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„Vermisse die klaren und einheitlichen Regeln der Politik!“

Markus Kegele hat in diesem Frühjahr die Funktion des Tourismus-Spartenobmannes übernommen. „Die Wirtschaft“ sprach mit ihm über die Bedeutung des Tourismus und das Problem einer perspektivenlosen Politik.

Spartenobmann Markus Kegele.
© Frederick Sams Spartenobmann Markus Kegele.

Herr Kegele, Sie sind nun gut ein halbes Jahr Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. Den Beginn Ihrer Amtszeit haben Sie sich sicher anders vorgestellt?

Definitiv, denn als ich gefragt wurde, ob ich das Amt übernehmen würde, gab es ja noch kein Corona. Meine Vorstellungen damals waren ganz andere, obwohl ich nicht gewusst habe, was mich genau erwartet. Heute empfinde ich die Aufgabe mehr als spannend. Vor allem deshalb, weil man mitten drin ist und eben nur verändern kann, wenn man dabei ist. Als Zuschauer ist es schwierig ein Match zu beeinflussen, als Spieler hingegen nicht. Selbst vor Corona gab es in unserer Branche bereits zahlreiche Herausforderungen. 

Können Sie uns Beispiele nennen?

Das fängt bei der Bewusstseinsbildung an, was den Tourismus im Allgemeinen anlangt und geht über die ganzen Rahmenbedingungen hinaus, die längst überholt und evaluiert gehören.
 

Fehlt ein Verständnis für die Bedeutung des Tourismus?

Aus meiner Sicht ja, denn wir verkaufen ja nicht nur Kaffee oder Schnitzel und vermieten ein Bett, sondern es ist ja wesentlich mehr als essen, trinken, schlafen. Vielen ist nicht bewusst, was da alles dranhängt. Corona und der damit zusammenhängende Lockdown im Frühjahr haben gezeigt, wie sehr auch andere Branchen durch die Vernetzung betroffen sind. Wenn der Tourismus nicht läuft, hat das einen Dominoeffekt zur Folge, denn dann laufen viele andere Branchen auch nicht.

Sie sprechen die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Tourismus an.

Die Industrie mag von uns nicht direkt abhängig sein, aber deren Mitarbeiter, egal woher sie kommen, wollen neben einem tollen Arbeitsplatz auch eine tolle Infrastruktur. Lebensgefühl entsteht durch den Tourismus. Wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig schafften wir  direktes und indirektes Einkommen und sichern gerade im ländlichen Raum wirtschaftliche Existenzen. Ohne Tourismus wären ganze Täler und Regionen entvölkert.

Einige wichtige Themen sind coronabedingt in den Hintergrund gerückt. Etwa das Thema Fachkräfte gerade im Blick auf die bevorstehende Wintersaison.

Was uns jedes Jahr aufs Neue beschäftigt, sind die ganzen Bewilligungsverfahren für Saisonniers. Ich kann nicht verstehen, warum wir immer wieder so sehr um Saisonkräfte kämpfen müssen. Die Kontingente sind viel zu klein. Unsere saisonalen ausländischen Mitarbeiter zahlen ins System voll ein, können das aber niemals ausschöpfen, da sie nach der Saison wieder nach Hause fahren. Wir hätten ja keinen Arbeitsmangel, doch die Politik setzt sich selbst diese Grenzen.

Um so wichtiger ist es auf eine eigene Ausbildung zu setzen...

Mit der GASCHT machen wir genau das, und das auf sehr hohem Niveau. Regionalität, Nachhaltigkeit, Wertschätzung und Wertschöpfung im Land sind übergeordnete Themen, unter deren Dach das innovative Ausbildungskonzept der GASCHT funktioniert. Learning by doing – und das von und bei den Besten.

Wie steht es um das Thema Regionalität?

Hier sehe ich sehr großes Potenzial nach oben. Wir sind die Branche, die im Umkreis von 80 Kilometer unsere Ware einkauft. Unsere Betriebe sind zudem nicht auslagerbar, wir können unseren Sitz nicht einfach verlegen, etwa in ein Billiglohnland. Daher sind wir für den Staat extrem zuverlässig und genau das macht uns auch so angreifbar. Es gibt wohl keine Branche, die so regional bezogen ist wie wir. Das Herzstück Vorarlbergs sind unternehmergeführte Betriebe, die Regionalität bis ins Kleinste leben, nicht die fremdgesteuerten Konzerne. Da fehlt uns die Unterscheidung hinsichtlich der Rahmenbedingungen. 

Kommen wir zur aktuellen Situation. Sie haben im Zusammenhang mit der Sperrstundenregelung von einer falschen Beurteilung der Situation und einer unfairen Konsequenz gesprochen. 

Die aktuelle Regelung kann ich nicht nachvollziehen. Wenn die Deutschen in einer Sperrstunde 23 Uhr eine harte Maßnahme sehen, dann setzt Vorarlberg weiter mit 22 Uhr noch eins drauf. Ich finde es zudem dramatisch, dass man so abhängig ist von Salzburg und Tirol. Warum für Vorarlberg keine eigenständige Lösung möglich ist, ist für mich unbegreiflich.Zudem wurde jetzt klar, dass die Sperrstundenregelung keine Wirkung gezeigt hat, denn die Infektionszahlen steigen immer noch nicht zuletzt weil die privaten Feiern weiter aus dem Ruder laufen. Dennoch schiebt man uns weiter den Schwarzen Peter zu.

Mit welchem Gefühl blicken Sie auf den bevorstehenden Winter?

Wir haben grundsätzlich sehr schlechte Voraussetzungen. Es besteht immer noch eine Reisewarnung aus Deutschland. Wenn die Grenzen zugehen, können wir die schönsten Hotels haben, die besten Mitarbeiter, die motiviertesten Unternehmer. Wenn kein Gast da ist, nützt uns das alles nichts.

Sie erwarten sich von der Politik daher klarere Lösungen?

Aufgabe der Politik ist es doch, für klare und einheitliche Regeln zu sorgen. Genau das vermisse ich. Mitte März hat man die Betriebe zugesperrt, wir waren von einem Tag auf den anderen als Unternehmer arbeitslos, sämtliche Mitarbeiter mussten ab- bzw. ausreisen, die Gäste waren weg. Jetzt, Monate später, spricht man von ähnlichen Zahlen wie damals. Aber ich frage mich, wo sind die Lösungen? Die habe ich von keinem Berufspolitiker egal welcher Coleur gehört. Mit der Landespolitik haben wir eine grundsätzlich gute Zusammenarbeit, aber wir wollen uns nicht länger vertrösten lassen. In sechs Wochen soll die Wintersaison starten, doch wir haben bis dato weder Konzepte vorgelegt bekommen noch Perspektiven erhalten. Wir haben allein in den vergangenen zwei Wochen über 600 Arbeitslose mehr im Tourismus in Vorarlberg, darüber redet niemand. Weiters muss aus unserer Sicht die bilaterale Zusammenarbeit mit den naheliegenden Grenzgebieten verbessert werden. Es braucht diplomatische Lösungen. Hier stellen wir bis dato keine Entwicklung fest.

Wie kann die Branche aktuell gegensteuern?

Indem wir an die Solidarität der Firmen und der Bevölkerung appellieren, Gutscheine von unseren Betrieben zu verschenken bzw. zu kaufen, da ja das Geschäft mit den Weihnachtsfeiern völlig zum Erliegen gekommen ist. Wir versuchen die Aktion „Vorarlberg isst“ auf alle 1.600 Gastro-Betriebe auszuweiten. Ein weiterer Appell lautet: Die Gastronomie ist sicher. Wir erfüllen sämtliche Auflagen, von der Hygiene angefangen bis zu zusätzlichen freiwilligen Maßnahmen. Die Mitarbeiter sind geschult, wir sind vorbereitet. Wenn man zu uns kommt, tun wir alles, dass der Gast sich sicher- und wohlfühlen kann. Denken Sie daher bewusst an einen Urlaub in Vorarlberg!

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