th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin google-plus facebook whatsapp arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home
news.wko.at

Wie sich junge Flüchtlinge eine Zukunft aufbauen

Vor gut einem Jahr wurde die Balkanroute geschlossen. Seither hat sich bei der Integration viel getan. Ein bundesweites Pilotprojekt soll jetzt junge Flüchtlinge für Bauberufe vorbereiten. Ein Lokalaugenschein in Niklasdorf.

Josef Pein (Fachverband Bauindustrie), Josef Missethon (Institut für Talenteentwicklung) und Alexander Pongratz (Landesinnungsmeister Bau)
© Foto Fischer Josef Pein (Fachverband Bauindustrie), Josef Missethon (Institut für Talenteentwicklung) und Alexander Pongratz (Landesinnungsmeister Bau)

Flüchtlinge, die in Massen über unsere Grenzen strömen – diese Bilder gehören seit einem Jahr der Vergangenheit an: Damals erfolgte mit der Schließung der Balkanroute nämlich eine echte Zäsur. Doch was ist in der Zwischenzeit mit all den Flüchtlingen passiert? Konnten mittlerweile Fortschritte in der Integration erzielt werden? Um diese Fragen zumindest im Einzelfall beantworten zu können, sind wir diese Woche nach Niklasdorf gefahren. Denn dort läuft derzeit ein echtes Vorzeigeprojekt in Sachen Integration, initiiert vom Institut für Talenteentwicklung in Kooperation mit der steirischen Bauwirtschaft.


Ziel des bundesweiten Pilotprojekts ist es, jungen Flüchtlingen eine Lehrstelle am Bau zu ermöglichen. Ein Jahr lang werden dafür 45 Jugendliche aus Afghanistan intensiv auf die Baubranche vorbereitet – mit einem Programm, das weit über die klassische Grundversorgung hinausreicht. „Die Jugendlichen lernen hier Deutsch, Mathematik und haben Sachunterricht“, erklärt Projektleiter Josef Missethon von „Talente für Österreich“. Im Unterricht bekommen die Jugendlichen auch Einblicke in die neue Kultur, die Sitten und Werte in Österreich. „Sie müssen auch selber putzen und kochen und erfahren, wie es in der Arbeitswelt zugeht“, ergänzt er. Die Fortschritte, sagt Missethon, seien beinah täglich messbar.


Ein Eindruck, der sich beim Besuch in den Klassen bestätigt. Das in die Jahre gekommene Firmengelände der Baufirma Hinteregger in der Industriestraße, das kurzerhand auch zu einer kleinen Schule umfunktioniert wurde, wurde mit dem Einzug der Jugendlichen zu neuem Leben erweckt. Grammatik-Regeln an der Tafel, bunte Vorhänge an den Fenstern und Wissenswertes über Österreich an den Wänden zeugen vom positiven Spirit und davon, dass hier etwas weitergehen soll. „Herzlich willkommen in unserer Klasse“, sagen die Burschen, die erst wenige Monate in Österreich leben. Sie wissen um die Chance, die ihnen mit dieser Ausbildung geboten wird. Mit der entsprechenden Ernsthaftigkeit wird hier auch gelernt, Grammatik gepaukt, Wissen vertieft. So etwa der 17-jährige Naim, der hier in der Obersteiermark zum ersten Mal eine Schule besucht.

Zusätzlich zum Regelunterricht bekommen die Jugendlichen hier eine baupraktische Zusatzausbildung von Experten der Bauakademie. Seit Februar werden die Burschen gezielt auf die Lehre vorbereitet, von den ursprünglich 45 Jugendlichen sind nach dem Eignungstest noch 34 mit an Bord. Regelmäßig „trainieren“ sie in der Werkshalle mit ihren Ausbildern den Umgang mit Ziegeln, Kelle und Bauwinkel. „Vision des Projekts ist es, diesen Jugendlichen langfristig zu einer Arbeitsstelle in der Bauwirtschaft zu verhelfen und in die Gesellschaft zu integrieren“, so Bau-Innungsmeister Alexander Pongratz. Wobei ihm eins besonders wichtig ist: „Diese Flüchtlinge nehmen keinem Jugendlichen bei uns einen Job weg. Vor allem aufgrund der Demografie sinkt bei uns nämlich die Zahl der Lehrbewerber.“


Ins selbe Horn stößt Josef Pein vom Fachverband der Bauindustrie, der das Projekt ebenso tatkräftig unterstützt, „weil es eine Win-Win-Situation schafft. Die Bauwirtschaft bekommt so gut ausgebildete Fachkräfte, die wir dringendend benötigen. Und der Flüchtling bekommt die Chance auf eine Arbeit, ein eigenes Einkommen und eine neue Existenz.“


Genau das ist das Ziel des 16-jährigen Abasin Sanaulhaq, der aus Afghanistan geflohen ist und seit zehn Monaten in der Steiermark lebt: „Ich möchte in Österreich bleiben und am Bau arbeiten“, sagt er, während er in der Werkshalle mit akribischer Genauigkeit mit Ziegeln, Zollstock und Wasserwaage hantiert. Der 18-jährige Rohullah Hassani ist ihm dabei behilflich. „Am Bau arbeiten ist super“, sagt er, „ich will Maurer werden.“ Bei der Millimeterarbeit schauen den beiden Ausbildner über die Schulter. Mit Hochdruck arbeiten die Burschen auf den Abschluss hin: im Juli sollen die Jugendlichen dann für Baufirmen als Lehrlinge zur Verfügung stehen.


Erste Erfolge zeichnen sich bereits jetzt ab: Große Lehrlingsausbildner wie die Voest Alpine oder Pankl Racing haben bereits Interesse bekundet. Auch der Niklasdorfer Bürgermeister Johann Marak hat das Projekt von Beginn an mitgetragen: „Am Anfang gab es ordentlich Gegenwind, nicht nur von politischer Seite. Die Bevölkerung war skeptisch“, gesteht er ein: „Aber heute gibt es einen breiten Zuspruch für das Projekt, einige engagieren sich sogar als Paten für die Flüchtlinge.“ Wermutstropfen für die Jugendlichen ist allerdings der ungewisse Ausgang des Asylverfahrens, der wie ein Damoklesschwert über ihnen schwebt.


Autor: Karin Sattler


Flüchtlinge in der Klasse
© Foto Fischer
Flüchtlinge bei der Arbeit
© Foto Fischer

Das könnte Sie auch interessieren

  • Steiermark
Newsportal Frutura startet den nächsten Ausbauschritt

Frutura startet den nächsten Ausbauschritt

Während in der Frutura Thermal-Gemüsewelt die ersten Tomaten geerntet werden, rücken vor dem Glashaus bereits die Bagger für Bauabschnitt zwei an. Die „Steirische Wirtschaft“ war auf Verkostungs- und Erkundungstour. mehr

  • Steiermark
Newsportal Seit 20 Jahren heißt es

Seit 20 Jahren heißt es "Film ab"

Noch bis 2. April lockt die Diagonale in Graz mit einem bunten Programm. Seit zwei Jahrzehnten ist das Festival ein Fixpunkt in der Filmszene. mehr

  • Steiermark
Newsportal Warum auf Messen auch in Zukunft der Rubel rollt

Warum auf Messen auch in Zukunft der Rubel rollt

Messe – quo vadis? Seit Jahren wird über Messen als anachronistische Marktplätze im digitalen Zeitalter diskutiert. Doch Totgesagte leben bekanntlich länger: Alleine die Veranstaltungen der Messe Congress Graz (MCG) spülen pro Jahr 110 Millionen Euro in zahlreiche Kassen und selbst Digitalexperten pilgern zu zig Tausenden auf „analoge“ Events. mehr