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Wo Grenzen überschritten werden…

Sexuelle Belästigung oder nicht? Derzeit lässt die #metoo-Debatte die Wogen hochgehen. Was Unternehmer wissen müssen.

Frau hält Hand mit Geste Stopp vors Gesicht.
© fotolia Nein bedeutet nein: Die Debatte um sexuelle Belästigung lässt auch hierzulande die Wogen hochgehen.
Nichts polarisiert derzeit heftiger als die #metoo-Debatte. Nach dem Skandal um mutmaßliche sexuelle Belästigungen, Nötigungen und sogar Vergewaltigungen rund um Hollywood-Produzent Harvey Weinstein dominiert das Thema unter dem gleichnamigen Hashtag #meetoo längst auch die europäischen Social-Media-Timelines. Unzählige Frauen berichten von selbst erlebten Belästigungen, und jene, die diese Berichte pauschal als unglaubwürdig und lächerlich abtun, haben ebenfalls nicht lange auf sich warten lassen.
Besonders heiß umkämpft wird in diesem Zusammen der „Tatort Arbeitsplatz“: Was darf man noch sagen? Was muss man aushalten können? Was geht zu weit? Und: Wer entscheidet, was kollegial noch okay oder bereits belästigend ist? Genau diese Fragen haben wir Renate Ortlieb gestellt. Sie ist Leiterin des Instituts für Personalpolitik an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Uni Graz: „Eines vorweg: Das Recht definiert sehr gut, was Belästigung ist oder was schwerere Vergehen wie Nötigung oder Vergewaltigung sind.“ Ein Fall „Weinstein“ wäre demnach aufgrund der bekannt gewordenen Vorwürfe völlig anders zu behandeln als etwa die Vorwürfe gegen den steirischen Ex-Grünen Peter Pilz.

Wo diese Grenzen liegen, ist jedoch nur schwer festzulegen. „Sicher ist nur: Wenn sich jemand belästigt fühlt, war eine Aussage  oder eine Geste zu viel“, erklärt die Expertin. Bleibt ein Anlass die Ausnahme, würden die Betroffenen dies meist auch als „Ausrutscher“ abtun und es dabei belassen. Wird daraus jedoch ein ständiger Begleiter im Alltag, der die Betroffenen dauerhaft ärgert, peinlich berührt oder einschüchtert, sieht die Sache anders aus – auch für die Führungskräfte.

Chefs sind in der Pflicht

„Führungskräfte haben eine Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiter. Sobald sie Kenntnis von Belästigungen haben, müssen sie einschreiten. Tun sie das nicht, kann das Rechtsfolgen für sie haben“, erklärt die Expertin (s. auch Story rechts). Wer solche Situationen also in seinem Unternehmen wahrnimmt, aber nicht einschreitet, hat ein Problem. Der Idealfall sei, ein Klima der offenen Kommunikation zu pflegen. „Wenn jeder Mitarbeiter daran gewöhnt ist, seine Meinung sagen zu dürfen und dafür auch respektiert zu werden, können solche Dinge leichter zur Sprache gebracht werden“, erklärt Ortlieb.

Verschärft werden diskriminierende Situationen häufig durch Abhängigkeitsstrukturen – etwa, wenn sich ältere Mitarbeiter oder Führungskräfte beispielsweise einen Spaß daraus machen, einen Lehrling mit anzüglichen Bemerkungen oder Gesten in Verlegenheit zu bringen. „Das endet meist mit einer Auflösung des Dienstverhältnisses, weil sich das Opfer erst zu reden traut, wenn es nicht mehr in dieser Abhängigkeit steht“, ergänzt Susanne Prisching, Anwältin im Grazer Büro der Gleichbehandlungsanwaltschaft. „Das sind dann jene Fälle, die in der Öffentlichkeit landen.“
Zehn Mal wurde Prischings Büro dazu im Vorjahr aktiv, ebenso oft die Gleichbehandlungsbeauftragte des Landes, Sabine Schulz-Bauer. Die steirische Arbeiterkammer zählt 100 Beschwerden pro Jahr, „20 bis 30 landen vor Gericht“, erklärt Bernadette Pöcheim, Leiterin der Abteilung Frauen und Gleichstellung, und nennt „verbale Belästigung, Po- und Busengrapschen bis hin zur versuchten Vergewaltigung“.

Awareness in Betrieben

Für die heimischen Unternehmer sind das ganz klar aufs Schärfste zu verurteilende Verfehlungen – wie ein kurzer Rundruf zeigt (s. Statements). Die Umfrage bestätigt ebenso eine hohe Awareness in den Betrieben. Diese wird auch aktiv gefördert – etwa bei Magna Steyr, wo Kommunikationskampagnen und Workshops die Mitarbeiter zusätzlich sensibilisieren. „Was es braucht, um diskriminierende Situationen erst gar nicht aufkommen zu lassen? „Respekt, Achtsamkeit und Feingefühl im Umgang mitei­nander – generell, nicht nur am Arbeitsplatz“, so der Tenor der steirischen Chefs.

Das sagen die Unternehmer:

Regina Friedrich, Chefin „Stilfrage“: „Es gibt Situationen im täglichen Umgang, die für die eine okay, für die andere aber nicht angenehm sind. Mehr Aufmerksamkeit auf die Signale des Gegenübers ist aber von jedem und überall gefragt, nicht nur im Job.“

Christoph Brandstätter, Chef Seehotel Jägerwirt: „Wir arbeiten in der gehobenen Gastronomie und erwarten deshalb von den Mitarbeitern auch entsprechendes Feingefühl im Umgang – nicht nur mit unseren Gästen, sondern auch untereinander.“

Anita Juria, Personalentwicklung K&Ö: „Selbstverständlich wird dieses Thema ernst genommen. Wenn aber Führungskräfte wie auch die Menschen untereinander achtsam miteinander umgehen, dann ist diese Debatte keine zusätzliche Herausforderung.“

Ana Topolic-Kriechbaum, Global Director Marketing Communications Magna Steyr: „Wir legen großen Wert auf einen wertschätzenden Umgang. Respektlosigkeit, Ressentiments und Gewalt jeglicher Art haben in unserem Unternehmen keinen Platz.“ 

Thema-Team: Veronika Pranger, Karin Sattler & Klaus Krainer


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