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„Die vielfach fehlende Planungssicherheit ist Gift für unsere Wirtschaft.“

Im Gespräch. Seit Frühjahr 2020 ist Markus Comploj, CEO der Getzner Holding, Obmann der Sparte Industrie in der WKV. Im Interview spricht er über die aktuellen Herausforderungen der Sparte in der Corona-Krise.

Spartnobmann Markus Comploj
© Frederick Sams

Herr Comploj, die Exportzahlen für Vorarlberg versprechen ein positives Stimmungsbild: Wie geht es der heimischen Industrie?


Aktuell sind die Vorarlberger Industriebetriebe - mit wenigen Ausnahmen - gut bis sehr gut beschäftigt und ich denke, das sollte in nächster Zeit auch so bleiben. Auch wenn die Industrie vom zweiten Lockdown wieder weitgehend nur indirekt betroffen ist, sind die zahlreichen Absonderungen der Mitarbeitenden jedoch eine problematische Thematik geblieben. Das zeigt sich vor allem auch im Schichtbetrieb.

Die Sorgen der Industrie in Bezug auf Corona sind...


Vor allem die Maßnahmen rund um Testungen und Absonderungen. Die aktuelle Industrie-Umfrage, die wir gemeinsam mit der Industriellenvereinigung durchgeführt haben, hat gezeigt, dass fast jeder zweite Betrieb in den abgesonderten Mitarbeitenden und den zu langen Absonderungszeiten – selbst wenn keine Erkrankungen vorliegen – das größte Risiko für den eigenen Betrieb sieht. Dabei nehmen unsere Betriebe mit umfassenden Sicherheitskonzepten ihre Verantwortung für die Mitarbeitenden ohnehin sehr ernst, und zwar weit über das geforderte Maß hinaus. Es hat sich zudem auch gezeigt, dass Infektionen kaum in Betrieben, sondern meist im privaten Umfeld stattfinden.

Braucht es eine neue bzw. adaptierte Teststrategie?


Die Problematik liegt auf der Hand, und diese anzugehen ist kein Ding der Unmöglichkeit: Was wir für unsere Mitarbeitenden dringend brauchen, sind ganz einfach schnellere Testergebnisse, mehr Akzeptanz von Antigentests und kürzere Absonderungszeiten.

Wie beurteilen Sie die am Wochenende durchgeführten Massentestungen?


Massentestungen sind sinnvoll und verschaffen uns wichtige Spielräume in anderen Bereichen, wie zum Beispiel den Schulen. Die Industrie testet ja seit Monaten selbst sehr intensiv die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sondert auch sehr rasch ab. Wichtig erscheint mir, dass die Massentestungen auch 2021 fortgesetzt werden.

Planungssicherheit, Investitionspolitik und Co.: Wo kann rasch und wirkungsvoll gehandelt oder nachjustiert werden?


Die vielfach fehlende Planungssicherheit ist Gift für unsere Wirtschaft. Auch die Industrie muss daher aktuell „auf Sicht“ fahren. Der Wirtschaft und der Bevölkerung in Vorarlberg eine Perspektive zu geben – etwa durch Investitionsprojekte und die Schaffung eines gemeinsamen Verständnisses, dass es nach der Krise wieder aufwärtsgehen wird – wäre gegenwärtig sehr wichtig. Was wir jedoch sicher nicht brauchen können, ist das Schüren von Neid und Versuche mancher politischen Gruppierungen, Feindbilder zu generieren und damit die Menschen gegeneinander auszuspielen.

Die Industrie hat einen Corona-Masterplan aufgestellt, der kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen vorsieht. Was sind hier Eckpunkte und wie geht es voran?


Von diesem dreistufigen Masterplan sind die kurzfristigen Maßnahmen bereits weitgehend am Laufen bzw. in der Umsetzung. Wichtig ist jetzt vor allem, sich gleich um die mittel- und langfristigen Maßnahmen zu kümmern.

Die sind?


Die Steuerreform vorziehen: Die von der Regierung in Etappen geplanten Steuertarifsenkungen für 2021 bis 2023 müssten zeitlich vorverlegt werden, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise abzufangen. Eine gleichzeitig vorgezogene Körperschaftsteuersenkung auf 21 Prozent erhöht das Eigenkapital und bringt den Unternehmen mehr verfügbares freies Kapital, um bereits budgetierte Investitionen doch durchzuführen, statt sie ins Ungewisse zu verschieben – wir haben ja gerade die Planungssicherheit und Investitionspolitik angesprochen. Durch eine begleitende Senkung der Lohnnebenkosten würde der Faktor Arbeit für Unternehmen entlastet werden und in einem weiteren Schritt zu einem Beschäftigungszuwachs führen.

Was braucht es noch?


Eine Offensive im Bereich Forschung und Entwicklung und Innovation – das ist ebenfalls ein Gebot der Stunde. Angesichts der Milliarden-Hilfspakete geht es hier um vergleichsweise geringe Beträge, die aber eine sehr große Hebelwirkung haben und die die künftige Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Standorts stark beeinflussen. Auch Genehmigungsverfahren bieten einen großen Hebel, um Investitionen zu erleichtern und Impulse für die Wirtschaft zu setzen, daher: Verfahrensvereinfachungen umsetzen. Zudem müssen die aktuellen Hilfen genau beobachtet und bei Bedarf adaptiert werden.


Und dann gibt es noch langfristige Bereiche…


Bei denen auch der Zeitfaktor zählt: Die nächsten Wochen und Monate müssen wir nützen, um langfristige Konzepte für zentrale Handlungsfelder auf den Tisch zu bringen. Aus Sicht der Industrie sind das beispielsweise eine Digitalisierungsstrategie in Sachen Bildung, eine „Leitbetriebe- bzw. Headquarterstrategie“ oder eine Exportoffensive.

Wo muss die Politik einspringen?


Jede Krise bringt auch große Chancen mit sich. Das sollte meines Erachtens schon jetzt stärker angesprochen und genutzt werden. Hier ist die Marke Vorarlberg, um die es etwas ruhig geworden ist, die ideale Plattform, um den Vorarlberger Weg zu gehen: Nämlich gemeinsam und auch sehr erfolgreich aus der Krise zu kommen.

Herr Comploj, Sie gelten als glühender Europäer: Wie muss sich Europa in der Krise aufstellen?


Was wir momentan verstärkt wahrnehmen ist eine ungünstige Dynamik in Sachen Reisewarnungen, gegenseitiger Schuldzuweisungen und nationalistisch-protektionistischen Tendenzen. Umso mehr müssen wir uns im Interesse einer raschen und nachhaltigen Bewältigung der wirtschaftlichen Krisenfolgen um verstärkte Kooperation, einen reibungslos funktionierenden EU-Binnenmarkt und einen international wettbewerbsfähigen Wirtschafts- und Industriestandort Europa bemühen. Dazu gehören die Positionierung Europas als Technologiestandort, ein starker Fokus auf Digitalisierung und digitale Technologien sowie das Thema Bildung und Qualifikation.


Vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Simon Groß


Zur Person:

Markus Comploj ist seit Jahresbeginn alleiniger Geschäftsführer der Getzner Holding, im Frühjahr wurde er einstimmig zum Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg gewählt. 2012 wurde Comploj Geschäftsführer der Bergbahnen Brandnertal – In dieser Funktion war er auch Fachgruppenobmann der Vorarlberger Seilbahnen. Zuvor war Comploj für sieben Jahre als Geschäftsführer einer Tourismusorganisation in Graubünden in der Schweiz tätig. Nach seiner Ausbildung an der HTL Bregenz im Zweig Maschinenbau folgte ein Betriebswirtschaftsstudium an der Fachhochschule Südostschweiz.


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