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„Herzstück ist das Jugendcoaching“

Mit der Ausbildungspflicht sollen in Österreich Jugendliche von 15 bis 18 Jahren aufgefangen werden.

Birgit Fiel ist ausgebildete Personal- und Organisationsentwicklerin, Pädagogin und Sozialarbeiterin.
© Birgit Fiel Birgit Fiel ist ausgebildete Personal- und Organisationsentwicklerin, Pädagogin und Sozialarbeiterin.

Seit Anfang des Jahres sind allein in Vorarlberg 230 Jugendliche aus dem Schul- und Bildungssystem „herausgefallen“. Dazu die Leiterin der Koordinierungsstelle AusBildung, Birgit Fiel, im Gespräch mit „Die Wirtschaft“.

Wie sieht die weitere Laufbahn von frühzeitigen Schul-/Bildungsabbrechern in Vorarlberg aus?

Es gibt ein großes Angebot an Unterstützungsmöglichkeiten. Das Herzstück der Ausbildung bis 18 ist das Jugendcoaching, das vor allem präventiv arbeitet. Jede Schule in Vorarlberg hat einen fixen Jugendcoach als Ansprechperson. Wenn bei Schülern der Verdacht da ist, dass es bei Übergängen Schwierigkeiten gibt oder ein möglicher Abbruch möglich ist, wird der Kontakt mit dem Jugendcoaching hergestellt. In der Praxis funktioniert das vor allem im Pflichtschulbereich sehr gut, bei höheren Schulen ist es am Anlaufen mit Potenzial nach oben.  Wichtig ist, dass sich Jugendliche an das Jugendcoaching oder AMS wenden, wenn sie Unterstützung brauchen. Auf Grund des Ausbildungspflichtgesetzes gibt es ein Meldesystem, das als Art Sicherheitsnetz gesehen werden kann. Das heißt, wenn ein Jugendlicher keine höhere Schule besucht oder keine Lehrausbildung absolviert, scheint er in diesem Meldesystem auf und wird von der Koordinierungsstelle kontaktiert und es werden Unterstützungsmöglichkeiten angeboten.

Wie schätzen Sie die derzeitige Situation in Vorarlberg ein?

Vorarlberg hat im Vergleich mit anderen Bundesländern hohe Zahlen an frühzeitigen Bildungsabbrechern. Gleichzeitig ist aber auch das Bewusstsein dazu sehr groß. Das zeigt sich am sehr gut funktionierenden Meldesystem. Die gute Vernetzung und gute Zusammenarbeit der einzelnen Akteure wird ständig verbessert. Der Fokus liegt auf  der Prävention, denn, wenn der erste Übergang (von der Pflichtschule in die höhere Schule oder Lehre) gut gelingt, ist ein positiver Grundstein gelegt und auch bei einem Scheitern in der Schul- oder Berufsausbildung ist ein neuerlicher Anfang möglich.

Welchen Zweck soll das Ausbildungspflichtgesetz erfüllen?

Das Gesetz soll das Ausbildungsniveau heben. Ziel soll sein, dass es möglichst keine Hilfsarbeit unter 18 Jahren gibt. Auf Grund des Gesetzes werden Schul- bzw. Bildungsabbrecher mithilfe des Meldesystems sichtbar. Dadurch kann aktiv Unterstützung angeboten werden.

Sehen Sie schon erste Verbesserungen in Bezug auf Schul-/Bildungsabbruch seit Einführung des Ausbildungspflichtgesetzes?

Ja, das Bewusstsein ist da, betroffene Jugendliche wissen, dass sie eine Ausbildung machen müssen. Auch merken wir, dass die Verantwortung gegenüber Abbrechern (z.B. in höheren Schulen) steigt. Alle, die im Bereich mit Jugendlichen arbeiten, sollen informiert sein,  besonders da möchten wir dranbleiben.

Die Folgen eines frühzeitigen Schul-/Bildungsabbruchs sind weitreichend!

Ja, durchaus. Wenn man sich die Arbeitslosenstatistik der letzten 20 Jahren anschaut, gibt es nur in einem Bereich ganz gravierende Veränderungen. Nämlich bei jenen ohne Ausbildung. Diese Personengruppe ist ganz massiv und immer wieder von Arbeitslosigkeit bedroht und betroffen. Außerdem belegen Studien, dass diese Personengruppe öfter krank und viel stärker von Armut betroffen ist.  Für die Anforderungen am Arbeitsmarkt und die gesellschaftliche Teilhabe sind neun Jahre Bildung vielfach nicht (mehr) ausreichend. Im internationalen Vergleich war Österreich mit neun Jahren Schulpflicht eher Schlusslicht.

Vielen Dank für das Gespräch!


Zur Person

Birgit Fiel ist ausgebildete Personal- und Organisationsentwicklerin, Pädagogin und Sozial- arbeiterin. Nach ihrer Tätigkeit als Jugendberaterin in der Offenen Jugendarbeit Dornbirn, leitete sie in den vergangenen fünf Jahren ein Projekt zur Arbeitsintegration von benachteiligten Jugendlichen. Aktuell ist sie neben ihrer  Tätigkeit als Beraterin für diverse Firmen vor allem für das BIFO Vorarlberg im Bereich Berufsorientierung für Jugendliche an Vorarlberger Schulen tätig.


birgit-fiel.at