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„Es liegt an uns, die Bedingungen für die Unternehmen zu gestalten“

Mag. Marco Tittler, neuer Direktor-Stv. der WKV, im Interview mit „Die Wirtschaft“. Er spricht über aktuelle Herausforderungen, zukunftsweisende Maßnahmen und die oft harte Arbeit der Interessenvertretung und Wirtschaftspolitik.

Mag. Marco Tittler, neuer Direktor-Stv. der WKV, im Interview der Woche mit „Die Wirtschaft“ über aktuelle Herausforderungen, zukunftsweisende Maßnahmen und die oft harte Arbeit der Interessenvertretung und Wirtschaftspolitik.
© WKV/Dietmar Walser „Die Wirtschaft hat ein immenses Interesse – und das hat sie in der Vergangenheit auch durch ihre Leis- tungen in Sachen Energieeffizienz bewiesen – an einer intakten Umwelt und einem intakten Standort Vorarlberg", betont Mag. Marco Tittler

Herr Tittler, wie hat das Jahr in neuer Funktion für Sie begonnen?

Sehr spannend, zum einen aufgrund der neuen Tätigkeit und zum anderen aufgrund der vielen Aufgaben, die es 2018 zu lösen gilt. Wir werden als Wirtschaftskammer mit unseren Schwerpunktsetzungen einen wesentlichen Beitrag zur Gestaltung des Standortes leisten.

Die Wirtschaftskammer als wichtige Organisation im wirtschaftspolitischen Umfeld. Wie ist Ihre Einschätzung?

Für mich ist die Wirtschaftskammer der Impulsgeber für einen attraktiven und nachhaltig gesicherten Lebens- und Wirtschaftsraum Vorarlberg.  Schon in der Vergangenheit haben wir uns stark eingebracht, wenn es um Zukunftsthemen ging, wie beispielsweise die Digitalisierung, aber auch bei anderen Themen des täglichen „Lebens“ wie dem Bürokratieabbau, der Raumplanung oder der Energiepolitik.

Konkret ist da die Deregulierungskommission angesprochen.

Ja, sie ist ein Beispiel und zeigt wie wichtig und wertvoll die Arbeit der Wirtschaftskammer ist, weil wir die Organisation  sind, die dieses Thema angeht und mit einem entsprechenden Tiefgang für die  Vorarlberger Unternehmen bearbeitet.

Da hilft eine gute Zusammenarbeit mit dem Land.

Wir haben in Vorarlberg eine sehr gute Situation, aufgrund der kurzen Wege. Die Themen können wir mit den Spitzen der Landespolitik auf Augenhöhe diskutieren. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass wir in den vergangenen Jahren konsequent in unterschiedlichen Bereichen eine Expertise aufgebaut haben und dadurch gegenüber der Landespolitik ein wertvoller Ratgeber geworden sind. Dazu kommt ein immer wieder sehr guter Austausch auf der Sozialpartnerebene und der Interessenvertretungen.

Vorarlbergs Sozialpartner-ebene wird immer als konstruktiv gelobt. Jetzt beklagt die AK zu wenig Einflussnahme auf die Entwicklungen im Land.

Angesprochen ist das Positionspapier der AK, in dem sich einige zu unterstützende Punkte befinden. Etwas überraschend ist aber der klassenkämpferische Stil des Papiers, der ein sehr düsteres Zukunftsbild in manchen Bereichen zeichnet und durch Panikmache gekennzeichnet ist. Da habe ich einen komplett anderen Blick auf die Dinge.

Der wäre...

Ich denke, dass wir gerade jetzt die Möglichkeit haben, Vorarlberg zu einer Modellregion zu gestalten. Da sollten wir doch optimistischer an die Sache herangehen. Das fehlt mir in diesem Positionspapier gänzlich und ich habe fast den Eindruck, als ob die AK eine Position einfordert, die sie ja bereits ausfüllen könnte. Sie ist ja genauso wie wir Sozialpartner und hat die Möglichkeit, sich in allen Bereichen, über die Gesetzesbegutachtungen bis hin zu Zukunftsthemen, einzubringen.

Die Wirtschaftskammer macht dies etwa über die wirtschaftspolitische Agenda. Was sind deren zentrale Inhalte?

Trotz hervorragender Konjunkturentwicklungen in beinahe allen Bereichen, stoßen wir hie und da an Grenzen. Die Bürokratie ist immer noch belastend. Bei den Themen Boden, Umwelt und Energie kommen mehr und mehr Konfliktsituationen auf, die eigentlich so nicht sein müssten und für die wir durchaus Lösungen parat haben. Hier habe ich das Gefühl, dass die Wirtschaft vielmehr als Gegner und weniger als Partner angesehen wird.


Daher ist es die größte Aufgabe und Herausforderung, den Produktions- und Wirtschaftsstandort zu sichern. Das muss unbestritten das oberste Ziel einer funktionierenden Wirtschaftspolitik sein und ist auch die beste Zukunftsvorsorge für ein Land wie Vorarlberg. Ein Blick auf die Geschichte zeigt, wie sich Regionen entwi-ckelt haben, denen es eben nicht gelungen ist, die Produktion am Standort zu halten. Vor dem Hintergrund existieren ganz konkrete Themenfelder von der Bürokratie beginnend über Energie- und Umweltpolitik, Raumplanung, Verkehr und Mobilität, aber auch Zukunftsthemen wie die Digitalisierung sowie Forschung und Entwicklung.

Bleiben wir bei der Digitalisierung, was muss passieren?

Der Begriff ist breit gefasst und geht von komplexen technologischen Umsetzungen bis hin zu einfachsten Lösungen. Dabei muss man akzeptieren, dass Euro-pa das Rennen um die Digitalisierung bereits verloren hat. Die großen Digitalunternehmen sind woanders entstanden, haben sich woanders angesiedelt. Dennoch haben Europa und Vorarlberg im Speziellen die große Chance, von der Umsetzung und der Transformation zu profitieren. Vorausgesetzt, wir können die Produktionsstandorte hier halten. Aus dieser Perspektive betrachten wir als Wirtschaftskammer dieses Thema. Die Digitalisierung soll den Unternehmen in den verschiedensten Bereichen helfen. Unser Angebot beginnt bei der Forschung und Entwicklung, geht über die Weiterbildung bis hin konkreten Serviceleistungen.

Eine landesweite Digitale Agenda soll kommen, geht es zu langsam?

Wir haben das Thema angestoßen und darauf aufmerksam gemacht, dass Vorarlberg hier über keine Strategie verfügt. Jetzt kann man darüber diskutieren, ob die Umsetzung einer solchen etwas schneller gehen könnte. Fakt ist, man hat es sehr umfangreich konzipiert und hat die eine oder andere Position noch nachträglich berücksichtigt, beispielsweise die digitale Verwaltung oder die Zukunft der Arbeitswelt. Das halte ich im Übrigen für sehr sinnvoll. 2018 muss jetzt aber das Jahr der Umsetzung sein. Da gibt es konkrete Vorstellungen der Wirtschaftskammer, die wir einbringen werden. Das Thema muss ernst genommen und vonseiten des Landes entsprechende Ressourcen zu Verfügung gestellt werden.

Da schimmert aber schon etwas Kritik durch...

In Vorarlberg wurde in der Vergangenheit mit Themen ganz anders umgegangen. Verschiedenste Institutionen sind mit konkreten Aufgaben betraut oder dafür extra geschaffen worden. Zum Thema Digitalisierung gibt es allerdings keine institutionelle Struktur, zumal diese Aufgabe für das Land und die Wirtschaft zukunftsweisend ist.

Es braucht also eine klare Verantwortlichkeit.

Unbedingt. Ausgestattet mit Ressourcen, etwa für den Bereich Breitbandausbau bzw. digitale Infrastruktur. Wir müssen uns zudem anschauen, wie sich Vorarlberg bei der Forschung und Entwicklung aufstellt, und letztendlich muss die digitale Verwaltung ein Thema sein, das Bürger und Unternehmen gleichermaßen betrifft und ihnen Hilfe bietet.

Auch der Verkehr ist ein Thema, das alle betrifft. Wie muss die künftige Ausrichtung sein?

Da ist im öffentlichen Personennahverkehr viel passiert, leider fokussiert es sich meist nur da-rauf. Im Wahrheit haben wir aber großen Aufholbedarf, wenn es um die Infrastruktur geht. Diese Entwicklung konnte mit der Wirtschaftsentwicklung der vergangenen Jahre nicht Schritt halten. Die täglichen Überlastungen von bestimmten Verkehrsknotenpunkten zeigen dies drastisch. Die Autobahn gilt es mit Vollanschlüssen auszustatten, Betriebsgebiete müssen angeschlossen werden und wir haben sicherlich bei der Schieneninfrastruktur die eine oder andere Verbesserung vorzunehmen.

Was macht Interessenpolitik für Sie erfolgreich?

Interessenpolitik kann in Vorarlberg deswegen erfolgreich gemacht werden, weil wir auf der einen Seite viele ambitionierte Unternehmer haben, die sich mit ihrer Expertise als Funktionäre einbringen und auf der anderen Seite unsere Mitarbeiter es verstehen, dieses Fachwissen aufzunehmen, in Positionen zu formulieren, sich bei Gesetzgebungsprozessen einzubringen. Der Einsatz unserer Mitarbeiter zur Umsetzung ist hier ein breiter. Das ist eine oft harte Arbeit, die in der Öffentlichkeit viel zu wenig wahrgenommen wird, aber sehr wertvoll ist, weil hier die Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort gemacht werden. Wir sind hier gut aufgestellt und als Wirtschaftskammer die einzige Institution in Vorarlberg, die das in dieser Dimension,  Tiefe und mit dieser Expertise machen kann. Es liegt daher an uns, das Wissen der Unternehmen abzuholen und uns bei den Rahmenbedingungen entsprechend einzubringen.       

Zur Person: Der Betriebswirt Mag. Marco Tittler (41) hat seine Karriere 2005 als Trainee im Gründerservice der Wirtschaftskammer Vorarlberg begonnen. 2006 wurde er Referent und übernahm die Geschäftsführung der Jungen Wirtschaft (bis 2014), 2012 wurde er zum Abteilungsleiter für den Bereich Wirtschafts- und Technologiepolitik bestellt.

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