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„Vom heißen Olympia-Fieber ist nicht viel übrig“

Wirtschaftsdelegierter Ingomar Lochschmidt über die Olympischen Spiele in Japan sowie den Stellenwert Japans für die österreichische Exportwirtschaft.

Kind mit Roboter
© iStock Als eine Art Roboterlabor der Welt zeigt Japan, was anderswo in den nächsten Jahren zum Thema werden könnte.

Wenn in zwei Wochen die Olympischen und im August die Paralympischen Spiele in Tokio mit einem Jahr Verspätung beginnen, so geschieht dies in recht gedrückter Stimmung. Vom heißen Olympia-Fieber hat die Angst vor dem gefährlichen COVID-Fieber nicht viel in Tokio übrig gelassen.
Japan ist bisher ja recht gut durch die Pandemie gekommen. Insgesamt sind im Land der Aufgehenden Sonne nicht viel mehr Menschen mit dem COVID-Virus verstorben als in Österreich, und das bei der 14-fachen Bevölkerungszahl und den meisten Hochbetagten.

Schon im März 2020 hat sich das Kaiserreich von der Außenwelt weitgehend abgeriegelt. Für die Wirtschaft ist dieser Umstand freilich eines der größten Probleme. Montage- und Geschäftsreisen nach Japan sind de facto unmöglich, viele Projekte stehen still, Neuaufträge sind ohne persönliche Messe- und Kundenbesuche besonders schwer. Das AußenwirtschaftsCenter hilft natürlich - wir haben auch schon ferngesteuerte Roboter-Avatare eingesetzt, um eine innovative Kommunikation zwischen Österreich und Japan zu ermöglichen.
Unsere österreichische Wirtschaft ist in Japan ausgezeichnet aufgestellt, auch der Exporteinbruch 2020 ist dadurch im einstelligen Prozentbereich geblieben. Unsere fast 1400 Japanexporteure bieten eine sehr breite Produktpalette an. Der Kfz-Sektor nimmt einen besonders wichtigen Stellenwert ein, aber auch so unterschiedliche Produkte wie Pharmazeutika, Holzplatten und -böden, Laborausrüstung, Eisenbahnzulieferungen, Kristallwaren, Schweine- und zuletzt auch Rindfleisch, Fruchtsäfte und natürlich Energy Drinks finden einen wichtigen Absatzmarkt in Nippon. Bio-Lebensmittel und Functional Food sind gerade groß im Kommen. Und viele Hightech.-Start-ups finden in Japan einen fruchtbaren Boden für Kooperationen mit bekannten Konzernen. Japan ist unser drittwichtigster Übersee-Exportmarkt - nur in die USA und nach China liefert Österreich noch mehr.

Egal ob Konsumgüter oder Industrieausrüstung: Es ist das Qualitätsbewusstsein der japanischen Kunden und die Verlässlichkeit des ausländischen Partners, die oft für den Geschäftserfolg unserer Firmen ausschlaggebend sind. Dieses Vertrauen muss man sich natürlich erarbeiten - und wird meist durch besondere Loyalität des Partners belohnt. Ausdauer  ist gefragt, das schnelle Geschäft geht woanders.

Vom Freihandelsabkommen aus 2019 profitieren nicht nur unsere Importeure und Konsumenten durch billigere Preise für japanische Waren; es eröffnet auch unseren Exporteuren neue Chancen durch Zollabbau und Zugang zum öffentlichen Beschaffungsmarkt, gerade in die Infrastruktur. Tokio ist die Stadt mit dem größten Bahn- und U-Bahn-Netz der Welt. Die Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszüge - übrigens ein Erbe der Olympischen Sommerspiele von 1964 - bringen die Passagiere mit 300 km/h in alle Landesteile. Und das alles mit einer Pünktlichkeit, die mit Sekunden, nicht Minuten rechnet.
Aktuell plant Japan eine neue Energie-Infrastruktur: als letztes großes Industrieland hat sich Japan zu ambitionierten CO2-Reduktionszielen bekannt. So erwarten wir mit Spannung die neuen Investitionen in alternative Energiequellen wie etwa die Wasserstoff-Infrastruktur, wo Japan Technologie-Führerschaft anstrebt. Auch für österreichische Unternehmen bieten sich gute Geschäftschancen, sogar bei Biomasse und Kleinwasserkraftanlagen. Und eine neue digitale Infrastruktur soll auch die Verwaltung und Wirtschaft endlich papierlos machen.

Die vielleicht größte Herausforderung für die japanische Wirtschaft ist heute aber der demographische Wandel, der in Nippon früher als anderswo tiefe Spuren hinterlässt. Japaner erfreuen sich der höchste Lebenserwartung unter allen Flächenstaaten weltweit, aber das Land verzeichnet auch ähnlich niedrige Geburtenraten wie viele unserer Länder in Europa - bald jeder Dritte Japaner ist im Pensionsalter. Dabei gibt es keine Zuwanderer. Jedes Jahr verliert Japan netto 400.000 Einwohner, ein ganzes Vorarlberg.

Kein Wunder also, dass Japan seit vielen Jahren kaum mehr Wirtschaftswachstum verzeichnen kann. Die Regierung versucht die Quadratur des Kreises über Produktivitätssteigerung durch den Einsatz von immer mehr Industrieautomatisierung und Robotik. Ein zweites Auswegszenario ist der Export. Und das scheint zumindest im Moment ganz gut zu funktionieren: in den beiden mit Abstand wichtigsten Exportmärkte des Landes, den USA und China, zieht die Wirtschaft ja schon wieder kräftig an, und die Affinität der Bevölkerung zu Automaten und Robotern ist geradezu sprichwörtlich, der Roboter-Kumpel an der Werkbank wird als ganz normal angesehen. Zusammen mit der Reshoring-Politik der Regierung, die vor allem die in den letzten Jahren abgewanderte Halbleiterindustrie zurück nach Japan holen will, hofft Japan so auch in den nächsten Jahren gut über die Runden zu kommen und die Delle, die die Pandemie in die Wirtschaftsentwicklung geschlagen hat, bis 2023 wieder auszudengeln.

Der Sektor, der in den letzten anderthalb Jahren am meisten gelitten hat, war freilich auch in Japan der Tourismus. Über 40 Mio ausländische Besucher hatte man für 2020 erwartet - stattdessen kam ein Einreiseverbot für Touristen. Olympische und Paralympische Spiele also diesmal ohne Besucher aus dem Ausland, aber spätestens beim nächsten internationalen Großereignis in Japan sollen alle auf ihre Rechnung kommen: Bei der EXPO 2025 in Japans zweiter großen Metropolregion, Osaka, will sich das faszinierende Land, das den Spagat zwischen Tradition und Hochtechnologie so bravourös meistert, in neuem Glanz der ganzen Welt präsentieren.

Ingomar Lochschmidt
© Valeri Angelov Ingomar Lochschmidt ist Wirtschaftsdelegierter in Japan.

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