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Wenn sich die Zeiger nach hinten drehen

Im Joballtag gibt es nicht nur Überstunden, sondern auch Minusstunden. Was das ist und wie diese zu behandeln sind, darüber informiert die Expertin.

Uhren auf Zahnrädern, die ineinandergreifen.
© fotomek, stock.adobe Die Zeit spielt im Job immer eine große Rolle: als Überstunde, aber auch als Minusstunde.

In der Beratungspraxis taucht immer wieder die Frage auf, ob bzw. inwieweit der Arbeitgeber bei Beendigung des Dienstverhältnisses Zeitschulden von offenen Beendigungsansprüchen abziehen kann. Dazu Alexandra Richter, Expertin im WKO-Rechtsservice: „Diese Frage lässt sich nicht generell beantworten, vielmehr ist der Grund für die vorhandenen Zeitschulden zu erheben. Und da gibt es mehrere Varianten.“ 

Wenn die Zeitschuld beim Arbeitgeber liegt

Liegt die Verantwortung für die Zeitschuld beim Arbeitgeber (zum Beispiel, wenn der Mitarbeiter im Dienstplan laut dienstvertraglich vereinbarten Arbeitszeitausmaß eingeteilt wird oder wenn ihm erlaubt wird, nach Fertigstellung der aufgetragenen Arbeiten vor Ablauf der Dienstzeit nach Hause zu gehen), so ist eine Gegenrechnung rechtlich unzulässig. Richter: „Ein Abzug von Minusstunden hat zudem auch dann zu unterbleiben, wenn der Arbeitgeber Äußerungen getätigt hat, die als Verzicht gewertet werden könnten. Zum Beispiel Aussagen, dass von Minusstunden abgesehen wird.“

Die Zeitschuld liegt beim Arbeitnehmer

Ein Abzug von Minusstunden ist jedoch ausnahmsweise dann zulässig, wenn der Dienstnehmer für die Minusstunden selbst verantwortlich ist. Das ist vor allem dann der Fall, wenn bei fixer Zeiteinteilung oder bei durchrechenbarer Arbeitszeit die Minusstunden nachweislich auf Wunsch des Mitarbeiters oder durch selbstverschuldete Abwesenheit entstanden sind. Beispiele: eigenmächtiges früheres Heimgehen oder Zuspätkommen ohne ausreichenden Entschuldigungsgrund. 

Richter: „Bei Gleitzeit können Minusstunden auch auf eine ‚schlechte‘ Zeiteinteilung des Dienstnehmers zurückzuführen sein. Verabsäumt es der Dienstnehmer in weiterer Folge trotz rechtzeitiger Aufforderung durch den Vorgesetzten, die Zeitschuld einzuarbeiten oder vereitelt der Arbeitnehmer die notwendige Abdeckung durch eine ihm zuzurechnende Beendigung des Dienstverhältnisses (Dienstnehmerkündigung, unberechtigter vorzeitiger Austritt, verschuldete Entlassung), so wird die Rückverrechnung zulässig sein, sofern der Kollektivvertrag keine für den Dienstnehmer günstigeren Vorschriften enthält.“ Richter mahnt aber zur Vorsicht, weil eine zu hohe  Rückforderung auch als  Lohndumping gewertet werden kann.

Hatte der Dienstnehmer hingegen keine Möglichkeit, die Minusstunden einzuarbeiten, zum Beispiel durch eine dem Arbeitgeber zurechenbare Beendigung des Dienstverhältnisses (unverschuldete Entlassung, berechtigter vorzeitiger Austritt des Dienstnehmers oder Dienstgeberkündigung, verbunden mit einer Dienstfreistellung), dann hat ein Abzug von Minusstunden in jedem Fall zu unterbleiben.

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