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„Digitalisierung: Wir brauchen eine Vorarlberger Transformationsoffensive“

Dieter Bitschnau wurde als Obmann der Sparte Information und Consulting bestätigt und vertritt damit auch in den kommenden fünf Jahren die Interessen der rund 3.700 aktiven Informations- und Consultingdienstleister im Land. Der Kommunikationsexperte sieht speziell bei der Digitalisierung die enormen Chancen der Corona-Krise.

Dieter Bitschnau, Obmann der Sparte Information und Consulting in der Wirtschaftskammer Vorarlberg.
© clavis Dieter Bitschnau, Obmann der Sparte Information und Consulting in der Wirtschaftskammer Vorarlberg.
Was führt uns die Corona-Pandemie Ihrer Meinung nach am eindrücklichsten vor Augen?
Jede Krise birgt auch eine Chance: Denn unabhängig von den immensen menschlichen, gesundheitspolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen muss man sagen, dass wir seit vielen Jahren versuchen, Digitalisierungsprozesse nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Verwaltung und verschiedenen anderen Bereichen voranzutreiben – und diejenigen, die das bereits  umgesetzt haben, sind jetzt in der Pole-Position. Wir sehen durch die Corona-Krise, dass unsere Gesellschaft nur noch mit Digitalisierung reibungslos funktionieren kann. So sind etwa durch das Betretungsverbot im stationären Handel digitale Lösungen entstanden, die vor der Corona-Krise nicht denkbar waren.

Der enorme Digitalisierungsschub hat aber auch Auswirkungen auf die Internet-Infrastruktur...
Auch in der Arbeitswelt selbst wurde in sehr kurzer Zeit ein enormer Wandel vollbracht: Homeoffice- und Cloudlösungen oder Kollaborations-Plattformen wurden etabliert, und zwar in einer gewaltigen Geschwindigkeit! Das ist nur in einer Krise möglich. Die Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice heißt aber auch, dass in den Haushalten von einem Tag auf den anderen ganz andere Datenraten und eine stabile Internet-Infrastruktur notwendig wurden. Eines der großen „Learnings“ aus der Krise ist, diesen Schwung, den wir hatten, mitzunehmen. Deshalb haben wir als Sparte Information und Consulting mit den verschiedenen Fachgruppen definiert, dass es eine Art Vorarlberger Transformationsoffensive für unterschiedliche Bereiche geben soll. Das hat auch das Land Vorarlberg erkannt, im Impulsprogramm sind dafür Mittel enthalten, etwa für Projekte im Bereich E-Commerce oder auch in der Verwaltung oder an Schulen.

Gibt es konkrete Projekte?
Es ist zum Beispiel ein Projekt mit der Sparte Handel und den Fachgruppen UBIT und Werbung & Marktkommunikation in Planung, um einen solchen Transformationsprozess ins Rollen zu bringen. Dabei ist klar, dass jeder andere Anforderungen hat, uns geht es darum, die Unternehmen dort abzuholen, wo ihr Kenntnisstand ist und auch Individualität zu ermöglichen. Das Projekt wird ein schönes Beispiel, wie der enorme Schwung aus der Krise auch nachhaltig genutzt werden kann.

Zurück zum Thema Breitband-Ausbau...
Wir haben bereits kurz nach dem Lockdown eine Erhebung in Auftrag gegeben, bei der gefragt wurde, wie zufrieden die Leute im Homeoffice mit Faktoren wie der Stabilität  der Internetverbindung oder der Downloadgeschwindigkeit sind. Dabei war klar erkennbar, dass es großes Potenzial nach oben gibt: 60 Prozent sagten zum Beispiel, dass sie zuhause nicht mit einer ausreichend schnellen Internetanbindung versorgt sind, als Grund dafür nannten 68 Prozent die unzureichende Infrastruktur und 77 Prozent beantworteten die Frage nach mehr Bandbreite (höhere Übertragungsraten im Upload und im Download) für ihr Internet mit „Ja“. Diese Ergebnisse entsprechen unserer langjährigen Forderung, dass es im Land einen strategischen und nachhaltigen Breitbandausbau braucht, der Lücken schließt und das bestehende Netz auf gigabitfähige Kapazitäten aufrüstet! Und zwar nicht nur in Ballungsräumen, sondern flächendeckend im ganzen Land, auch das hat die Corona-Krise deutlich gezeigt.

Offenbart der gewaltige Digitalisierungsschub aber nicht auch das große Bedrohungspotenzial durch Cyber-Kriminalität?
In der Tat betrifft das Bedrohungspotenzial von Cyber-Kriminalität die gesamte Wirtschaft auf unterschiedlichen Ebenen. Die Angriffe reichen vom Hacken von Datenbanken über das Setzen eines Virus bis hin zu  Lösegeldforderungen. Erfahrungsgemäß sind größere Unternehmen besser gegen solche Angriffe geschützt, aber gerade im KMU-Bereich sind Daten teilweise nicht ausreichend gesichert oder es gibt keine Leitlinien für die Mitarbeiter. Vielen werden diese Versäumnisse erst bewusst, wenn etwas passiert. Im schlimmsten Fall kann ein Cyber-Angriff die wirtschaftliche Existenz bedrohen, wenn der Betrieb durch unterbrochene Prozesse lahmgelegt wird oder keine Geschäftskontakte mehr möglich sind. Wenn Unternehmen in diesem Bereich fahrlässig handeln, bekommen sie zum Beispiel im Falle eines Diebstahls von Kundendaten nicht nur ein Reputationsproblem, sondern sind auch mit Klagen im Zusammenhang mit der DSGVO konfrontiert.

Welche Lösung können Sie Unternehmen anbieten?
Dazu arbeiten wir an einer Cyber-Security-Versicherung. Diese wollen wir für alle WKV-Mitglieder anbieten, denn im Schadensfall können technische Hilfestellungen, wie die Einbeziehung von IT-Experten oder IT-Forensik, hohe Kosten verursachen. Allerdings reicht es nicht, eine Versicherung abzuschließen: Die Beschäftigung mit der Thematik ist wichtig, deshalb bietet die Experts Group IT-Security auch Unterstützung in Form von Beratungsmodulen an.

Ein weiteres Problem, das sich im Zuge der Corona-Krise gezeigt hat, ist die dünne Eigenkapital-
decke. Welche Anreize wären hier wichtig?

Die Ausstattung mit Eigenkapital ist bei zu vielen Unternehmen sehr dünn. Wenn dann die Umsätze, wie im Falle der Corona-Pandemie, ausfallen, kann das zu existenziellen Liquiditätsengpässen führen. Wir müssen alles dafür tun, die Eigenkapitalquote zu stärken, etwa durch steuerliche Anreizmodelle. So ist laut der Fachgruppe der Finanzdienstleister die Regelung, dass Wertpapiere mindestens vier Jahre im Betrieb gehalten werden, weil sonst eine Nachversteuerungspflicht besteht, ein Manko, um im Krisenfall auf diese Mittel zuzugreifen. Es müssen also gar nicht unbedingt neue Instrumente geschaffen werden: Die Abschaffung der Nachversteuerungspflicht, wenn man krisenbedingt auf Wertpapiere zugreift und auch dass man den Gewinnfreibetrag investitionsbedingt für Unternehmen wieder ermöglicht, die die Teilpauschalierung anwenden.

Inwiefern hat sich die Corona-Krise und deren Folgen auf die Stimmung der wissensbasierten Informations- und Consultingdienstleister ausgewirkt?
Seit Mai 2020 haben wir jeden Monat das Corona-Krisenbarometer durchgeführt, ein „Echtzeitradar“ bei dem wir die Entwicklungen heruntergebrochen auf die einzelnen Fachgruppen erkennen können. Die ersten Befragungen zeigten betreffend Umsatz, Zukunftsaussichten und Hilfsmaßnahmen ein sehr pessimistisches Stimmungsbild, aber nach der ersten Schockwelle und dem Ende des Lockdowns verbesserte sich die Stimmung. Dazu trug auch die Erfahrung bei, dass durch innovative Lösungen und neue, digitale Ansätze Geschäftstätigkeiten möglich sind.

Aktuell ist im Corona-Krisenbarometer wieder mehr Unsicherheit zu erkennen.

Bis vor ca. zehn Tagen war die Stimmung gut, jetzt, vor dem Hintergrund der steigenden Infektionszahlen und neuer Maßnahmen, wird auch die  psychologische Komponente der Krise spürbar: Sobald am Horizont ein Risiko auftaucht, hat das ganz massive Auswirkungen auf das Tun der Unternehmen. Wir waren bereits wieder auf einem sehr guten Weg, aber jetzt sinkt der Anteil jener Unternehmen wieder, die sagen sie können ohne Hilfe durch die Krise kommen. Es ist wichtig, den Leuten klarzumachen, dass es noch länger dauert, bis das Virus weg ist. Deshalb müssen wir uns jetzt darauf verständigen, nicht in Panik zu geraten und uns auf diese Situation einzustellen. Für mich heißt die Krise auch, mit der Veränderung leben zu lernen: Unser Leben wurde in wirtschaftlicher wie persönlicher Hinsicht bereits so nachhaltig verändert, dass wir diese Entwicklung nicht mehr zurückschrauben können.

Danke für das Gespräch!

Zur Person: Der Kommunikationsexperte Dieter Bitschnau wurde 1974 in Innsbruck geboren. Nach dem Kolleg für Tourismuswirtschaft in Innsbruck sammelte er beim Aufbau einer Videoautomatenkette bereits erste unternehmerische Erfahrungen. 1998 stieg Bitschnau bei wiko in Innsbruck in die Kommunikationsbranche ein und absolvierte parallel in Krems den Master in PR und Integrierte Kommunikation und in Berlin die Masterclass für Public Affairs. Heute hat das Unternehmen, das unter dem Namen clavis firmiert, Standorte in Wien, Innsbruck und Bregenz. Letzteren hat Dieter Bitschnau seit 2004 aufgebaut. Seit zehn Jahren engagiert er sich außerdem als Obmann der Sparte Information und Consulting in der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Er lebt mit seiner Frau in Kennelbach und findet den Ausgleich zu seiner unternehmerischen Tätigkeit in der Natur. 


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