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Wohin steuert Italien nach dem Kurswechsel?

Unser südlicher Nachbar hat eine neue Regierung. Wir haben Gudrun Hager vom AußenwirtschaftsCenter Mailand zu den aktuellen Entwicklungen befragt.

Rom
© Marco Rubino, Fotolia In Italien hat man sich schon an häufige Regierungswechsel gewöhnt.

Wie steht es aktuell um die italienische Wirtschaft?

Italien hat mit einem Wachstum von 1,5 Prozent im vergangenen Jahr die Erwartungen übertroffen. Und auch für 2018 wird wieder mit einem Plus von 1,4 Prozent des BIP gerechnet. Italienische Unternehmen haben ihre Investitionstätigkeit auch dank interessanter Förderprogramme angekurbelt, und auch die Industrieproduktion steigt. Außerdem gilt „Made in Italy“ nicht nur bei Möbeln, Mode und Design als Qualitätsmarke. Vor allem international agierende italienische Firmen haben die Wirtschaftskrise gut überstanden. Der Wirtschaftsmotor brummt traditionell in Italiens Norden und die Lombardei mit der Metropole Mailand zählt zu den wirtschaftsstärksten Regionen Europas. 

Wie schätzen Sie angesichts der nun im Amt befindlichen Regierung die weitere Entwicklung ein?

Der politische Wechsel bringt Unsicherheiten zum weiteren wirtschaftspolitischen Kurs mit sich. Dem werden sich italienische Firmen wie in der Vergangenheit stellen. Regierungen ändern sich in Italien tendenziell öfter als in anderen EU-Staaten, Flexibilität zählt daher zu den Erfolgsrezepten der Unternehmen. 

Die Vertreter der Regierungsparteien üben sich in radikalen Ankündigungen auch in Bezug auf die EU. Was ist Ihre Einschätzung? 

EU und Euro waren auch im italienischen Wahlkampf ein beliebtes Thema. Die neue Regierung Conte hat allerdings ein klares Bekenntnis zur EU und zur Gemeinschaftswährung ausgesprochen. So sei ein Austritt aus dem Euro weder in Diskussion noch ein Ziel der Regierung. Die Italiener sind traditionell proeuropäisch eingestellt, auch wenn wirtschafts- und finanzpolitische Vorgaben der EU kritisch hinterfragt werden. Gerade für die exportorientierte italienische Wirtschaft ist Europa der wichtigste Markt und die intensive Verflechtung mit den anderen Euro-Ländern trägt wesentlich zum Wirtschaftserfolg des Landes bei. 

Wie intensiv sind die Beziehungen zwischen Italien und Österreich?

Die österreichischen Exporte in unserer Nachbarland zeigten 2017 eine ausgezeichnete Entwicklung und die wirtschaftliche Verflechtung der beiden Länder nahm deutlich zu. So stiegen die heimischen Warenlieferungen nach Italien um dynamische 8,6 Prozent und erreichten im gesamten letzten Jahr 9,7 Milliarden Euro. Auch umgekehrt zeigt sich ein Plus von etwa acht Prozent bei den Warenexporten von Italien nach Österreich. Für unsere Firmen ist vor allem der industrialisierte Norden ein höchst interessanter Absatzmarkt, aber auch Mittel- und Süditalien können Lieferchancen bieten. Südtirol spielt für den Markteinstieg aufgrund der sprachlichen und geografischen Nähe eine besondere Rolle.  

In welchen Bereichen tun sich die größen Chancen auf? 

Vor allem in innovativen Branchen wie Biotechnologie, IT, Design und Kreativwirtschaft sowie Automotive gibt es Potenzial für das österreichische Angebot. Lösungen zur Digitalisierung der Produktionsbetriebe – Stichwort Industrie 4.0 – sind besonders gefragt. Zudem erlebt Italien einen neuen Boom als eine der beliebtesten Tourismusdestinationen weltweit. Investitionen zum Upgrade von Hotelinfrastruktur bieten auch Geschäftsmöglichkeiten für österreichische Zulieferer. 

Kontakt und Infos

Außenwirtschaftscenter in Mailand, Gudrun Hager, mailand@wko.at

ICS-Italienexpertin: roswitha.schipfer@ics.at


Steirer schätzen gute Beziehungen

Italien ist das zweitgrößte Industrieland Europas und ein äußerst beliebter Markt auch bei steirischen Unternehmen. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Steiermark und Italien sind seit jeher gute, liegt das Land mit seinen 60,6 Millionen  Einwohnern doch unmittelbar vor unserer Haustür. 

So ist etwa AHT Cooling Systems – das Portfolio des Rottenmanner Unternehmens reicht von der Supermarkttruhe über das Kühlregal bis zur Eistruhe – seit mehr als sechs Jahren mit einer eigenen Niederlassung in unserem Nachbarland tätig. „Der italienische Markt ist einer unserer wichtigsten europäischen Märkte“, berichtet Ulrich Bartoleit, Leiter Unternehmenskommunikation. Die Firma unterhält eine lange Exporttradition mit Italien und durch das Vertriebsbüro samt Service und Logistikmanagement kann es nahe am Kunden sein. „Der italienische Markt ist sehr qualitätsbewusst, dies können wir hervorragend bedienen“, so Bartoleit. 

Auch Ewald Holler, Geschäftsführer von Holler Tore in Leitring, ist schon seit 2005 in Italien tätig. Über eine Generalvertretung in Meran liefert die Firma vor allem Hochsicherheitstore zum Schutz von Regierungs- und Militärobjekten. „Der italienische Markt macht sechs Prozent unseres Gesamtumsatzes aus“, berichtet Holler. „Er ist sehr wichtig für uns, obwohl er aktuell schwierig ist. Aber es gibt Zukunftspotenzial.“ Von der neuen italienischen Regierung erwartet sich Holler kaum Auswirkungen auf seine Branche. Bartoleit hofft, „dass viele Ankündigungen Theaterdonner bleiben und der europäisch-integrative Kurs beibehalten wird“.

Von Petra Mravlak

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