vorarlberg 2050 mindestens so gut dasteht wie heute oder sogar besser. Dies ist, wenn man die Vorgänge in der Welt anschaut, nicht selbstverständlich.  Die Erinnerung an die Vergangenheit hilft uns allerdings für die Zukunft nur sehr bedingt. Deshalb haben wir einen umfassenden Blick auf Vorarlberg in der Welt von morgen geworfen. Wir haben soviel in dem Jahr, in dem wir intensiv daran gearbeitet haben, über unser Land gelernt. Dies alleine wäre schon die Mühe wert. Wichtiger noch ist uns, den Verantwortlichen und Interessierten im Land Handlungsoptionen fundiert aufzuzeigen, welche Stellhebel sie in die Hand nehmen müssen, damit die Zukunft in die richtige Richtung geht. Vielleicht sind dann unsere Anregungen, und Ihre eigenen Ein-schätzungen dazu, die Schlüssel zum Erfolg in Vorarlberg 2050.

Aus dem Buch ist herauszulesen, dass sich Vorarlberg zu wenig mit der Zukunft beschäftigt. Verschlafen wir in Vorarlberg gerade etwas?
Ja und Nein. Selbstverständlich gibt es in Vorarlberg Menschen, die sich mit der Zukunft beschäftigen und ihre Organisationen darauf ausrichten wollen. Diese sind zu wenige, hängen an der Fortschreibung des Bestehenden. Wer gut dasteht, kann wählen: Stagnation, Abstieg oder Aufstieg, Verzettelung oder Weltniveau, Einigelung oder Zugänglichkeit,  Getriebener oder Treiber,  weltfeindlich oder international, risikoscheu oder mutig. Vorarlbergs weiterer Aufstieg braucht mehr Innovation, Pioniergeist, Konzentration  und Spannkraft. Insofern schauen die Vorarlberger zuwenig mutig und freudig aktiv in die Zukunft.

Das heißt aber auch, in Vorarlberg verzettelt man sich zu sehr im Klein-Klein?
Exakt. Das ist das Problem – in vielen Bereichen und Sektoren.

In welchen Bereichen wird das besonders augenscheinlich?
Sehen Sie sich an, wie viele Unternehmen mit dem Erreichten zufrieden sind, bei Innovation nur kleinste Neuerungen in Betracht ziehen.  Selbstverständlich sind die im Land führenden Industriebetriebe nicht verschlafen, aber reicht dies? Die Zukunft bringt ein Mehrfaches an Herausforderungen für die Innovation. Wirtschaftlich ist es erforderlich, vom F&E-Zwerg zur Innovationsschmiede aufzusteigen.

Ihr Blick richtet sich dabei auch auf den Tourismus.
Konzentration ist angesagt. Jedes Tal des Landes wirbt für sich alleine. Wenn wir hier Chancen haben wollen, müssen wir uns als eine kompakte Destination verstehen. Bis 2050 muss sich z.B. der Wintersport zum wirklichen Winter-Tourismus entwickelt haben und dies unter einer Schlüssel-Marke „Arlberg“ (also auch Montafon oder Damüls am Arlberg). Sehen Sie sich die Kleinkrankenhaus-Strukur im Land an und schauen Sie, was Dänemark zuwege bringt. Fast alle Landwirte haben nur ihre eigene Scholle im Blick. Innovation, Kooperation und Vertrieb sind dünn gesät. Für Planung und Bau so mancher Straße brauchen wir mehr als eine Generation. Wir fragen uns, warum igelt sich Vorarlbergs Bevölkerung und Elite so sehr ein, ist mit dem zufrieden, was man erreicht hat? Warum ist Bewahren wichtiger als Aufbau und Weiterentwicklung? Warum hat man sich mit dem Sozialstaat so sehr verstrickt, dass man nur noch in dessen Ausbau eine wirkliche Entwicklung erkennt? Warum sind so viele Projekte, die durch das Land, die Gemeinden und von der Bevölkerung geplant und angegangen werden, so „putzig“ angelegt?

Saturiert und in Schlüsselstellen an Spannkraft nachlassend. Glauben Sie, dass sich die Gesellschaft mit diesem Befund anfreunden kann?

Zunächst nicht. Aber wie würden Sie Folgendes interpretieren: Ein Viertel der Vorarlberger Bevölkerung will seine Arbeitszeit reduzieren (Teilzeitgesellschaft). Ein uns bekannter Unternehmer expandiert bewusst im Ausland. Die Vorarlberger seien ihm in der Zwischenzeit zu lahm und die Politik trete auf der Stelle, zudem seien die Märkte sonst wo. Die Wohlfahrtsorientierung und ausufernde Sozialpolitik dominiert andere Bereiche. Und die Umweltpolitik wird in einem Masse in den Vordergrund gerückt, als hätte Vorarlberg wirkliche, große Umweltprobleme. Die heutigen Leuchtturmunternehmen werden 2050 Vorarlberg entwachsen sein. 

Das heißt?
Damit kein Schrumpfungsprozess im Land eintritt, sind verstärkte Anstrengungen auf die Entwicklung neuer, industrieller Leuchtturmunternehmen zu legen. Auch Dienstleister müssen aus dem engen lokalen Umfeld ausbrechen. Für ein Export- und Tourismusland sind relativ wenig Menschen bereit, in die Welt hinauszugehen, Chinesisch, Indonesisch, Spanisch oder Portugiesisch zu lernen. Latein hilft in der Zukunft nicht wirklich. Zehn Jahre Schule müss-ten mindestens Grundkenntnisse in mehr als fünf Sprachen bringen. 

Sie sind mitunter nicht zimperlich in Ihren Ausführungen. Wie sehen die Reaktionen im Land aus?

Ja, Sie haben recht. Wer in die Zukunft denkt, eckt prinzipiell an. Und wer nicht über den Tellerrand hinausschauen will, braucht ein solches Buch gar nicht schreiben.Was wir nicht erwartet haben ist, dass in so vielen Institutionen, Organisationen und Unternehmen sich Menschen mit ihrem Frust und ihren innovativen Ideen bei uns melden, weil das Buch für sie wie ein Katalysator wirkt. Wollen Sie wissen, was Leute negativ an unserem Buch kritisieren? Zu lang und zu klein geschrieben. In jedem Fall die positive Reaktion ist: spannend und zukunftsweisend, macht Lust zum Lesen.Wir sind auch über die Publizität des Buches in den Medien mehr als zufrieden. Uns freut, dass einige Spitzen dieses Landes sich bereits Gedankengänge und Begriffe des Buches zu eigen gemacht haben. Darüber hinaus sind wir in einigen Bereichen mit Verantwortlichen im produktiven Gespräch, weil gesehen wird, dass die heutige Grabesruhe neben den intensivierten Selbstdarstellungen gefährlich ist. 

Wie sollte es Ihrer Ansicht nach weitergehen?

Kurzfristig würden wir alle Papiertiger, alten und neuen Heilsbringer, Sesselkleber, Ruhigsteller, Trickser…  auf einen kritischen Prüfstand stellen. Die Sinnhaftigkeit von vielen gleichen, ähnlichen und gutgemeinten Organisationen, Einrichtungen und Angeboten muss wirklich offen hinterfragt werden. Mit geschönten Selbstdarstellungen und Statistiken ist niemandem gedient. Die Frösche zur Trockenlegung des Sumpfes zu nominieren, klappt nicht wirklich. Wer im Einzelnen gemeint ist, steht sehr offen in unserem Buch. Mittel- und langfristig kommt es darauf an, dass Vorarlberg  sich ein klares Bild der Zukunft verschafft und die wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen konsequent angeht. „Was brauchen wir wirklich und in gesteigertem Maße“ ist wichtiger, als „was könnte man sonst noch machen“.          

Vielen Dank für das Gespräch!

Buchautor Wolfgang Herburger
© Herburger Wolfgang Herburger
Zur Person: Wolfgang Herburger
Jahrgang 1960, studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Zunächst Marketing-Assistent
in der Industrie, anschließend im Verbands- und Non-Profit-Bereich. Seit 1994 eigenes Consulting-Unternehmen, Beratungsschwerpunkte: Management-Consulting, Organisationsentwicklung, Entwicklung von Corporate-Academy-Lösungen und Personalentwicklung.


Buchautor Siegfried Steininger
© Steininger Siegfried Steininger
Siegfried Steininger
Jahrgang 1954, studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Linz. Wissenschaftlicher Assistent, ab 1987 Wechsel zu Dornier Consulting: Management-Consulting, Verkehr und Transport, Gesundheitswesen, Regional- und Infrastrukturentwicklung, Automotive, Energie- und Wasserwirtschaft. Beratung u.a. für Daimler und Airbus. Seit 2015 Unternehmer und Autor.

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