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Wohin steuert der Flughafen Graz?

Der Grazer Airport verzeichnet heuer bisher ein Passagierplus von fast sieben Prozent. Aber ist dieses Wachstum auch nachhaltig? Dieser Frage ist die „Steirische Wirtschaft“ bei einem Runden Tisch mit Experten nachgegangen und diskutierte mit ihnen über Ticketpreise, Hub-Anbindungen, Urlaubsflüge und autonom fahrende Airport-Shuttles.

Die Steirische Wirtschaft lud acht Experten zum Runden Tisch auf den Flughafen Graz. Thema: Wohin geht die Reise für unseren Airport?
© Fischer Die "Steirische Wirtschaft" lud acht Experten zum Runden Tisch auf den Flughafen Graz. Thema: Wohin geht die Reise für unseren Airport?
In regelmäßigen Abständen lädt die „Steirische Wirtschaft“ – Ihre Unternehmerzeitung – Experten zu Diskussionen am Runden Tisch ein, um Schwerpunktthemen zu vertiefen. Diesmal ging es um den Flughafen Graz: Wie wettbewerbsfähig ist er? Welche Bedeutung für die heimische Wirtschaft hat er? Wo gibt es Potenziale für Verbesserungen? Diese und noch viele Fragen mehr diskutierten Mario Lugger und Klaus Krainer in der vergangenen Woche am Flughafen Graz mit Wirtschafts- und Tourismuslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl, WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk, Anton-Paar-CEO Friedrich Santner, Austrian-Airlines-Vorstand Andreas Otto, AVL-Travelmanager Gerald Schimek, (Flughafen-)Eigentümervertreter Wolfgang Malik, Ruefa-Reisen-Geschäftsführer Walter Krahl und Flughafendirektor Gerhard Widmann.

Rasche Anfahrt, kurze Check-In-Zeiten, gute Anbindung an internationale Drehscheiben – aber auch: Höhere Preise, noch zu hebende Potenziale und vergleichsweise wenige Verbindungen in Richtung Asia-Pacific. Diese Stärken und Schwächen haben acht Experten (siehe Infobox links und Fotos unten) in einer 90-minütigen Diskussion über den „Standortfaktor Flughafen“ ausgemacht. Das Fazit des Gespräches fällt durchaus positiv aus: Die Zufriedenheit mit dem Flughafen ist bei allen Seiten groß, dennoch gilt es, sich in verschiedenen Bereichen in den kommenden Jahren noch zu steigern.

Die Ausgangslage dafür ist grundsätzlich jedenfalls gut. „Wir kratzen heuer wieder an der Millionengrenze, verzeichneten im Vergleich zum vergangenen Jahr bislang ein Plus von rund sieben Prozent“, erklärte Flughafendirektor und Gastgeber Gerhard Widmann eingangs. Die äußerst gute Verkehrsentwicklung liegt nicht zuletzt am starken Linienflug-Angebot ab Graz, das von allen Regionalflughäfen Österreichs das beste sei. „Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den internationalen Hubs: Wir fliegen beispielsweise 33 Mal wöchentlich nach München, 28 Mal nach Frankfurt, 27 Mal nach Wien und auch sieben Mal nach Amsterdam“, so Widmann. In den letzten beiden Jahren entfielen auf die Linienverbindungen fast 90 Prozent aller Passagiere ab Graz (siehe auch Grafik oben). Das unterstreiche die Wichtigkeit und Akzeptanz der angebotenen Flüge.
Diese Zahlen seien vor allem auch ein Kompliment an die steirische Wirtschaft, so Austrian-Airlines-Vorstand Andreas Otto. „Die Airlines sind immer ein Spiegelbild der Wirtschaft, denn Airlines folgen ausschließlich der Nachfrage“, erklärte Otto. Die starke Vernetzung etwa mit den Automotive-Zentren Deutschlands  – von Stuttgart bis München – und die gute Internationalisierung der heimischen Betriebe erfordere einen leistungsfähigen Flughafen, den Graz aus Sicht von Otto jedenfalls hat. „Ich halte diesen Flughafen hier für sehr gut, er ist sicherlich einer der am bestangebundendsten Regionalflughäfen, mit denen wir zusammenarbeiten.“ 

„Ohne Airport gäbe es Anton Paar in Graz nicht“
Auch die anderen Experten lobten den Flughafen. „Anton Paar“-Chef Friedrich Santner brachte es auf den Punkt: „Wenn es den Flughafen hier nicht gäbe, gäbe es uns auch nicht hier“, so Santner. „Wir haben 35 Tochterunternehmen weltweit, eine vierstellige Anzahl an Ankünften jedes Jahr. Ohne leistungsfähigen Airport wäre das für uns nicht sinnvoll lösbar.“ Denn der Flughafen Graz biete Santner und seinen Mitarbeitern kurze Anfahrts- und Check-In-Zeiten. „Die kurzen Wege sind ein Trumpf. Auch unsere internationalen Gäste sind damit sehr zufrieden. Deshalb ist es für uns auch kein Thema, ab Wien zu fliegen: Die Gesamtreisezeiten rechtfertigen das nicht“, so Santner.
Was passiert, wenn ein Flughafen nicht „funktioniert“, zeige zudem das Beispiel Berlin-Brandenburg. „Wir haben 2012 dort ein Unternehmen gekauft, das in der Nähe des  neuen Hauptstadtflughafens liegen sollte. Der BER, der eigentlich 2011 eröffnet werden hätte sollen, ist heute aber immer noch in Bau. Wir verlegen deshalb nun den Standort dieses Unternehmens in die Nähe des Flughafens Tegel“, so Santner.

Mit derlei Problemen hat die Steiermark zum Glück nicht zu kämpfen, Organisation und Infrastruktur des Flughafens wurde von sämtlichen Experten sehr gut bewertet. Eine Herausforderung hingegen seien die Ticketpreise, die zum Teil erheblich höher als bei Flügen etwa ab Wien sind. Dies sieht auch WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk als Ansatzpunkt. „Rund jeder zweite Euro wird von unseren stark exportorientierten Unternehmen im Ausland verdient, und deshalb ist ein starkes Angebot einerseits, aber auch ein leistbarer Ticketpreis sehr wichtig“, so Herk. Darüber hinaus verknüpft Herk den Flughafen aber auch mit dem immer stärker werdenden Fachkräftemangel. „Bis 2030 werden in der Steiermark 54.000 Fachkräfte fehlen. Mit den EuroSkills, die 2020 in Graz stattfinden, wollen wir einen großen Schritt hin zum europäischen Fachkräfte-Hotspot machen. Dafür ist der Airport enorm wichtig, und deshalb stehen wir als Wirtschaftskammer voll hinter dem Flughafen“, so Herk.
Dass die Ticketpreise auch bei den Unternehmen ein wesentliches Thema sind, bestätigt etwa auch Gerald Schimek, der Travelmanager der AVL. Er ist „Herr“ über 16.000 Dienstreisen jährlich. „Ganz allgemein sind wir vor allem mit den Europa-Verbindungen sehr zufrieden und unser Unternehmen wird auch zukünftig Dienstreisen ab Graz starten, um den guten Service des Flughafen Graz zu nutzen“, so Schimek. „Aber man muss natürlich eines sagen: Wo spart man in einem Projekt als erstes? Bei den Reisekosten“, gibt Schimek zu bedenken.

Der Flughafen will dies mit seiner strategischen Ausrichtung künftig weiter verbessern. „Unser Ziel ist es, uns möglichst breit aufzustellen. Neben den Premium-Carriern haben wir zuletzt etwa mit EasyJet einen Low-Cost-Carrier auf der Berlin-Verbindung dazubekommen. Mit der sehr gut gehenden Amsterdam-Linie konnten wir 2017 über KLM neben der StarAlliance eine zusätzliche Allianz – SkyTeam – nach Graz bringen“, so Flughafen-Direktor Widmann. Wolfgang Malik, Eigentümervertreter und Vorstandsvorsitzender der Holding Graz, ergänzt: „Wir sind natürlich über unseren ,Home-Carrier Austrian Airlines’ sehr froh, spüren jedoch auch, dass die Preise sinken, wenn auf einer Linie Konkurrenz herrscht. Die Preise direkt beeinflussen können wir als Flughafen aber nicht“.

AUA-Vorstand Otto erklärte, dass die Preisgestaltung von Airlines im Grunde überall derselben Logik folge. Im Hintergrund kalkuliere letztlich ein Algorithmus, der jeden denkbaren Faktor mit in die Preise einfließen lasse – was teils zu mehreren Millionen verschiedenen Ticketpreisen im Monat führe. Klar sei jedoch auch, dass mehr Konkurrenz zwar zu niedrigeren Preisen führen, aber auch verschiedene Verbindungen – und hier insbesondere höhere Frequenzen – in Frage stellen könnte.

Der Klimawandel sorgt zunehmend für Probleme
Neben höheren Ticketpreisen sorgen aus Sicht der Wirtschaft auch die  sogenannten „Short-Time-Cancellations“, also Flugausfälle binnen 72 Stunden vor Abflug, immer häufiger für Probleme. Ihre Zahl ist heuer im internationalen Flugverkehr stark gestiegen: Der Flughafen Graz verzeichnete dabei einen Anstieg von mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr, international jedoch liegen die Zuwachsraten sowohl in Europa als auch in den USA deutlich über 100 Prozent. Die Gründe dafür sind etwa überlastete Flugräume, Streiks und zu wenige Fluggeräte. Aber auch der Klimawandel wird zunehmend zum Problem. „Früher hatten wir Gewittertürme mit zwölftausend Metern Höhe, heute reichen sie oft 16.000 oder 17.000 Meter hoch – dann muss man sie kurzfristig umfliegen“, erklärt Airliner Otto.
Langfristig hingegen habe der Flughafen Graz jedenfalls noch Potenziale zu heben. „Wir sehen heute eine Internationalisierung, nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Forschung und im Tourismus“, sagte Landesrätin Barbara Eibinger-Miedl. Die Steiermark sei bei den österreichischen Gästen bereits das beliebteste Urlaubs-Bundesland, Wachstumspotenzial gäbe es also vorwiegend bei ausländischen Gästen. „Deshalb ist eine exzellente Infrastruktur auch so wichtig. Wir müssen also weiter in den Flughafen investieren und den Airport überregional als Drehscheibe für ganz Südösterreich, West-Ungarn und Slowenien positionieren“, so Eibinger-Miedl.

Im Sommer funktioniere dies bereits gut, viele Passagiere kämen  aus Kärnten und Slowenien, um ab Graz in den Urlaub zufliegen. „Das touristische Angebot ist sehr gut und man kann zweifelsohne sagen: Wenn man ab Graz eine Urlaubsreise anbietet, dann wird das auch gut angenommen“, erklärte Touristik-Experte Walter Krahl. Allerdings sei gerade der Urlauber stärker preisempfindlich, was vor allem auf der Langstrecke zum Ausweichen auf andere Airports führe. „Deshalb sind die Linienflüge zu den großen Umsteigeflughäfen auch für den Tourismus wichtig“, sagte Krahl.

Konkrete Projektideen aus dem „Runden Tisch“
Im Zuge der Diskussion ergaben sich dabei direkt konkrete Projektideen: So will etwa die Holding Graz den Flughafen mit Unterstützung des Landes besser mit ihren öffentlichen Verkehrsmitteln anbinden. So sei laut Malik etwa auch ein Forschungsprojekt mit  einem autonom verkehrenden Shuttle von der S-Bahn-Haltestelle zum Terminal in Planung. Außerdem regte Landesrätin Eibinger-Miedl an, künftig englischsprachige Busfahrer einzusetzen. „Das ist etwa für die wachsende Gruppe der Individualtouristen ein wichtiges Service beim ersten Eindruck“, so Eibinger-Miedl. Darüber hinaus  hat das Tourismusressort auf Anregung von AUA-Vorstand Otto auch Gespräche über ein „Ski-Shuttle“ zur Stärkung des Incoming-Verkehrs im Winter zugesagt. „Wenn wir die Anbindung an die Skiorte besser hinkriegen, sehe ich hier noch erhebliche Wachstumschancen“, erklärte Otto.

Welche Entwicklung bis 2030 am Flughafen stattfinden soll

Der Status Quo ist laut einhelliger Expertenmeinung sehr gut. Aber wie soll es bis 2030 weitergehen? „Seitens der Wirtschaft gilt es, das Kundenpotenzial für den Flughafen zu schaffen, also die Nachfrage nach neuen Linien und Verbindungen. Für uns heißt das also: Die Internationalisierung stärken“, so WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk. Ruefa-Geschäftsführer Walter Krahl wünscht sich eine „höhere Schlagzahl in die Hubs, vor allem einen Ausbau in Richtung Amsterdam und Istanbul“. Damit teilt er einen Wunsch mit Friedrich Santner (Anton Paar) und Gerald Schimek (AVL), die beide eine stärkere Anbindung an den „Asia-Pacific“-Raum als wichtig erachten. „Vielleicht findet man neben Istanbul noch einen weiteren interessanten Hub“, so Santner. Gemeinsam mit Austrian-Vorstand Andreas Otto will Landesrätin Barbara Eibinger-Miedl ein „Ski-Shuttle“-Projekt ins Leben rufen, außerdem will sie die Langstrecke für Graz-Passagiere besser zugänglich machen und den Airport im Großraum Graz mit den öffentlichen Verkehrsmitteln besser anbinden.

Die Flughafen-Eigentümer sehen in allen Vorschlägen Potenzial und wollen ihrerseits „den Flughafen auch als Wirtschaftsstandort attraktivieren sowie daran arbeiten, weitere Headquarter und Hotels im Nahbereich anzuzsiedeln“, so Holding-Graz-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Malik. Flughafendirektor Gerhard Widmann betont, dass man die erfolgreiche Kernstrategie – einerseits neue Destinationen öffnen und andererseits Frequenzen auf bestehenden Linien verdichten – weiterführen und sich zusätzlich auf eine Stärkung des Incoming-Verkehrs – im Sommer, vor allem aber auch im Winter – konzentrieren will.

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