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Zeit für mehr Flexibilität

Das neue Arbeitszeitgesetz lässt die Wogen hochgehen. Was aber ist wirklich dran, an der erhöhten Flexibilität für Betriebe und Mitarbeiter und was sagen die steirischen Unternehmer dazu?

12 Stunden maximale Tagesarbeitszeit erlaubt die neue Arbeitszeitregelung. Wichtig: Ein Zwölf-Stunden-Tag bildet (nur in Spitzenzeiten) die Ausnahme, am generellen Acht-Stunden-Tag wird ebensowenig gerüttelt wie an der generellen 40-Stunden-Woche.
© Patrick Foto - Fotolia 12 Stunden maximale Tagesarbeitszeit erlaubt die neue Arbeitszeitregelung. Wichtig: Ein Zwölf-Stunden-Tag bildet (nur in Spitzenzeiten) die Ausnahme, am generellen Acht-Stunden-Tag wird ebensowenig gerüttelt wie an der generellen 40-Stunden-Woche.

Fallweise elf oder zwölf Stunden am Tag arbeiten – wobei Überstundenleistungen mit mehr Verdienst oder höheren Freizeitblöcken entlohnt werden – und kein Rütteln am generellen Acht-Stunden-Tag, auch nicht an der 40-Stunden-Woche: Das sind die Kernpunkte des neuen Arbeitszeitgesetzes, das die Bundesregierung kürzlich angekündigt hat. 

Von Seiten der Wirtschaft (siehe dazu auch Unternehmer-Statements unten) wird diese Entscheidung begrüßt – schließlich bringt man damit eine langjährige Forderung auf Schiene, um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen zu erhalten und damit die Arbeitsplätze in Österreich und der Steiermark zu sichern.  WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk betont: „Die neuen Regeln bieten der Wirtschaft die Chance, endlich zeitgemäße Arbeitsbedingungen in einem globalisierten Umfeld umzusetzen.“  

Konkret soll mit der neuen Arbeitszeitflexibilisierung ermöglicht werden, Spitzen bei starken Auftragslagen abzudecken, ohne einen rechtlichen Graubereich zu betreten. Arbeitnehmer wiederum erhalten bei Überstunden entweder mehr Geld oder mehr Freizeit – was mit Blick auf die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf bzw. die Work-Life-Balance ebenso Vorteile mit sich bringe. Und das entspricht auch ganz genau den Wünschen der Mitarbeiter, wie Umfragen unterstreichen. „Fast drei Viertel der Arbeitnehmer sind bereit, phasenweise länger zu arbeiten. Sie schätzen flexible Arbeitszeiten als eindeutig positiv ein“, zitiert WKÖ-Präsident Harald Mahrer aus aktuellen Studien. 

Seriöse Debatte statt einseitiger Panikmache

Eine Win-Win-Situation also. Dennoch stellt sich unweigerlich die Frage, warum dann in zahlreichen Foren und Diskussionen Panikmache vor generellen Zwölf-Stunden-Tagen, Lohnraub und Co. betrieben wird? „Für die ,Schauermärchen‘ der Gewerkschaft habe ich kein Verständnis“, so Herk. „Denn ein genereller Zwölf-Stunden-Tag stand und steht nicht zur Debatte. Nur weil man Unwahrheiten oft genug wiederholt, werden sie nicht wahr“, fordert der WKO-Steiermark-Präsident eine Rückkehr zur Sachlichkeit und dem konstruktiven Diskurs. Ins selbe Horn stößt auch Mahrer: „Zwölf Stunden Arbeit am Tag bleiben die Ausnahme. Am generellen Acht-Stunden-Tag wird ebenso wenig gerüttelt, wie an der 40-Stunden-Woche. Und: Die elfte und zwölfte Stunde sind grundsätzlich Überstunden mit Zuschlag.“ Dies ist übrigens auch bei Gleitzeit so, wenn sie vom Arbeitgeber angeordnet sind.

Bestimmt der Arbeitnehmer hingegen selbst den Beginn und das Ende seiner Arbeitszeit, dann ändert sich durch die Flexibilisierung nun der Spielraum, innerhalb dessen Zeitguthaben aufgebaut werden können. – Stichwort: Vier-Tage-Woche. Aber auch mehr Einkommen durch Überstundenvergütung ist natürlich möglich. 

„Darüber hinaus sind fallweise Elf- oder Zwölf-Stunden-Tage in vielen Bereichen ja auch bereits Normalität, etwa in Krankenhäusern, dem öffentlichen Dienst, im Verkehr oder in der Industrie“, gibt Herk zu bedenken: „Nun erhalten alle Betriebe die Chance, sich noch flexibler am Markt zu positionieren.“

Das sagen die Arbeitgeber

  • Bernd Fladischer, GF Maschinenbau Koller: „Wir sind ein Lohnfertigungsbetrieb: Die Aufträge kommen in immer kürzeren Abständen und wir müssen schnell reagieren, wenn wir diese bekommen wollen – um Geld zu verdienen und damit auch Jobs zu sichern. Das war bislang nur schwer möglich. Die neue Regelung erlaubt, im gesetzlichen Rahmen positiv für die Mitarbeiter und den Betrieb zu agieren.“

  • Melanie Franke, Direktorin Rogner Bad Blumau: „In der Tourismus- und Freizeitwirtschaft können unterschiedliche Arbeitszeitmodelle, optimal auf die Lebenssituationen der Mitarbeiter abgestimmt, angeboten werden. Dadurch gelingt es uns, absolute Spitzenzeiten perfekt abzudecken. Wir profitieren längst von dieser Flexibilität und generieren dadurch langfristige und treue Mitarbeiter.“

  • Johannes Linden, CEO PIA Automation: „Die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit ist ein wichtiges Thema. Eine Verbesserung der Work-Life-Balance kann aber nur mit entsprechender Flexibilität erreicht werden, auch bei der Arbeitszeit. Die Möglichkeit, flexibel arbeiten gehen zu können und zu dürfen, stellt für unsere Mitarbeiter wie auch für uns als Arbeitgeber einen Gewinn dar.“ 

  • Doris Enzensberger, GF Lieb Bau Weiz: „Die Märkte sind ex­trem fordernd für alle Beteiligten. Das neue Modell erlaubt, marktfähig zu bleiben, und macht damit Arbeitsplätze sicherer. Konjunkturelle oder saisonale Schwankungen können mit den neuen Regelungen leichter ausgeglichen werden und es besteht die Möglichkeit, kostenneutral auf Wünsche der Mitarbeiter eingehen zu können.“

  • Josef Herk, WKO-Präsident: „Die neuen Regeln bieten der Wirtschaft die Chance, endlich zeitgemäße Arbeitsbedingungen in einem globalisierten Umfeld umzusetzen. Für unsere Unternehmen wird es in Zukunft einfacher, Spitzen abzudecken. Für die Mitarbeiter, die in ruhigeren Zeiten mehr Freizeit in Anspruch nehmen können, machen sich die neuen Regeln ebenfalls bezahlt."

  • Martina Silly-Gaube, CEO  Gaube-Kosmetik: „Vor allem bei speziellen Veranstaltungen oder Messen erleichtert die neue Regelung die Koordinierung der Mitarbeiter. Bisher war hier das Zeitfenster immer zu kurz, da die An- und Abreise auch schon einiges an Zeit verschlungen hat. Durch die Anpassung der Arbeitszeitregelung ist für den Mitarbeiter die tatsächliche Arbeitszeit wesentlich besser zu erfassen.

  • Georg Knill, IV-Präsident: „Die Menschen in Österreich haben es verdient, dass ihre Arbeitswelt nicht von alten Denkmustern bestimmt wird. Auch nicht jenem von Arbeit als Leid und Arbeitgebern als Personen, vor denen sie primär geschützt werden müssen. Es ist höchst an der Zeit, den arbeitszeitrechtlichen Rahmen mit der Arbeits- und Lebenswelt im 21. Jahrhundert in Einklang zu bringen."

Von Veronika Pranger.

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