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„Nur das Mittelfeld darf uns nicht genügen“

Von der Digitalisierung bis zum Bürokratieabbau: Neo-Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck im Interview mit „Die Wirtschaft“ über ihre Pläne für den Standort Österreich.

Die Tirolerin Margarete Schramböck wechselte vom Telekom-Management an die Spitze des Wirtschaftsministeriums. Im Vorjahr wurde Schramböck zur „WU-Managerin des Jahres“ gekürt.
© Christian Lendl Die Tirolerin Margarete Schramböck wechselte vom Telekom-Management an die Spitze des Wirtschaftsministeriums. Im Vorjahr wurde Schramböck zur „WU-Managerin des Jahres“ gekürt.

Sie haben jahrelange Management-Erfahrung. Was hat Sie dazu bewogen, in die Politik zu wechseln?
Schramböck: Ich möchte meine 22 Jahre Erfahrung in der Telekom- und IT-Branche aktiv in Österreich einbringen. Ich habe ja 15 Jahre davon Unternehmen geleitet und habe dabei vieles gesehen, das man anders machen kann. Wenn man dann gefragt wird, gilt es auch Ja zu sagen. Zusätzlich passen die Themen Digitalisierung und Wirtschaftsstandort perfekt zu meinen Kompetenzen.

Stichwort anders machen: Was hat Sie an der Politik bislang gestört?
Schramböck: Das Gemeinsame war zuletzt nicht so stark im Vordergrund. Die Politik ist Dienstleister für die Steuerzahler, also unsere Kunden. Generell sind immer die Ergebnisse entscheidend und es ist wichtig, schnell in die Umsetzung zu kommen. Das war in der Vergangenheit nicht immer das Leitmotiv.

Nach knapp zwei Monaten im Amt: Wie fällt Ihr erstes Resumee als Ministerin für Wirtschaft und Digitales aus?
Schramböck: In Unternehmen ist der Wirkungsbereich abgeschlossener, dadurch ist es auch klarer und einfacher zu entscheiden. In der Politik sind die Auswirkungen viel breiter. Meine Hauptmotivation ist es, für Österreich etwas voranzubringen. Nicht überrascht hat mich, dass es gleich mit hohem Tempo losging.

Welche Schwerpunkte möchten Sie künftig setzen?
Schramböck: Ich sehe uns als Dienstleister für alle Bürger und  als Schnittstelle zu anderen Ministerien. Die neue Ressortstruktur bedient mit der Digitalisierung ein Zukunftsthema. Es gilt zu vermitteln, dass die Chancen hier größer als die Gefahren sind und wir müssen unsere Betriebe sowie Mitarbeiter bestmöglich auf den digitalen Wandel vorbereiten. Zweites Ziel ist, den Wirtschaftsstandort Österreich wieder nach vorne zu bringen. Jedes Unternehmen, vom Start-up, über KMU bis zum Großkonzern soll in seiner täglichen Arbeit entlastet werden. Das Mittelfeld darf uns nicht genügen, daher wollen wir Investitionen und Aufträge ins Land holen.

Wie wollen Sie diese Ent­lastung konkret erreichen?
Schramböck: Wir müssen die Abläufe für Bürger und Betriebe vereinfachen. Diese machen im Jahr 230 Millionen Meldungen an den Staat und beantworten dabei im Schnitt 55 Fragen. Das kostet Zeit und Geld, in Summe 4,3 Milliarden Euro. Das werden wir reduzieren und entrümpeln. Ein Beispiel dazu: Was man etwa für die Kfz-Steuer an Daten braucht, liegt längst bei den Behörden. Es gibt keinen Grund, dass man noch einmal alles melden muss.

Bleiben wir beim Thema Überregulierung. Diese ist ja vielen Betrieben ein Dorn im Auge. Wo sehen Sie hier die größten Herausforderungen?
Schramböck: Die Unternehmen müssen sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren können, nämlich ihr Geschäft. Die Bürokratie macht das Leben kompliziert, wir wollen es mit der Digitalisierung wieder einfacher machen. Wir müssen unsere Betriebe fit für diese neuen Zeiten machen, damit sie von der Digitalisierung profitieren und nicht die Konkurrenz.

Das allein wird aber nicht genügen, um den Wirtschaftsstandort Österreich nachhaltig zu stärken.
Schramböck: Was uns im Standortvergleich zurückgeworfen hat, waren Bürokratie, hohe Abgaben und unflexible Arbeitszeiten. Da gilt es anzusetzen.

Wir wollen auch die duale Berufsausbildung vorantreiben und starten 2018 eine Fachkräfteoffensive mit 13 völlig neuen Lehrberufen, zum Beispiel der eCommerce-Kauffrau bzw. dem eCommerce-Kaufmann. Zudem will ich den Standort international stärker sichtbar machen.

Gerade die Debatte um die  Flexibilisierung der Arbeitszeiten ließ die Wogen hochgehen. Was entgegnen Sie den Kritikern?
Schramböck: Tatsache ist, dass erfolgreiche Unternehmen mit ihren Mitarbeitern gemeinsam neue Formen der Arbeit suchen und vereinbaren wollen. Die Maximalarbeitszeit verändert sich ja nicht.
Es wird auch Beschäftigte geben, die ihre Wochenarbeitszeit grundsätzlich lieber von Montag bis Mittwoch oder vielleicht Donnerstag absolvieren und den Rest der Woche für die Familie oder aber auch Weiterbildung nützen wollen. Diese Vereinbarungen sollen gemeinsam mit der Personalvertretung erfolgen.

Die Kammern sind im Wahlkampf zum Teil massiv in  Kritik geraten. Wie ist ­Ihre Position dazu und wie soll die Zusammenarbeit hier künftig ausschauen?
Schramböck: Ich finde die Pflichtmitgliedschaft gut, es muss aber das Preis-Leistungs-Verhältnis passen. Hier sind die Sozialpartner mit Ideen gefordert. Es geht vor allem um Bürgernähe und effiziente Strukturen.

Unter Einbezug der ­Sozialpartner?
Schramböck: Ich will mit den Sozialpartnern in meinen Themen durchaus zusammenarbeiten, weil sie ein wichtiger Partner für die Bundesregierung sind. Wie in jedem Betrieb muss es hier ein konstruktives Miteinander, nicht ein Gegeneinander geben.

Welche Eigenschaften halten Sie als Führungskraft in der Politik für unverzichtbar?
Schramböck: So wie man heute ein Unternehmen modern führt, führt man einen Staat, indem man zusammenarbeitet und sich austauscht. Dazu braucht es viel Achtsamkeit, Vernetzung und natürlich Teamfähigkeit.         

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