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„NQR schafft eine neue Perspektive auf die Bildungslandschaft“

Thomas Mayr, Geschäftsfüher des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) berichtet im Interview, wie weit die Zuordnungen zum NQR sind, welchen Nutzen das Instrument hat und welche Schritte als nächstes anstehen.

Thomas Mayr, Geschäftsfüher des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) berichtet im Interview, wie weit die Zuordnungen zum NQR sind, welchen Nutzen das Instrument hat und welche Schritte als nächstes anstehen.
© ibw Thomas Mayr, Geschäftsfüher des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw).

Herr Mayr, Sie sind Mitglied der NQR-Steuerungsgruppe. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge? 

Das Ziel des NQR ist es, Bildungsabschlüsse und -In-halte transparent darzustellen. Im Bereich der formalen Abschlüsse sind schon viele Zuordnungen zu den acht Stufen des NQR erfolgt. Diese Zuordnungen basieren auf einem mehrere Ebenen umfassenden Sachverständigenverfahren. Bei den nicht-formalen Abschlüssen stehen wir noch am Anfang. Das betrifft Bildungsabschlüsse ohne gesetzliche Basis, beispielsweise WIFI-Qualifikationen. In diesem Bereich liegt der größte Nutzen des NQR: Mit der Umsetzung des NQR soll ein gesamthaftes Bild der Bildungs- und Qualifikationslandschaft entstehen.

Was kann man sich darunter konkret vorstellen? 

Das österreichische Bildungssystem unterscheidet sich teilweise stark von dem anderer europäischer Ländern: 80 Prozent aller Jugendlichen sind in berufsbildenden Ausbildungen und es gibt viele wichtige Qualifizierungen über nicht-formale Qualifikationsschienen. In anderen Ländern findet das vielfach an Hochschulen statt. Durch den NQR, der in den EQR (Europäischer Qualifikationsrahmen) eingebettet wird, bekommen nun auch außerhalb der Hochschulstrukturen stehende Qualifikationen ihrer Bedeutung entsprechend mehr Sichtbarkeit und Anerkennung.
Wichtig ist, dass es sich um Gleichwertigkeit und nicht um Gleichartigkeit von Ausbildungen handelt. Konkret: Meisterprüfung und Bachelor-Abschluss stehen auf derselben Niveaustufe. Dennoch ist ein Bachelor kein Meister. Und umgekehrt ersetzt die Meisterprüfung nicht den Bachelorabschluss als Zugangsvoraussetzung zum Master-Studium. Die Wertigkeit beider Abschlüsse soll aber gleich sein.

Welche Vorteile hat das? 

Insgesamt steht beim EQR nicht die Institution, an der die Qualifikation erworben wurde, im Vordergrund, sondern die erreichten Kompetenzen und erlernten Inhalte. Das schafft eine völlig neue Perspektive auf diese Abschlüsse. Es geht um die Frage, was jemand tatsächlich gelernt hat – konkret auf einen Beruf oder eine wissenschaftliche Disziplin bezogen. Damit wird ein besseres Verständnis für erworbene Bildungsabschlüsse generiert. Das hat positive Auswirkungen auf die Mobilität von Arbeitnehmer/-innen in der EU. Damit können wir unser Bildungssystem und unsere Qualifikationsstärke besser darstellen. Im Rahmen internationaler Ausschreibungen ist dies auch für Unternehmen direkt relevant.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Österreichische Abschlüsse wie „Ingenieur“ oder „Meister“ kennt man in anderen Ländern nicht und auch die Lehrlingsausbildung, die eine tragende Säule unseres Qualifizierungssystems ist, ist in anderen Staaten kaum bekannt. Durch die Einordnung in die Stufen des NQR wird internationale Vergleichbarkeit geschaffen.

Ein Faktor zur Attraktivierung der Lehre...

Die Lehre kriegt damit auch in der Bildungsklassifi-kation den Stellenwert, den sie am Arbeitsmarkt immer schon hatte. Die Einordnung eines Lehrabschlusses auf Stufe 4, wo auch die AHS-Matura eingestuft werden soll, unterstreicht die Gleichwertigkeit, nicht die Gleichartigkeit dieser Abschlüsse. Dieses Signal könnte tatsächlich zu einer Attraktivierung führen.

Das sind die nächsten Schritte beim NQR? 

Voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2019 startet der Zuordnungsprozess der nicht-formalen Qualifikationen.

Danke für das Gespräch!


Zur Person: Thomas Mayr, 1972 in Bregenz geboren, hat sein Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien und am College of Europe in Brügge absolviert. Seit 2002 ist er Geschäftsführer des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) in Wien.
ibw.at

Interview: Sabine Barbisch

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