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„Der Schlüssel liegt im koordinierten Rundholz-Angebot“

Säger Joachim Erhart im Gespräch über die ursprünglich geplante verpflichtende Abnahme von Schadholz durch die Sägeindustrie, deren Verhältnis zum Vorarlberger Forst und ein mögliches Synergieprojekt für Vorarlberg.

Joachim Erhart, Erhart Holz GmbH: „An vertrauensvollen Beziehungen muss man arbeiten. Das versuchen wir zu tun.“
© Magdalena Türtscher Joachim Erhart, Erhart Holz GmbH: „An vertrauensvollen Beziehungen muss man arbeiten. Das versuchen wir zu tun.“
Herr Erhart, wie sehen Sie eine verpflichtende Abnahme von Schadholz durch die Sägeindustrie, die eben wieder verworfen wurde?
Was ursprünglich in der Forstgesetznovelle vorgesehen war, wäre ein zu starker Eingriff in die freie Marktwirtschaft. Wir sind der Meinung, dass Angebot und Nachfrage auf dem Markt zueinander finden sollten.

Das Verhältnis zwischen Forst und Säge wurde in ein eher schlechtes Licht gerückt. Gilt das auch für Vorarlberg?
In Vorarlberg heben wir uns deutlich von Zuständen in Ostösterreich ab. Wir haben eine sehr vertrauensvolle Beziehung zum Vorarlberger Forst. Im Osten des Landes sind die Verhältnisse teilweise sehr zerrüttet. Die Situation ist aufgrund des Borkenkäfers und großer Konkurrenz durch große Holzmengen aus dem benachbarten Ausland  - Stichwort Tschechien - äußerst herausfordernd.

Das heißt, in Vorarlberg ist das Verhältnis ein gutes.

Ja, das würde ich so sagen. Wir müssen aber weiterhin die Beziehungen neben den ausländischen Rundholzlieferanten auch zum heimischen Forst hegen und pflegen. Und es muss auf lange Sicht so sein, dass der heimische Forst von seinen Einnahmen leben kann. Jahrzehntelang wurde die Kielwassertheorie gepredigt.


Die was besagt?
Sie besagt, wenn die Nutzfunktion Holz erfüllt wird, dass dann auch die anderen positiven Waldwirkungen wie etwa Schutz, Erholung, Trinkwasserspeicher automatisch miterfüllt werden. In dieser Form stimmt das  aber nicht. Es muss gelingen, dass andere Gesellschaftsgruppen, die vom Forst profitieren, auch ihren Beitrag dazu leisten, damit der heimischen Forst vernünftig naturnah Forstwirtschaft betreiben kann. Diesen angesprochenen Faktoren muss unbedingt ein Marktwert zugeordnet werden.

Die heimische Sägeindustrie möchte den Vorarlberger Holzanteil erhöhen. Geht das überhaupt?
Unsere Sägeindustrie bezieht 46 Prozent des Materials aus dem heimischen Forst. Mittelfristig wird es so sein, dass regionale Kreisläufe, sprich die Rundholzversorgung vor Ort, an Bedeutung gewinnen wird.

Was macht Sie da sicher?
Die Transporte werden teurer. Rundholz ist nun mal ein Gut, das nicht über hunderte Kilometer transportiert werden kann. Das macht ökologisch und wirtschaftlich keinen Sinn. Daher müssen der heimische Forst und die Sägeindustrie noch stärker zueinander finden. Wenn derzeit gut die Hälfte des Rundholzes aus dem angrenzenden Ausland kommt und mehr als die Hälfte des nachhaltig anfallenden Nutzholzes aus den Vorarlberger Forsten hinter den Arlberg bzw. ins Ausland exportiert werden, dann haben wir Handlungsbedarf. Das gilt es in Arbeitsgruppen und direkten Gesprächen zu verbessern. Aber mit der Keule irgendetwas anzudrohen, wäre der falsche Weg.

Was sind die Gründe für den hohen Exportanteil?
Die Vorarlberger Sägeindustrie ist sehr starkholzlastig. Unser Alleinstellungsmerkmal in ganz Mitteleuropa ist die enorm  große Nachfrage nach Starkholz. Eigentlich beschäftigt sich kein Betrieb in Vorarlberg rein mit Schwachholz. Die Durchmessergrenze liegt bei 40 cm. Die Vorarlberger Säger verarbeiten großteils nur Holz über 40 cm Durchmesser. Es fällt aber natürlich Holz in allen Durchmessern an, das ist der Hauptgrund. Das Vorarlberger Angebot und die Vorarlberger Nachfrage haben sich auseinanderentwickelt. Im Gegensatz zu den großen Spaner-Sägewerken Österreichs sind wir in einer speziellen Nische tätig.

Erschwert das die Zusammenarbeit mit dem Forst?

Zumindest erkennen die Forstbetriebe, dass Großsägewerke nie so eine intensive Partnerschaft leben können wie wir kleinstrukturierten Starkholzsägewerke. Bei uns sind Einkäufer und Geschäftsleiter oft dieselbe Person, dadurch wird die Nachhaltigkeit auch im Einkauf gelebt, während die Großsägewerke sich in den vergangenen Jahrzehnten von Familienbetrieben zu industriellen Großkonzerne entwickelt haben. Dort wird eher auf den kurzfristig besten Preis geschaut.

Das heißt, man müsste sich dem Thema Schwachholz in Vorarlberg künftig stärker widmen?
Richtig! Die Zielsetzung muss sein, dass man auch in den Schwachholzsortimenten ein kontinuierlicher Partner ist und miteinander versucht, die Ausreißer in der Preisentwicklung in den Griff zu bekommen.

Kommen wir nochmals auf das Schadholz zu sprechen. Wie stellt sich die Situation in Vorarlberg dar?
Wir haben versucht, im Rahmen unserer Möglichkeiten so viel Schadholz wie möglich abzunehmen, zu deutlich höheren Preisen wie es im Ausland verfügbar wäre. Diese mittelfristige Partnerschaft sehen wir nicht nur als Lippenbekenntnis. Heuer ist wieder so ein Jahr, in dem die Sägeindustrie dem Forst die Hand reichen muss, weil wir sonst in Zeiten der Holzknappheit nicht verlangen können,  vorrangig versorgt zu werden.

Der Schlüssel liegt also in einer kontinuierlichen Rundholzversorgung?
Vereinbarte Mengen in der vereinbarten Zeit sind entscheidend. Da sind uns die umliegenden Regionen einen Schritt voraus. Dort wurde in die koordinierte Holzbündelung investiert. In Vorarlberg fahren wir stattdessen auch in normalen Zeiten mit einem sehr hohen Lagerstand, um nicht in die Gefahr zu kommen „trocken zu laufen“.


Was wär eine denkbare Lösung?
Den heimischen Sägern würde eine garantierte Lieferverlässlichkeit sehr helfen. Jeder Forstbetrieb sieht sich einer Menge von limitierenden Faktoren gegenüber, wieso er nicht Holz machen kann: Im Gebirge ist es der Schnee, die Witterung im Allgemeinen, die Befahrbarkeit von Forststraßen aufgrund zu starker Nässe, Weidebetrieb auf den Almen, die Jagd im Herbst oder die Verfügbarkeit von Holzarbeitern. Ich plädiere für eine Angebots-/Nachfrage-Plattform der Forstbetriebe und des  Waldverbandes als Vertreter der Privatforste. Damit könnten Unregelmäßigkeiten, denen ein einzelner Forstbetrieb gegenübersteht, wieder ausgeglichen werden. Mit einem solch‘ spezifischen Vorarlberger Projekt könnte die Versorgung im Land stabilisiert werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person: Joachim Erhart betreibt mit seinem Bruder Ignaz das Sägewerk Erhart Holz in Sonntag und ist Ausschussmitglied des Vorarlberger Waldvereins zur Förderung einer positiven Waldgesinnung.

erhart-holz.at

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