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"Weniger ich, mehr wir!" lautet die Devise

Hans Peter Metzler im Interview mit NEUE Vorarlberger Tageszeitung über Herausforderungen, Zusammenhalt und Chancen in der Krise

Hans Peter Metzler im Interview.
© Alexandra Serra

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie machen der Wirtschaft schwer zu schaffen. Wie beurteilen Sie das heurige Jahr?

Es war ein überaus herausforderndes Jahr, das sich dem Ende zuneigt; ein Jahr, das alle Bereiche des Lebens erfasst und Land und Leuten kollektiv vieles abverlangt hat. Es war ein Jahr, in dem die Erkenntnis gewachsen ist, dass nichts selbstverständlich ist. Und es hat uns auch gelehrt, dass wir lernen müssen, mit dem Virus zu leben. Von einer Normalität kann also noch länger keine Rede sein. An der Prämisse hat sich allerdings nichts geändert: Gesundheitliches Wohl und wirtschaftliche Vernunft müssen im Rahmen einer neuen Kultur des Ermöglichens in Einklang gebracht werden. Eine Kultur, die klare Spielregeln und damit Planbarkeit vorgibt. Das ist nämlich eine der Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche und langfristige Erholung unserer Wirtschaft. Wir haben auch gesehen, dass die Wirtschaft die Basis für ein gutes Leben ist. Darüber hinaus müssen wir uns jetzt fragen, wie gut wir als Ganzes aufgestellt sind: als Gesellschaft, als Wirtschaft, aber auch als Politik und Verwaltung. Weniger „ich“, mehr „wir“ täte gut!

Sie hatten nach der Wirtschaftskammerwahl im März „so richtig Lust“, die Arbeit fortzusetzen. War da die Pandemie ein Dämpfer?

Vielmehr Motivation, unseren Betrieben erst recht zu zeigen, dass wir als Wirtschaftskammer für sie da sind. Es ist unsere Verantwortung und Pflicht, den Vorarlberger Unternehmerinnen und Unternehmern jetzt zur Seite zu stehen, sie aktiv zu unterstützen und Lösungen zu erarbeiten. Wir haben sogleich umstrukturiert und sind in eine Art Krisenmodus gewechselt. Daher haben wir uns für die Schaffung eines Krisenstabes entschieden, um effizient und rasch handeln zu können. Dazu finden tägliche Abstimmungen im Steuerungsboard statt. Wir sind auch im regelmäßigen Austausch mit den verschiedenen Fokusgruppen, die wir dazu gebildet haben. Gebremst wurde nicht unser Engagement, sondern Projekte im Strategieprozess Dis.Kurs Zukunft. Wir werden uns aber diesem so wichtigem Prozess schnellstmöglich wieder mit voller Kraft widmen! Wenn dann wieder Licht im Dunkeln ist, gilt es, die Zunkunftsthemen wie etwa die Nachhaltigkeit voll weiterzutreiben. Auch das ist eine Basis, um gut aus der Krise zu kommen.

Was waren die größten Herausforderungen für die Wirtschaftskammer im heurigen Jahr?

Auch wir stellten von heute auf morgen in den Krisenmodus um. Hier das richtige Maß an Unterstützung für unsere Betriebe zu finden, war nicht immer ganz einfach. Aber ich denke, wir haben über das ganze Jahr gesehen einen guten Job gemacht. Unsere Betriebe haben in den vergangenen Wochen und Monaten zudem vorbildlich gezeigt, wie man mit klugen und strikt umgesetzten Präventionsmaßnahmen die Ausbreitung des Virus im betrieblichen Umfeld verhindern kann. Somit geht es weiterhin um Gerechtigkeit und Fairness für alle Betriebe – für jene, die offen haben, und für jene, die schließen müssen oder aufgrund fehlender Gäste massiv betroffen sind. Wenn Maßnahmen gesetzt werden, um die Infektionswellen rasch und nachhaltig zu brechen, gilt es ebenso vorausblickend die Stabilität unseres Wirtschaftsstandortes zu wahren. Und um es in den Worten von Ökonom David Stadelmann auszudrücken, müssen wir die Verhältnismäßigkeit zwischen „nackten“ Zahlen und volkswirtschaftlichen Auswirkungen abwägen lernen.

Wie gut war die Unterstützung von Bundes- und Landesregierung für die Wirtschaftstreibenden?

Im internationalen Vergleich gelten die österreichischen Wirtschaftshilfen als führend. Das heißt sie sind mit Sicherheit gut, aber ehrlich gesagt in manchen Fällen auch zu wenig zielorientiert. Die Regierung muss lernen, dass das System komplex ist und wie unterschiedlich sich die Situation in der Wirtschaft und für die verschiedenen Branchen darstellt. Mitunter hat dadurch zu Beginn der Krise die Treffsicherheit in manchen Bereichen gefehlt. Mir ist klar, dass die Regierung eine Sorgfaltspflicht hat, was das Verwenden von Mitteln betrifft, aber es muss gewährleistet sein, dass niemand durch den Rost fällt. Wir sehen uns hier als stabilisierender Faktor, der Lücken zu schließen versucht und auch ständig aufzeigt, wo es hapert. Verbesserungspotenzial sehe ich in der Kommunikation der vielen sehr kurzfristigen Maßnahmen der Regierung. Gerade aktuell wird das wieder sehr deutlich.

Welche Lehren kann man aus der Pandemie ziehen?

Planungssicherheit wird zum zentralen Element für die Wirtschaft. Klare Leitplanken, die planbares Wirtschaften überhaupt noch ermöglichen, sind mehr denn je gefragt. Wir werden lernen müssen, mit und nicht gegen Corona zu wirtschaften und zu leben, und diese Erkenntnis ist zwingend auch als Appell an die Politik zu verstehen, künftig umfassender zu urteilen, breiter zu urteilen. Es muss, um das salopp zu formulieren, in jedem Fall vermieden werden, dass aus dem Lockdown ein Knockdown wird. Dennoch müssen wir auch als Kollektiv, als Gesellschaft erkennen, dass nicht alles selbstverständlich ist und wir als System auch nur Teil eines größeren Ganzen sind.

Wie gut sind Vorarlbergs Unternehmen in Sachen Home Office bzw. Telearbeit aufgestellt? Gibt es Defizite, etwa in der Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen?

Ich denke, die Betriebe sind hier gut aufgestellt. Verbesserungen sind jedoch immer und überall möglich. Die Krise hat Manches beschleunigt, dennoch haben wir in dieser Frage noch keine fertige Antwort für die Zukunft, gerade was die technische Verfügbarkeit anlangt. Wir haben Aufholbedarf, das scheint aber von der Politik verstanden worden zu sein. Einmal mehr sind wir mit einem Schwerpunktthema – in diesem Fall die Digitalisierung – richtig gelegen.

Regional Einkaufen ist zu einem großen Thema geworden. Kann die Pandemie hier auch Chance für die heimischen Handelsbetriebe sein?

Es ist definitiv eine Chance, zugleich merken wir, dass sich viele Betriebe auf das Online-Geschäft nicht optimal vorbereitet waren. Mit dem Projekt HANDEL.LOKAL.DIGITAL., das wir als Wirtschaftskammer Vorarlberg gemeinsam mit dem Land Vorarlberg ins Leben gerufen haben, wollen wir die digitale Kompetenz und die Sichtbarkeit der Vorarlberger Handelsbetriebe steigern. Das Thema hat viel mit Bewusstsein zu tun, es geht um Erkenntnis, Haltung und Verhalten. Daran gilt es zu arbeiten. Eine Zeit nach den Entbehrungen durch Corona wird es geben und dann werden wir alle froh darüber sein, dass uns unsere Betriebe wieder mit ihrer Vielfalt und ihrem Genuss verwöhnen können. Setzen wir daher alle zusammen ein starkes Zeichen der Solidarität. Wie gesagt, es hängt stark von unserer Haltung ab.

Der Tourismus und die Gastronomie sind von der Pandemie und den Beschränkungen besonders betroffen. Wie schwierig war der Herbst nach einer durchaus ansehnlichen Sommersaison?

Die Unsicherheit ist nach wie vor groß. Nachdem der Sommer erstaunlich gut verlaufen ist, wurde es sehr schnell wieder dunkel im Tourismus. Es fehlen volks- und betriebswirtschaftliche Perspektiven. Wir haben in der Vergangenheit mit hohen Risiken in den Wirtschaftsstandort Österreich investiert. Dafür brauchen wir wieder Rechtssicherheit und glaubwürdigen Investitionsschutz. Der eben verlängerte Lockdown muss gerade aus Sicht dieser Branche endlich zu einem deutlichen Absinken der Infektionszahlen führen und damit die Basis dafür sein, dass die Betriebe für 2021 einen klaren Fahrplan bekommen. Dafür sind regelmäßige Massentests unbedingt notwendig um die Pandemie endlich in den Griff zu bekommen.

Wie geht man persönlich mit so einer Krise um? Schließlich sind Sie als Kammerpräsident mit den Anliegen und Sorgen der Mitglieder konfrontiert, aber Sie stehen auch mit ihrem eigenen Betrieb vor großen Herausforderungen?

Es braucht neben dem persönlichen Krisenmanagement auch eine Portion Gelassenheit. Daran muss man arbeiten, sonst verliert man den Blick auf die Herausforderung. Man darf sich nicht permanent negativ programmieren. Was stärkt, ist die gemeinsame Herausforderung und für andere da sein zu können. Das setzt Kräfte frei. Als Unternehmer geht es mir wie allen anderen, wir stehen vor großen Herausforderungen. Aber auch hier gilt eine zuversichtliche Haltung, die Krise als Chance zu sehen und mit neuen Ideen und Konzepten die Herausforderungen zu meistern. Da und dort macht es auch Sinn, Dinge zu hinterfragen; das liegt in der Natur unserer unternehmerischen Eigenverantwortung.                    

Wo wird es in den kommenden Monaten hingehen? Was werden die Herausforderungen sein?

Unsere Betriebe lassen sich nicht einfach wie ein Lichtschalter ein- und ausknipsen. Was wir jetzt brauchen, ist eben ein verlässlicher Fahrplan der Politik für die kommenden Wochen und Monate. Konkret geht es um Klarheit und Perspektive, wann wer öffnen und dann auch offenhalten kannDie Wirtschaft hat seit dem Ausbruch der Pandemie in beispielhafter Kooperationsbereitschaft alles in ihrer Macht Stehende getan, um die Strategie der Politik zu unterstützen. Die meisten Unternehmen leben bereits jetzt die Prinzipien einer resilienten und anpassungsfähigen Wirtschaft. Wir werden diese Krise überwinden. Wenn wir zusammenhalten. Was wir daher zudem brauchen ist ein Mehr an Gemeinsamkeit, um den Herausforderungen konsequent begegnen zu können. Unter allen Umständen gilt es, einen erneuten Lockdown zu verhindern. Nur mit gemeinsamer Disziplin beim Einhalten der Schutzmaßnahmen können wir das meistern. Die Corona-Krise führt uns unmissverständlich vor Augen, dass der Mensch nicht als Einzelkämpfer gegen das Virus und seine Folgen ankommt, sondern nur als Teil einer Gruppe, als Teil der Gesellschaft.

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