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„Es lebe das Handwerk“ gilt mehr denn je

Seit über zehn Jahren ist Glasermeister Bernhard Feigl Spartenobmann des Vorarlberger Gewerbe und Handwerk. Im Interview erzählt er vom „Handwerker-Gen“, der Herausforderung Corona und deren Krisenbewältigung.

Bernhard Feigl
© Frederick Sams

Herr Spartenobmann, ein alter traditioneller Handwerkergruß lautet „Hoch lebe das Handwerk“, das gilt aktuell mehr denn je?


Es liegt im Handwerker-Gen, bei einer Krise nicht die Hände in den Schoß zu legen oder nach staatlicher Hilfe, Förderungen oder Unterstützungen zu schielen
Der Handwerker ist es gewohnt selbst Hand anzulegen, diese Sache selbst in die Hand zu nehmen und die Ärmel hochzukrempeln, um aktiv sowie in enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Mitarbeiter/-innen Lösungen finden.
Diese Gene im Handwerk sind somit ein guter Krisenberater?
Das Vorarlberger Handwerk basiert auf Werten wie Fleiß, Beständigkeit, Treue oder Hingabe aber auch Qualität und vor allem Ausbildungsverantwortung. Dies sind alles Werte, die besonders in Zeiten eines Aufbruchs nach einer Krise gute Wegbegleiter sind. Auch wenn manche traditionelle handwerkliche Techniken mehr und mehr in Vergessenheit geraten und leider verloren gehen, ist das kein Grund zur Sorge, da das Handwerk immer sehr nah am Kunden ist und immer das macht, was der Kunde braucht.

Man sieht, dass die Branche in der Krise sehr schnell reagiert hat.


Innerhalb kürzester Zeit war ein sehr hohes Innovationspotenzial etwa im Bereich der Schutzmasken und Schutzausrüstungen vorhanden. Dieses Potenzial wurde rasch in Ergebnisse umgesetzt. In Vorarlberg lagen wir nie an großen Handelsstraßen und hatten nie wirklich Bodenschätze. Wir waren also immer schon darauf angewiesen, uns mit unserem eigenen Können, unserer eigenen Leistung zu beweisen und in andere Länder auszuziehen, um dort Werte zu erwirtschaften. Das haben die Vorarlberger in Wirklichkeit immer schon gemacht, und zwar gut gemacht.

Wie geht’s dem Gewerbe und Handwerk aktuell?


Mit Ausnahme einzelner weniger Branchen wie dem Messebau oder Firmen, die im Eventbereich anzusiedeln sind, geht es dem Gewerbe und Handwerk in Vorarlberg deutlich besser wie im Osten von Österreich. Die momentane Lage ist, den Umständen entsprechend sehr gut, man blickt aber mit etwas Sorge in das kommende Frühjahr.

Inwiefern?


Die Ungewissheit ist etwas bedenklich. Von Berufswegen könnte man meinen, dass ich als Glasermeister und Glasschleifermeister besonders qualifiziert bin in der Glaskugel die Zukunft zu sehen, da muss ich leider enttäuschen. Dennoch glaube ich, wir sind für diese Krise gemacht. Unsere eigene Aufgabe konnten wir noch nie so gut beweisen wie jetzt in dieser Krise. Die wahren Funktionäre in der Wirtschaftskammer haben ihre
Fähigkeiten unter Beweis stellen können und die Kammer hat gezeigt, was sie kann.

Also ein starkes Lebenszeichen eines auf Solidarität basierenden Systems...


Es ist nicht auszudenken, wenn die Regierung mit einzelnen Firmen, mit einzelnen Vereinen, mit einzelnen Talschaften oder mit irgendwelchen Wirtschaftsgruppierungen verhandeln hätte müssen, um in die Zukunft zu gehen. Es ist schon sehr hilfreich eine Organisation zu haben, die das alles abwickelt und gemeinschaftlich in einer positiven Art der Selbstverwaltung diesen Ausgleich der unterschiedlichen Interessen schafft.
In dieser Zeit konnte ich viele Funktionäre und Unternehmer kennenlernen, die mit selbstsicherem Auftreten und aufrechtem Gang, im Bewusstsein ihrer eigenen Leistungsstärke und im Vertrauen auf die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter, die Fahne hochgehalten haben und innovativ mit optimistischen Perspektiven und Visionen in die Zukunft geschaut haben.

Dennoch stehen weitere Herausforderungen an wie etwa das Thema Nachwuchskräfte?


Die Gesellschaft ist in Entwicklung und daher müssen wir permanent am Thema Ausbildung arbeiten. Die Herausforderungen sind im Thema nicht neu, aber in der Umsetzung sind sie es immer wieder. Da gehört sicher ganz stark die Ausbildungsverantwortung dazu.
Einen Lehrbrief unterschreibt ein Ausbilder, ein Lehrherr. Er bürgt damit mit seinem Namen, dass der Jugendliche einen Beruf erlernt. Es ist ein Spiel von Selbstautonomie und Abhängigkeit, damit der Jugendliche seinen Platz in der Gesellschaft findet und das durch seine eigene Leistung untermauert. Es gehört zu einer handwerklichen Ausbildung dazu, dass man mit immer neuen Problemen konfrontiert wird, dass man nicht nur betriebsinterne Abläufe kennenlernt, dass man mit Kunden zu tun hat und dass man Probleme selber lösen kann. Die Lehre ist auch immer die Auseinandersetzung mit einem Mentor. Was gibt es Schöneres wie eine Ausbildung, die als allerletztes Ziel praktisch und theoretisch die Selbstständigkeit hat.

Das nunmehrige Führen des Meistertitels in offiziellen Dokumenten könnte als Motivationsschub dienen?


Ich finde diese Gleichwertigkeit einen ganz entscheidenden Schritt. Ein Master of Sience ist etwas anderes als ein Tischlermeister oder ein Mechatroniker, aber es geht eben um die Gleichwertigkeit. Ich glaube, dass der Titel trotzdem im Vorarlberger Handwerk nur von ganz wenigen geführt werden wird. Kein Meister meint tatsächlich, dass er mehr wert ist, nur weil der drei Buchstaben vor seinen Namen schreiben kann, sondern man definiert sich im Handwerk über die eigene Leistung und nicht über Titel. Dennoch, diese Gleichwertigkeit ist immens wichtig.
Eines der zentralen Spartenthemen ist die Verkehrs- problematik im Land.
Ja, Infrastruktur und die Verkehrssituation sind entscheidend für unsere Arbeit. Wenn man in Vorarlberg ein altes Navigationsgerät im Auto hat, spielt das überhaupt keine Rolle, weil sich in den vergangenen acht Jahren – mit Ausnahme der Umfahrung Bersbuch – tatsächlich so gut wie gar nichts verändert hat. In ganz Europa wäre man mit einem alten Navigationsgerät jedoch chancenlos. Dieses ewige Staustehen in Vorarlberg sollte der Vergangenheit angehören, denn das verursacht sehr hohe Kosten, die uns alle sehr stark behindern.

Auch ohne seherische Fähigkeiten. Wagen Sie dennoch einen Blick in die Zukunft?


Ich bin überzeugt, dass wir aus der Krise gestärkt hervorgehen werden und hoffe, dass uns dies auch weiterhin so gut gelingt. Die Vorarlberger Handwerker haben oft das große Ganze im Blick, spielen regional ihre Stärken aus und sie scheuten sich trotzdem nie, sich über die eigenen Grenzen hinaus zu orientieren. Doch eines ist auch ohne Glaskugel sicher: Mit Optimismus und Perspektive und vor allem mit Zusammenhalt lässt sich jede Hürde meistern. Die Handwerker sind jedenfalls kein Volk der Rückwärtsversteher und Besserwisser.


Bernhard Feigl

Geboren 1967 in Höchst.
Ausbildung: HTL für Hochbau in Rankweil, Glasfachschule im Kramsach, Glasermeister und Glasschleifermeister, Meisterschüler in der Glasklasse an der Akademie der Bildenden Künste in München (während des Studiums halbjähriger Aufenthalt in Japan)
Beruf: Geschäftsführender Gesellschafter der Glas Marte GmbH in Bregenz (Familienbetrieb in dritter Generation).
Spartenobmann Gewerbe und Handwerk seit April 2010
Privat: Verheiratet, Vater von vier Kindern, lebt in Lochau.
Hobbys: Beruf, Familie, Kunst, Kulturreisen, Skifahren



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