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„Menschen brauchen Sinn im Change“

 „Der Sinn hinter jeder Veränderung muss klar sein“, dafür plädiert die Change-Expertin Susanne Nickel, die Ende September auf Einladung der HR Experts Group Vorarlberg nach Bregenz kommt.

Change-Expertin Susanne Nickel.
© Jurga Graf Change-Expertin Susanne Nickel.

Change Management und Innovative Leadership sind Ihre Steckenpferde – was fasziniert Sie an diesen Themen?

Mein ganzes Leben ist gelebter Wandel und ich habe früh den Spagat zwischen Kreativität und Struktur gelernt, zwischen Emotion und Kognition. So fing es als neunjähriges Mädchen aus der BASF-Stadt Ludwigshafen an, dass ich Tänzerin werden wollte. Eine gewaltige Veränderung, da ich aus einer Arbeiterfamilie komme und dort niemand getanzt hat. Als Jugendliche habe ich bei Pina Bausch Tanz studiert und mir meinen Kindheitstraum verwirklicht. Was braucht es dafür? Leidenschaft, Begeisterung und eine große Vision, jeden Tag als Challenge zu sehen, Zielorientierung und Disziplin. Mutig sein und durchhalten, auch wenn es mal nicht so läuft. Das ist das Wichtigste bei persönlichen Veränderungen und auch in Organisationen. Mit 19 Jahren kam dann die erste Disruption – ich wurde Mama, das größte Glück auf Erden und die größte Herausforderung zugleich. 


„Transformation geschieht, wenn Ratio und Emotio im Einklang sind.“
Susanne Nickel

Was hat das für Sie bedeutet? 

Alles wieder auf Neustart: Ich habe dann Jura studiert, wieder ein Change von der Kreativität zur Struktur. Alleinerziehend mit Kind jobbte ich als Fotomodell, um den Unterhalt zu verdienen. Ich habe jahrelang als Rechtsanwältin praktiziert, war Presseprecherin im TV und bin seit 15 Jahren in der Management-Beratung mit diversen Führungspositionen. Weitere Studiengänge und viele Fortbildungen folgten, denn für mich heißt Leben, lebenslanges Lernen und lebenslange Veränderungen! Ich kann Menschen durch meine persönliche Geschichte motivieren und liebe es mit innovativen Methoden zu arbeiten. Das zieht sich durch mein ganzes Leben und fasziniert mich total.

Die neue Unternehmenswelt ist von einem starken und schnellen Wandel geprägt – was sind die Voraussetzungen für eine gelungene Transformation im Sinne der Führungskräfte und Mitarbeiter?

Ich unterscheide drei Bereiche, die bei einer Transformation einbezogen werden müssen, damit diese gelingt: Das Mindset, die Betroffenen benötigen die richtige Einstellung zum Change. Das Toolset – die richtigen Werkzeuge – müssen zur Verfügung stehen, die den Change unterstützen. Und letztlich werden spezielle Kompetenzen benötigt, das Skillset der Führungskräfte und der Mitarbeiter muss angereichert werden. Alle drei Bereiche werden bei Veränderungen tangiert. Der Change im Mindset ist der schwierigste und hierauf sollte entsprechend Energie verwendet werden.

Welche Rolle spielt Emotion und Begeisterung dabei?

Oft gehen wir Veränderungen zu rational auf der rein operativen und Prozessebene an. Eine Veränderung im Mindset passiert nur mit einem emotionalen Schub. Ratio alleine reicht eben nicht. Transformation geschieht, wenn Ratio und Emotio im Einklang sind. Menschen brauchen Sinn im Change, eine emotionale Vision, starke Führungskräfte, die transformational führen und eben nicht nur Zahlen, Daten und Fakten bedienen können. Es geht darum, den „Schatz der 1 Million Dollar“ im Unternehmen, nämlich den der Mitarbeiter, zu heben und sie zu fordern und zu fördern, dass sie kreativ und motiviert dabei sind.

Welche konkreten Handlungsimpulse können Sie „Change-bereiten“ Unternehmen geben?

De-rationalisieren Sie Ihre Unternehmen! Schaffen Sie Raum für Kreativität, um die „1 Million Dollar“ bei Ihren Mitarbeitern zu heben. Spielplätze sind Startbahnen für Innovationen. Bieten Sie Spielraum für Ihre Leute an. Der Change in die neue Welt ist co-creativ, das heißt, er geschieht in kreativer Kollaboration und zwar abteilungsübergreifend mit Methoden, die die Ratio und die Emotio betreffen. Nur wenn beides bedient wird, sind Veränderungen von Erfolg gekrönt. Und ganz wichtig: Der Sinn hinter jeder Veränderung muss allen klar sein – hier braucht es eine emotionale Vision, ein klares „Wofür das Ganze“ und einen starken Purpose.

Und wie gelingt es, die Mitarbeiter „mitzunehmen“, so dass Change Spass macht?

Co-Creation ist für mich der neue Weg. Ich möchte ein Beispiel machen: HR brütet über einer neuen Recruiting Strategie. Was ist das? Inzucht. Ja, das klingt hart, doch: Wer weiß besser was neue Bewerber brauchen und wo diese zu finden sind, als Mitarbeiter und Führungskräfte aus den Fachabteilungen, New Hires, die gerade ein paar Monate da sind oder auch Bachelorstudenten und Azubis, die nochmals mit einer anderen Brille auf die Strategie sehen. Diese einzubinden, ergibt einen multiperspektivischen Blick auf das Thema Recruiting, und zwar abteilungsübergreifend. Eine kreative Methode kann Lego Serious Play sein, die sich wunderbar für neue Strategien eignet und dabei werden Kopf, Herz und Hand mit einbezogen und Kreativität freigesetzt. Das macht Spaß, ist jedoch auch anstrengend.

Danke für das Gespräch!

Zur Person: Susanne Nickel ist Expertin für Change-Management, Leadership und Recruiting. Ihren Erfahrungsschatz sammelte sie in ihrer langjährigen Tätigkeit als Managerin und Beraterin in nationalen wie internationalen Unternehmen und Konzernen. Sie ist Rechtsanwältin, Wirtschaftsmediatorin, Business Coach und Management-Beraterin, ehrt an Hochschulen, und hält Vorträge. 

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