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Wie Flüchtlinge zu Fachkräften werden

Wohl kaum eine Frage polarisiert mehr als die Integration von Asylwerbern. Wie es gelingen kann, das zeigt  das deutsche „Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge“. Wir haben bei Max Klasen nachgefragt.

Die niedersächsische „nordluft Wärme- und Lüftungstechnik GmbH“ bildet aktuell zwei Geflüchtete zu Metalltechnik-Fachkräften aus.
© NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge / Markus Braumann (offenblen.de) Die niedersächsische „nordluft Wärme- und Lüftungstechnik GmbH“ bildet aktuell zwei Geflüchtete zu Metalltechnik-Fachkräften aus.

Herr Klasen, als Projektreferent von „Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ sprechen Sie am 3. April in der WKO Steiermark über die Aufnahme von Geflüchteten in deutschen Firmen. Welche Erfahrungen haben Sie in der Praxis gemacht? 

Max Klasen: Der Fachkräftemangel stellt eine immer größere Herausforderung dar – motivierte, fleißige Arbeitskräfte sind mittlerweile Mangelware. Flüchtlinge können diese Lücke füllen und mit der Zeit zu qualifizierten Professionisten heranwachsen. Außerdem spielt natürlich auch die soziale Verantwortung mit. 

Wie reagieren Mitarbeiter auf diese neuen Kollegen?

Klasen: Die Integration von Geflüchteten in einen Betrieb ist ein Prozess: Man muss die Belegschaft darauf vorbereiten und auch Missverständnisse, die einfach aufgrund der verschiedenen kulturellen Hintergründe entstehen können, aus dem Weg räumen. Natürlich spielt auch die Sprachbarriere oft eine große Rolle. Deutsch ist keine leichte Sprache, weshalb es sinnvoll wäre, bereits in den Berufsschulen mehr auf die Möglichkeiten von Immigranten einzugehen.

Gibt es abhängig von Branchen oder Regionen Unterschiede in Bezug auf die „Aufnahmebereitschaft“?

Klasen: Nein, vom 10.000-Mitarbeiter-Betrieb in Hamburg bis zum kleinen Bio-Bäcker in München gibt es diesbezüglich keine Unterschiede. Mittlerweile zählt unser Netzwerk rund 2.000 Betriebe in ganz Deutschland, monatlich kommen zwischen 20 und 30 Unternehmen aus allen Branchen und Bundesländern dazu.

Bürokratie spielt gerade bei der Integration von Flüchtlingen eine große Rolle...

Klasen: Das stimmt leider. Deshalb haben wir es uns auch zur Aufgabe gemacht, die wichtigsten Fakten zur Rechtslage so kurz und prägnant wie möglich mittels Infografiken darzustellen, damit der Wille, Flüchtlinge in den eigenen Betrieb aufzunehmen, nicht an behördlichen Aufwänden scheitert. 

Die meisten Geflüchteten kommen ohne Dokumente und Nachweise über ihre Qualifikationen nach Europa – wie können sich Firmen von ihrem Können überzeugen?

Klasen: Oft beginnt das Arbeitsverhältnis mit einem Praktikum, bei dem beide Seiten herausfinden müssen, ob es fachlich und menschlich passen würde. Nach der Einstiegsqualifizierung werden viele der Flüchtlinge übernommen und im Betrieb ausgebildet, bis sie schließlich als Fachkraft zu einem wichtigen Mitglied des Unternehmens werden. Dieser Werdegang hat sich in den letzten drei Jahren als Erfolgsmodell herausgestellt – Flüchtlinge starten ihre Karriere als Hilfsarbeiter oder Praktikanten und steigen dann im Laufe der Zeit intern auf. Die qualitativ höherwertige Beschäftigung von Immigranten nimmt laufend zu. 

Wie kann man die Hemmschwelle weiter reduzieren? 

Klasen: Der Erfahrungsaustausch in unserem Netzwerk hilft dabei – Firmen lernen am liebsten von anderen Firmen, sei es in Bezug auf Rechtsgrundlagen, Erfahrungen oder mögliche Hürden, die es zu bewältigen gibt. Wenn einige Unternehmen mit gutem Beispiel vorangehen, ein reger Austausch stattfindet und wir es schaffen, die wichtigsten Fakten komprimiert weiterzugeben, dann wird unser Netzwerk noch  weiter wachsen.

Max Klasen ist seit knapp drei Jahren Projektreferent von „Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge“.
© Viktor Strassen / offenblen.de Max Klasen ist seit knapp drei Jahren Projektreferent von „Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge“.


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