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„Gewinnmaximierung allein schafft keine sinnerfüllte Arbeit“

Menschen wollen in ihren Stärken herausgefordert werden. Kompetenzen und Talente sollen entdeckt, richtig eingesetzt und gefördert werden. Das Ziel der Positiven Psychologie ist es, Menschen und Organisationen aufblühen zu lassen, erklärt Psychotherapeut und Pädagoge Bertram Strolz.

Das Ziel der Positiven Psychologie ist es, Menschen und Organisationen aufblühen zu lassen, erklärt Psychotherapeut und Pädagoge Bertram Strolz im Interview mit Die Wirtschaft.
© Christoph Schöch Bertram Strolz Gründer der Akademie für Positive Psychologie.
Herr Strolz, Sie haben den ersten Kongress für Positive Psychologie in Vorarlberg mitveranstaltet. Was war Ihr Ziel?
Mein Ziel war es, einen fachlichen Austausch zwischen Bildungsinstitutionen und der Wirtschaft zu gestalten. Auch bei der Auswahl der Referenten haben wir  versucht, einen Bogen zwischen Erziehung, Bildung und Führung zu spannen. Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Viele der Gäste kamen aus der Region, aber auch die Nachbarländer Schweiz, Deutschland und Südtirol waren zahlreich vertreten. Interessierte kamen vor allem aus Bildungseinrichtungen und der Wirtschaft.

Welcher Teil des Kongresses kam bei den Teilnehmenden besonders gut an?
Höhepunkte waren der Tagesworkshop und Vortrag von Kim Cameron, Erfinder des „Positive Leadership“, über positive Führung und Organisationsentwicklung. Hier existiert ein großer Bedarf an Aufklärung. Michaela Brohm-Badry, Professorin für Lehr- und Lernforschung, sprach über intrinsische Motivation was vor allem im Lehrlings- und Ausbildungsbereich ein großes Thema darstellt.Deshalb stößt auch die Positive Psychologie in diesem Bereich auf große Resonanz.

Was sind deren Kernaussagen?
Als Forschungsgebiet beschäftigt sich die Positive Psychologie mit der Frage, wieso es Menschen gut geht und was Wohlbefinden ist. Dabei ist nicht das flüchtige, euphorische Gefühl von Glück gemeint, sondern ein stabiles und anhaltendes Empfinden von Zufriedenheit. In Vorarlberg würden wir sagen: „Es goht ma wirkle guat.“ Ziel ist es, Menschen und ganze Organisationen aufblühen zu lassen.

Wie kann die Positive Psychologie dabei helfen, dass wir bei der Arbeit einerseits gesund, andererseits leistungsfähig bleiben?
So wie wir uns körperlich gut ernähren, müssen wir uns auch psychisch gut ernähren. Zu diesem „Ernährungskonzept“ gehören etwa Dankbarkeit, Freude, Zuversicht und Hoffnung. Diese grundlegenden, positiven Gefühle sind sozusagen die mentalen Pendants zu Obst, Gemüse und Bewegung. Eine weitere Säule für Wohlbefinden sind auch positive, nährende Beziehungen. Sowohl am Arbeitsplatz als auch privat muss ich mich um ein unterstützendes Kontaktnetz kümmern. Das kann mitunter konfliktträchtig sein, vor allem wenn es viele Menschen in meinem Umfeld gibt, die mich belasten und Energie kosten. In solchen Fällen gilt es, klare Grenzen festzusetzen.

Was bedeuten die Erkenntnisse des Forschungsgebiets für Unternehmen?
Als Arbeitgeber muss ich darauf achten, dass ich meinen Mitarbeitern eine positive Stimmung vermittle, ein angenehmes Arbeitsklima schaffe und eine gute Beziehung aufbaue. Menschen wollen in ihren Stärken herausgefordert werden. Kompetenzen und Talente sollen entdeckt, richtig eingesetzt und gefördert werden. Arbeitsteams stellen gute Energienetzwerke dar, von denen jeder Einzelne profitiert. Auch eine positive Werteorientierung im Unternehmen spornt einerseits zu mehr Leistung an, macht andererseits aber auch zufrieden.


Wie können Führungskräfte von der Positiven Psychologie lernen und ein sinnerfülltes Arbeiten bieten?
Was fest steht, ist, dass Gewinnmaximierung allein noch keine sinnerfüllte Arbeit schafft. Das, was wir tun, sollte auch einen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung und zu etwas größerem Ganzen leisten. Sinn hat immer etwas damit zu tun, dass ich mich für etwas verantwortlich fühle, das größer ist als ich selber. Das kann meine Familie, eine Religionsgemeinschaft oder eine karitative Organisation sein. Viele Betriebe sind auch sozial tätig und verfolgen wohltätige Zwecke, um der Arbeit Sinn zu geben. Positive Organisationskultur hängt grundsätzlich mit einer humanistischen Werteordnung zusammen. Tugendhafte Leitbegriffe  wie Menschlichkeit und Gerechtigkeit werden in solchen Organisationen tatsächlich gelebt. Dies führt zu einem Zusammenspiel von positivem Arbeitsklima, einer positiven Unternehmenskultur, positiven Beziehungen im Team, positiver Kommunikation und positivem Sinn als gemeinsame Vision.

Wie geht man mit Problemfällen in Betrieben lösungsorientiert um?

Jeder Mensch hat seine Stärken und das Bedürfnis nach Zuwendung und Anerkennung. Erkenne und beachte ich die individuellen Fähigkeiten der Kollegen, vermittle ich Wertschätzung, Fehlertoleranz und Dankbarkeit, die unheimlich wichtig sind und Krisen vermeiden können. Dankbarkeit ist immer ein Gefühl, das auf Gegenseitigkeit beruht. Wenn ich als Führungskraft eine positive und wertschätzende Grundhaltung habe, wirkt das ansteckend und die Beziehungen innerhalb des Teams werden gestärkt. Kim Camerons Studien zeigen, dass Leistung, Umsatz und Gewinn nur nachhaltig wachsen, wenn ich ohne Zuckerbrot und Peitsche arbeite. Bloße Konditionierung wirkt auch erzieherisch nicht: Auszubildende entwickeln so keine Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit. Das sind Eigenschaften, die entscheidende Faktoren für Motivation darstellen.  

Wie fortgeschritten zeigt sich Vorarlbergs Wirtschaft, wenn es um die Implementierung der Positiven Psychologie geht?
Die Akademie für Positive Psychologie ist relativ neu, aber ich beschäftige mich schon seit mehreren Jahren mit dem Thema und meine Arbeit mit Jugendlichen, meine Führungscoachings, die ich als Psychotherapeut und Pädagoge anbiete, basieren auf den Theorien der Positiven Psychologie. Viele Lehrlingsbetriebe in Vorarlberg sind inzwischen positiv-psychologisch orientiert. Die Berufsschule in Feldkirch arbeitet zum Beispiel mit uns zusammen. Wir schulen viele Lehrpersonen und Ausbilder, die das Gelernte in ihren Projekten einsetzen. Ich persönlich brenne für die Arbeit mit Jugendlichen, in der es auch darum geht, Lehrlingen zu helfen, sich mit ihrem Berufsbild zu identifizieren und einen passenden Karriereweg einzuschlagen. Im Prinzip ist dazu neben der fachlichen Qualifizierung auch eine intensive, nachhaltige Persönlichkeitsschulung notwendig.

Wem raten Sie an, an einem Kurs an der Akademie für Positive Psychologie teilzunehmen?
Menschen, die für Menschen verantwortlich sind – und das sind wir alle. Das Institut Strolz bietet über die Akademie Aus- und Weiterbildungen in positiver Psychologie an, die von vielen verschiedenen Berufsgruppen in Anspruch genommen werden. Dazu gehören auch Ärzte, Manager und Therapeuten. Außerdem bieten wir auch maßgeschneiderte Angebote für Betriebe, die ihre Organisation positiv entwickeln und zum aufblühen bringen wollen.

Hat die Positive Psychologie auch gesamtgesellschaftliche Relevanz?
Mit Sicherheit. Wir leben in einem Zeitalter, in dem Informationen immer schneller und häufiger verbreitet und verarbeitet werden müssen. Da helfen ruhige, anhaltende Werte wie Dankbarkeit und Zufriedenheit gegen Stress und Leistungsdruck. Die Positive Psychologie birgt die Möglichkeit in sich, unsere Gesellschaft des Wohlstandes zu einer Gesellschaft des Wohlbefindens zu wandeln.

Danke für das Gespräch!

Interview: Alexandra Höfle


Zur Person: Bertram Strolz, geboren 1964 in Bludenz, lebt in Satteins und begann 1985 seine Karriere als Psychotherapeut und Pädagoge. Nach 16 Jahren Tätigkeit in verschiedenen Fachbereichen des Instituts für Sozialdienste machte er 2001 den Schritt in die Selbstständigkeit – als Therapeut, Musiker und Kulturmanager. Er leitet das „Institut Strolz“ und gründete die Akademie für Positive Psychologie. Von
1. bis 3. Juli veranstaltete er den ersten Kongress für Positive Psychologie in Vorarlberg.
akademie-pp.at
Tipp!

Möglichkeit zur Weiterbildung

Die Akademie für Positive Psychologie bietet eine Kombination aus Wissenschaft und Praxis. Der Fokus liegt auf dem gemeinsamen Austausch und Lernen. Periodisch geplante Club-Gespräche mit Experten aus spezifischen Berufsfeldern geben Einblick über die jeweiligen Herausforderungen und Ansprüche im Berufsalltag. Auf Basis dieser gewonnenen Erkenntnisse werden passgenaue Curricula für den Berufsalltag konzeptioniert.

Positive Organisationsentwicklung hilft Unternehmen, das gesamte Potenzial ihrer Mitarbeiter auszuschöpfen und so Zufriedenheit sowie Unternehmenserfolg zu erreichen.
akademie-pp.at/angebot/

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