th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin google-plus facebook whatsapp arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home
news.wko.at

„Mehr Mut zur Mediation!"

Mag. Anita Lingg-Wohlgenannt (ALW), Sprecherin der ExpertsGroup Wirtschaftsmediation in der Fachgruppe UBIT und Thomas Robrecht (TR), geschäftsführender Gesellschafter von SOKRATeam, verraten im Interview mit „Die Wirtschaft“, warum eine Mediation im Konfliktfall der bessere Weg sein kann.

Konflikte verursachen Kosten und blockieren Ressourcen. Im schlimmsten Fall endet ein andauernder, ungelöster Konflikt vor Gericht. Doch Probleme lassen sich auch anders lösen, nämlich mit Mediation.
© WKV Anita Lingg-Wohlgenannt (ExpertsGroup Wirtschaftsmediation) und Thomas Robrecht (Geschäftsführender Gesellschafter von SOKRATeam und Vorstandsmitglied im deutschen Bundesverband für Mediation).
Konflikte gibt es überall dort, wo Menschen zusammenkommen. Wann macht es Sinn, sich mit Wirtschaftsmediation auseinanderzusetzen?

ALW: Genau - wenn sie angesprochen und gelöst werden, sind sie grundsätzlich positiv und als Teil einer möglichen Entwicklung zu sehen. Das ist oft die Schwierigkeit. Konflikte schwelen lange unausgesprochen vor sich hin oder werden einfach ignoriert. Irgendwann läuft das Fass über, dann kracht’s und es wird für beide Seiten schwierig, ohne großen Schaden wieder rauszukommen.

Von welchen konkreten Konflikten sprechen wir? Wo kann Wirtschaftsmediation helfen?


TR: Meist werden Wirtschaftsmediatoren bei Team- bzw. Führungsproblemen, Lieferantenproblemen und Nachfolgeschwierigkeiten eingesetzt. Auch bei Generations- oder Genderkonflikten ist eine Mediation  hilfreich.


Etwas noch am Rande: Ich spreche eigentlich nicht so gerne von Konflikten, sondern lieber von Problemen. Das hat einen ganz einfachen Grund. Konflikte werden oft als etwas sehr Persönliches empfunden und darüber spricht man gerade im Arbeitsumfeld nicht so gerne. Probleme hingegen können angepackt und gelöst werden.

ALW: Ganz genau. Und im Grunde tun wir das als Wirtschaftsmediatoren auch. Wir lösen, gemeinsam mit unseren Klienten, Probleme und machen sie wieder handlungsfähig.

Wie kann man sich eine Mediation genau vorstellen?

ALW: Mediation ist eine Methode, bei der die Klienten selbstbestimmt zu einer Lösung finden. Wirtschaftsmediatoren bringen ihre Klienten durch gezielte Fragestellungen dazu, Lösungen aufgrund der neu entstandenen Sichtweisen und Erkenntnisse zu finden. So entsteht für beide Parteien ein Konsens.

TR: Was ganz wichtig ist: Wir „psychologisieren“ auch nicht. Wirtschaftsmediation ist absolut zukunfts- und handlungsorientiert.

Das klingt ja fast nach Coaching...

ALW: Da haben Sie vollkommen recht. Coaching ist der Wirtschaftsmediation oft sehr nahe. Geht es doch im Grunde darum, dass Probleme rasch und effektiv gelöst werden.

Herr Robrecht, diese effektive und rasche Lösung gelingt mit Ihrer Methode, der „ergebnisfokussierten Klärung“, ja besonders gut. Wie funktioniert diese Arbeitsweise?

TR: Das Ziel der Methode ist, dass ein Team in drei Stunden wieder arbeitsfähig ist. In einem ersten Schritt wird ein Gesamtbild der Situation erstellt. Das gelingt dadurch, dass jeder zu Wort kommt, Diskussionen oder Eskalationen aber konsequent unterbunden werden. Dieses Gesamtbild ermöglicht dem Team eine neue Sichtweise auf die Situation. Im nächsten Schritt werden dann konkrete Handlungsmöglichkeiten ausgearbeitet, die helfen, die aktuelle Realität zu verändern. Dabei entsteht eine sehr große Dynamik. Abschließend werden die Handlungsschritte in einer Vereinbarung fixiert und nach einigen Wochen ein „Kontrolltermin“ festgesetzt. Alles sehr stringent und nach einem klar planbaren Ablauf.

Eine sehr pragmatische und bodenständige Methode. 

TR: Ja, das ist sie. Mir persönlich ist es sehr wichtig, dass ein niederschwelliger, einfacher Zugang zur Mediation ermöglicht wird.

Wer kann eigentlich eine Wirtschaftsmediation anbieten? 

ALW: Wirtschaftsmediatoren sind Mitglieder des Fachverbandes UBIT, die im Ministerium für Justiz und bei der Wirtschaftskammer eingetragen sind. Sie haben eine Mediationsausbildung abgeschlossen und können durch ihren beruflichen Background auf entsprechende Erfahrungen verweisen. Auch müssen sie regelmäßige Fortbildungen vorweisen.

Abschließend: Was möchten Sie Unternehmen ans Herz legen?

ALW: Mehr Mut zur Mediation! Ich empfehle jedem Unternehmen, es in Konfliktsituationen einfach mal auszuprobieren. Die Kosten und der Aufwand sind vergleichsweise gering und die Chance für einen erfolgreichen Output sehr groß.

TR: Und ich lege Entscheidern nahe, nicht allzu lange zu warten. Je früher man Probleme anpackt, desto günstiger und zeitsparender wird’s.

Vielen Dank für das Gespräch! 

Das könnte Sie auch interessieren

  • Meinung

Maß und Mitte finden

Kommentar von Hans Peter Metzler, Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg mehr

  • Meinung
Kenji Yamamoto ist Professor für Wirtschaftsgeographie an der Teikyo Universität in Utsunomiya in Japan und hat ein besonderes Forschungsinteresse am Wirtschaftsstandort Vorarlberg. Im Interview mit „Die Wirtschaft“ erklärt er warum das so ist.

Kenji Yamamoto: „Vorarlberg ist ein herausragender Wirtschaftsraum“

Kenji Yamamoto ist Professor an der Teikyo Universität in Japan und hat ein besonderes Forschungsinteresse am Wirtschaftsstandort Vorarlberg. mehr

  • Meinung
Prof. Kurt Matzler beschäftigt sich mit den Themen Innovation, Leadership und Strategie und war vergangene Woche Gastreferent beim Vorarlberger Wirtschaftsparlament. Ein Gespräch.

„Wir brauchen mehr Mut zum Risiko“

Prof. Dr. Kurt Matzler im Gespräch mit "Die Wirtschaft" mehr