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„Was es jetzt braucht, sind klare Perspektiven.“

Die Corona-Krise hat die Reisebranche schwer getroffen. Wann Normalbetrieb herrschen wird, ist nicht sicher. Elke Bereuter-Hehle, Fachgruppenobfrau der Autobus-, Luftfahrt- und Schifffahrtunternehmungen sowie Klaus Herburger, Fachgruppenobmann der Vorarlberger Reisebüros, im Interview.

Die Corona-Krise hat die Reisebranche schwer getroffen. Wann Normalbetrieb herrschen wird, ist nicht sicher. Dass die Krise drastische Auswirkungen haben wird, schon.
© Herburger/Hehle Die Corona-Krise hat die Reisebranche schwer getroffen. Wann Normalbetrieb herrschen wird, ist nicht sicher. Dass die Krise drastische Auswirkungen haben wird, schon.

Die Hoffnung ist groß, dass bald wieder reguläre Flüge stattfinden und Grenzen geöffnet werden...

Klaus Herburger: Sofern der Tourismus in den Reiseländern in absehbarer Zeit überhaupt wieder anlaufen sollte: Wollen Reisende ihren Urlaub in Ungewissheit und mit Schutzmasken verbringen? Bestimmt nicht, wenn sie in der Sonne liegen und am Pool oder Meer planschen.
Elke Bereuter-Hehle: Wenn ein Flieger fliegen darf, kann ich mir auch vorstellen, dass man auch in den Bus sitzen kann. Aber, wie soll das Ganze dann aussehen? Unter welchen Bedingungen bringen wir die Leute in den Bus? Ich kann ja nicht einen 50-Plätzer mit 15 Leuten abfahren lassen, alle mit Schutzmaske und in einem sicheren Abstand zueinander.

Der Sommertourismus könnte sich jedenfalls auf Destinationen innerhalb Österreichs und vermutlich großteils auf heimische Gäste reduzieren…

Herburger: Für das heurige Jahr und vielleicht auch darüber hinaus werden natürlich viele Urlaube in Vorarlberg und in anderen Bundesländern verbracht. Entsprechende Programme werden derzeit ausgearbeitet. Ob diese Angebote dann auch angenommen werden, wird sich zeigen. Viele Hotels haben signalisiert, dass sie vielleicht gar nicht öffnen werden oder können.
Bereuter-Hehle: Genau, natürlich haben wir da Ideen und Gedanken – wir legen das Angebot verstärkt auf Österreich aus, weil sich die Kunden hier jetzt auch sicher fühlen. Innerhalb Österreichs zu fahren würde zumindest einmal das Grenzproblem lösen. Aber wenn wir gar nicht erst wissen, ob wir überhaupt fahren dürfen, können wir ja auch keine großen Pläne schmieden.

Eine gute Marktbearbeitung für Vorarlberg mit neuen Botschaften und Konzepten könnte hilfreich sein?

Herburger: Das halte ich gerade jetzt für schwierig: Wie will man denn die Kunden erreichen? Inserate lohnen sich gar nicht, hier müsste wieder der Staat einspringen und Werbung über TV und andere Kanäle machen. Sinnvoll wäre es auf jeden Fall, die Kunden davon zu überzeugen, dass sie in den heimischen Reisebüros oder Busunternehmen buchen. Nicht nur, damit das Gewerbe nicht ganz zum Erliegen kommt, sondern auch, weil wir ganz klar mit Qualität und Sicherheit punkten können!
Bereuter-Hehle: Für uns ist das Thema, wie man Vorarlberg attraktiv macht, ein verständlicherweise eher kleineres: Wir fahren zu 80 Prozent ins Ausland und sind in ganz Mitteleuropa unterwegs – vom Nordkap bis nach Sizilien. Die komplette Ostersaison im April ist ins Wasser gefallen, auch der Muttertag im Mai. Das sind für uns normalerweise die stärksten Wochen im Reisejahr! In Vorarlberg bieten wir kaum Reiseangebote an, man braucht ja nur eine gute Stunde durchs Land. Wir brauchen daher rasch Gewissheit, wann die Grenzen geöffnet werden oder wann welche Reisedestinationen wieder aufmachen.

Neben einem Schulterschluss zwischen der Reisebranche, dem Tourismus und dem Land braucht es auch einen gemeinsamen Hilfsplan...

Herburger: Das Land sollte unbedingt vermitteln und die heimische Reiselandschaft unterstützen: Vor allem jene Reiseunternehmen, welche Gäste gezielt in das Land bringen wollen.
Bereuter-Hehle: Was wir jetzt also brauchen, sind konkrete Entscheidungen und Vorgaben von der Politik, wie und vor allem wann wir wieder reisen können. Es wird auch notwendig sein, verkehrstechnische Voraussetzungen für einen Urlaub in Österreich zu schaffen: Öffnung des Großen und Kleinen Deutschen Ecks, Transit durch Deutschland, Zugang ins Kleinwalsertal.
Herburger: Ja, natürlich muss ein entsprechendes Verkehrskonzept oder vielleicht ein Korridor geschaffen werden, damit die Gäste auch nach Vorarlberg reisen können. Es braucht auch Flugverbindungen nach Altenrhein mit gesicherten Grenztransporten nach Vorarlberg.

Viele Urlaube wurden schon lang vor der Krise gebucht. Es gab regelrechte Stornierungswellen: Wir gut funktioniert das Modell „Umbuchen statt Stornieren“?

Bereuter-Hehle: Ich weise die Kunden auf alle Möglichkeiten hin, aber ich bin natürlich vom „Goodwill“ meiner Kunden abhängig. Da kommt uns jetzt vielfach die jahrelang aufgebaute Beziehung zu unseren Kunden zugute. Dennoch sind unsere Vorleistungen für viele nicht sicht- und greifbar: Im Oktober fangen wir an, das nächste Jahr zu planen und zu organisieren. Im Dezember kommt der Reisekatalog heraus. Auch der kostet viel Geld, der wird verschickt! „Umbuchen statt Stornieren“ ist also gerade in diesem Zusammenhang eine große Hilfe: Wir müssen liquid bleiben.
Herburger: Ein schwieriges Thema. Leider haben nur wenige Kunden das Vertrauen und buchen etwa eine andere Reise zu einem späteren Zeitpunkt. Das könnte viel besser angenommen werden, wenn es mehr Aufklärung gäbe: Die Kunden müssten wissen, dass das die Reiseunternehmen enorm unterstützen würde.
Bereuter-Hehle: Und diese Unterstützung brauchen wir jetzt. Die heimische Wirtschaft muss unterstützt werden: In Österreich bleiben, in die heimische Hotellerie und Gastronomie gehen! Der Gedanke ist ja da, aber wie gesagt: Wir sind leider noch nicht so weit, weil wir noch nicht einmal in den Bus steigen dürfen. Da brauchen wir jetzt klare Perspektiven!

Neben der intensiven Vorarbeit gibt es ja auch laufende Kosten und Investitionen...

Bereuter-Hehle: Ein neuer Reisebus kostet bis zu 500.000 Euro. Im Februar haben wir gerade einen neuen bekommen. Mit dem sind wir jetzt genau 600 Kilometer gefahren, normalerweise sollte der Bus aber schon 10.000 Kilometer zurückgelegt haben. Die Busse in der Garage stehen still. Das zu sehen, tut jeden Tag weh und die Fixkosten laufen natürlich im Hintergrund weiter. Wir haben aber vor allem auch eine riesige Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern, die jetzt in Kurzarbeit sind. Und auch dieses Modell kostet Geld, wenn es keine Arbeit gibt.
Herburger: Das Modell Kurzarbeit ist in den meisten Reiseunternehmen angenommen worden. Wir hoffen, dass es mit den drei bzw. sechs Wochen ausreichen wird. Ich denke aber, dass auch hier eine Verlängerung durch den Gesetzgeber angedacht werden muss. Durch die vielen Rückzahlungen in der Reisebranche steht das Reisegewerbe eigentlich am Rand des Ruins. Die Schweiz zum Beispiel hat das besser und mittelfristig sinnvoller gelöst als die EU: Hier wurde eine Rückzahlungsaussetzung bis Ende September durchgesetzt. Bis dahin wird man jedenfalls schon deutlicher abschätzen können, in welche Richtung sich alles entwickelt.
Bereuter-Hehle: Wir haben im Land wirklich einen tollen Standard und viele innovative Unternehmen – darunter sehr viele Familienunternehmen. Da steckt auch sehr viel Herzblut drin. Ich wünsche mir daher, dass wir es alle schaffen können. Eine faire Verteilung von finanziellen Hilfen würde dabei viel mehr helfen, als große Kreditversprechungen. Kredite haben wir ohnehin schon am Laufen. Daran jetzt wieder viele Jahre zu knabbern, kann sich kaum jemand leisten!

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