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„Wir brauchen eine Renaissance des gesunden Hausverstandes“

Fünfter und letzter Teil unserer Sommergespräche mit den Spitzen der Wirtschaftsparlamentsfraktionen: Josef Herk, Obmann des Wirtschaftsbundes und Präsident der WKO Steiermark, über „Trägerraketen“ – in der Bildung, bei Fachkräften, der Digitalisierung und Familienunternehmen.

Herk: „Diese Scheinschwangerschaften, die unsere Politik produziert, sind ein Problem. Die Wirtschaft braucht vor allem eines: Rechtssicherheit.“
© Foto Fischer Herk: „Diese Scheinschwangerschaften, die unsere Politik produziert, sind ein Problem. Die Wirtschaft braucht vor allem eines: Rechtssicherheit.“
Herr Herk, einer aktuellen Studie zufolge fehlen in Österreich 162.000 Fachkräfte. Wie  kann man entgegenwirken?

Josef Herk: Indem man Reformen auf dem Arbeitsmarkt und in der Bildung zügig umsetzt. Der Fachkräftemangel ist mittlerweile der Flaschenhals unseres wirtschaftlichen Aufschwungs und quer durch alle Regionen und Branchen spürbar. Aus diesem Grund haben wir als Wirtschaftsbund und Wirtschaftskammer auch eine Reihe von Initiativen gestartet. Ziel ist es, einerseits die vielen Arbeitslosen, die es trotz Höchstbeschäftigung und Stellenrekord gibt, besser in den Arbeitsprozess zu integrieren und andereseits keinen hellen Kopf mehr zu verlieren. Das passiert nämlich noch immer viel zu oft, darum gilt unser besonderes Augenmerk auch der Bildungswahl.

Wir sitzen hier im Talentcenter der WKO Steiermark. Warum ist es eines der Puzzleteile im Kampf gegen den Fachkräftemangel?
Herk: Eines vorweg: Das Talentcenter – oder besser gesagt die Ausbildung unserer Jugend – ist mein Herzensprojekt schlechthin. Wir wollen damit einen Kompass zur Verfügung stellen, der bei der Wahl der richtigen Ausbildung hilft. Das Angebot reicht darum weit über Berufsinformation hinaus, hilft, Stärken und Talente zu erkennen. Wir verstehen uns mit unseren Bildungseinrichtungen, vom Talentcenter über das WIFI bis hin zur Fachhochschule Campus02, als umfassender Karrierebegleiter. 

Mit den EuroSkills kommt 2020 die Berufs-EM nach Graz. Wie wichtig ist so ein Projekt für die Bildung?
Herk: Es ist für mich eine Trägerrakete dafür, um der Jugend, den Eltern und der Gesellschaft insgesamt zu zeigen, zu welchen Spitzenleistungen unsere Fachkräfte im internationalen Vergleich fähig sind. Die EuroSkills werden der Berufsausbildung im gesellschaftlichen Stellenwert und im öffentlichen Ansehen enorm weiterhelfen. Mein Ziel ist die Gleichstellung von beruflicher und schulischer Bildung, dafür kämpfe ich seit Jahren. Und diese Initiativen tragen auch Früchte: So konnten wir im letzten Jahr nach längerer Zeit wieder ein Plus bei den Lehranfängern verbuchen.

Reicht das, angesichts der demographischen Entwicklung?
Herk: Man kann nicht so blauäugig sein, dass wir mit unseren Geburtenzahlen die Herausforderungen der Zukunft meistern werden können. Wir kennen die demographischen Entwicklungen sehr genau und wissen, dass wir uns mit dem Thema Migration auseinandersetzen müssen. Das heißt: Wir brauchen einen qualifizierten Zuzug. Wenn man so will, kann das eine Stufe dieser Fachkräfterakete sein, die wir zünden müssen.

Zuletzt wurde emotional über Asylwerber in der Lehre diskutiert. Wie stehen Sie dazu?
Herk: In erster Linie ist es wichtig, Asyl und Migration auseinanderzuhalten. Aber die Diskussion ist für mich auch ein Fallbeispiel österreichischer Politik: Zuerst sagt man, sie dürfen eine Lehre beginnen, dann werden sie mittendrin abgeschoben. Diese Scheinschwangerschaften sind ein Pro­blem, denn die Wirtschaft braucht Rechtssicherheit! Wir sehen das ja auch in anderen Bereichen, etwa bei Genehmigungsverfahren. Hier braucht es eine Renaissance des gesunden Hausverstandes.  

Wechseln wir das Thema: Wie fällt Ihr erstes Fazit zur neuen Regierung aus?
Herk: Für Reformen braucht es viel Durchsetzungswillen, weil sie die Betroffenen schmerzen – und den hat die Regierung bisher gezeigt. Nehmen wir die Sozialversicherungen als Beispiel: Niemand will, dass sich die Leistungen verschlechtern – die Frage ist also, wie schafft man es, die Finanzierung effizienter zu regeln? Ich glaube, es gibt immer Möglichkeiten – das gilt für mein eigenes Unternehmen und natürlich auch für die großen Institutionen – inklusive WKO und unsere Sozialpartner.

Gerade den Sozialpartnern wird aber meist nur wenig Reformeifer nachgesagt…
Herk: Das kann man gerade der Wirtschaftskammer nicht vorwerfen. Wir haben im vergangenen Jahr eine Entlastung um 100 Millionen Euro beschlossen und zusätzlich neue, wichtige Serviceleistungen installiert. Ich bin stolz, dass ich das auch maßgeblich mitprägen konnte, und es ist für mich als Unternehmer selbstverständlich, dass die Kammer als das „Unternehmen der Unternehmer“ aus eigener Kraft in der Lage ist, sinnvolle Weiterentwicklungen anzugehen. Das erwarten wir uns übrigens auch von den anderen Sozialpartnern. Und von der Regierung erwarten wir uns die Umsetzung angekündigter Entlastungen, da werden wir sie in die Pflicht nehmen.

Seitens der Gewerkschaft wurde zuletzt sehr emotional die Arbeitszeitflexibilisierung kritisiert. Ärgert Sie so etwas?
Herk: Dafür fehlt mir völlig das Verständnis. Unwahrheiten werden nicht wahr, nur weil man sie ständig wiederholt. Es ging nie darum, dass jeder täglich zwölf Stunden arbeiten soll. Inhaltlich gibt es für diese Argumente kein Fundament. Unsere Unternehmen stehen heute in einem globalen Wettbewerb und Flexibilität ist dabei einer der wesentlichen Faktoren.

Sie sprechen die Globalisierung und Digitalisierung an: Wie kann man dieses komplexe Thema bewältigen?
Herk: Der Schlüssel ist die Bildung: Je höher der Grad der „digitalen Alphabetisierung“, umso eher werden wir neue Dienstleistungen und Produkte entwickeln und die Wertschöpfung in der Steiermark behalten können. Dabei geht es vor allem auch um die alteingesessenen Familienunternehmen. Genau für diese Gruppe haben wir mit unserem innovativen Service „Re-Start-up“ ein Programm entwickelt, wo es darum geht, gemeinsam mit Experten frischen Wind aufzunehmen. Denn erst, wenn wir die Innovationskraft der KMU heben können, wird unsere Rakete richtig durchstarten.


Sommergespräche in der Steirischen Wirtschaft:

Zur Person
Josef Herk (58) ist Chef der Herk GmbH, einem Karosserie- und Lackierfachbetrieb mit Sitz in Knittelfeld. Das 1957 gegründete Familienunternehmen beschäftigt 24 Mitarbeiter und bildet durchgehend Lehrlinge aus. Herk war zwölf Jahre lang Gemeinderat in Knittelfeld, engagiert sich bereits seit 1982 beim Wirtschaftsbund und hat im April 2017 dessen Führung übernommen. Seit Februar 2011 ist Herk auch Präsident der WKO Steiermark.
Zur Fraktion
Der Wirtschaftsbund Steiermark wurde 1945 gegründet und stellt aktuell 56 Abgeordnete zum steirischen Wirtschaftsparlament. Damit ist der Wirtschaftsbund die stärkste Fraktion der Wirtschaft in der Steiermark. Bei der letzten Wirtschaftskammerwahl erreichte die Fraktion 68,5 Prozent aller Stimmen.
Zur Serie
Die „Steirische Wirtschaft“ lädt auch heuer wieder die Spitzen der im Wirtschaftsparlament vertretenen Parteien zum großen Sommerinterview. Als Schauplatz für die Gespräche haben wir uns diesmal das „Talentcenter“ der WKO Steiermark ausgesucht: Hier werden die Fachkräfte von morgen auf ihre Begabungen hin getestet. Damit wird das Talentcenter zu einem wichtigen Instrument beim derzeit aktuell brennendsten Thema – dem Fachkräftemangel.

Interview: Klaus Krainer

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