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„Die Mitarbeiter-Situation bleibt eine der größten Herausforderungen“

Tourismus-Spartenobmann Elmar Herburger im Interview mit „Die Wirtschaft” über die Weiterentwicklung der Tourismusstrategie und neue Wege im Bildungs- und Fachkräftebereich.

Elmar Herburger, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, spricht über die Zukunft der Tourismusstrategie 2020.
© Markus Gmeiner Tourismus-Spartenobmann Elmar Herburger im Interview mit "Die Wirtschaft".

Herr Spartenobmann Herburger, die Tourismusstrategie ist auf 2020 ausgerichtet. Was passiert dann in zwei Jahren?

Wir werden einen neuen Prozess in die Wege leiten, der uns eine Strategie 2030 bringt. Die Tourismusstrategie darf nämlich nicht 2020 enden. Viele Projekte und Initiativen wurden erfolgreich gestartet, die müssen jetzt in eine nächste Phase geführt werden. Wir müssen zudem überprüfen, ob die Themen und Inhalte der 2020-Strategie noch richtig sind. Wir werden die Strategie mit zusätzlichen Inhalten und Themen füllen, etwa mit dem Thema Nachhaltigkeit. Das ist in der ersten Phase noch nicht ganz greifbar geworden. Auch das Thema Digitalisierung wird eine wichtige Rolle in Zukunft spielen. 

Am Thema Fachkräftemangel kommt die Branche nicht vorbei.

Machen wir uns nichts vor, die Mitarbeiter-Situation ist und bleibt eine der größten Herausforderungen unserer Branche. Tourismus-Fachkräfte sind in ganz Europa heiß begehrt, der europäische Markt funktioniert nicht mehr wie früher. Auf politische Maßnahmen wollen wir uns nicht verlassen und nehmen es selbst in Hand, die Herausforderung „Fachkräfte“ bestmöglich zu regeln. 

Daher geht die Branche im Bereich Bildung und Ausbildung der eigenen Nachwuchskräfte neue Wege.

Richtig. Wir haben uns in den vergangenen fünf Jahren intensiv mit der Bildung befasst und mit der Errichtung der Privatschule, die von der Branche gesteuert und begleitet wird, einen Meilenstein gesetzt. Als nächstes Ziel wollen wir sogenannte „Bildungskarrieren“ entwickeln, um die Botschaft nach außen zu tragen, dass mit der Basisausbildung im Tourismus die berufliche Karriere noch lange nicht zu Ende ist. Wir möchten klarmachen, dass eine Weiterentwicklung ist möglich. Es gilt aber auch richtigzustellen, dass dem Tourismus nicht die Fachkräfte davonlaufen, wie es in vorwinterlichen Schlagzeilen immer wieder zu lesen ist. Im Gegenteil, wir haben in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent mehr Arbeitsplätze geschaffen. Es ist nur vor jedem Winter immer wieder ein Kraftakt, unseren Mitarbeitermehrbedarf abzudecken.

Da ist Ausbildung des eigenen Nachwuchses das eine, das andere ist die Akquise ausländischer Arbeitskräfte. Wie sieht es in diesem Bereich aus?

Die eingeschlagenen Wege, was Mitarbeiterakquisition anbelangt und was vor allem die Entwicklung des touristischen Arbeitsplatzes betrifft, gilt es  intensiv fortzusetzen. Diesem muss eine neue Qualität gegeben werden, mit dem er sich am Arbeitsmarkt neu positionieren kann, damit den Vorarlberger Betrieben eine möglichst hohe Absicherung an Fach- und Hilfskräften gewährleistet wird. Wir benötigen Regelungen bzw. Bewilligungen im Rahmen der Tourismuskontingente, um Mitarbeiter in brachliegenden Märkten auch außerhalb Europas rekrutieren zu können.

Die Wintersaison steht vor der Tür. Wie zufrieden sind Sie mir der aktuellen Regelung zu den Saisonier-Kontingenten?

Ehrlich gesagt, gar nicht. Es ist vor jedem Winter immer wieder ein Kraftakt unseren Mitarbeitermehrbedarf abzudecken. Wie aber die Politik unsere Fachkräftesituation derzeit beurteilt und dann danach handelt, ist nicht akzeptabel. Alle Forderungen nach neuen, innovativen Beschäftigungsmodellen blieben bislang ungehört. Leise Hoffnung macht die Ankündigung von Neuerungen in der Mangelberufsliste. Die mögliche Aufnahme des Berufsbildes Koch in die selbige, gibt uns die Perspektive, zusätzliche Plätze zu bekommen. Wermutstropfen ist aber die zeitliche Dimension. Die Ministerin entscheidet erst Anfang Dezember. Ich frage mich, warum das nicht zeitgleich mit der Entscheidung über die Saisonier-Kontingente erfolgt. Erst dann wäre eine echte Entlastung für unsere Betriebe gegeben. Alle begrüßenswerten Maßnahmen, wie die Regionalisierung der Mangelberufsliste, die Rot-Weiß-Rot-Karte, die Erweiterung der Mangelberufsliste um touristische Schlüsselpositionen, müssen auf die Bedürfnisse des Tourismus und unsere saisonbedingten Herausforderungen abgestimmt werden.

Danke für das Gespräch!

Interview: Herbert Motter

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