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Wenn der Chef kein Österreicher ist

1.652 Arbeitgeber in der Steiermark haben keinen österreichischen Pass. Einer von ihnen ist Jan Saria, der in Graz einen syrischen Supermarkt führt

Vom Flüchtling zum erfolgreichen Unternehmer: Jan Saria
© Fischer Vom Flüchtling zum erfolgreichen Unternehmer: Jan Saria

Kaum ein Thema polarisiert so wie die großen Fragen rund um Migration und Integration. Ein Aspekt wird dabei aber oft vernachlässigt, nämlich, dass Menschen anderer Herkunftsländer als Unternehmer auch wesentlich zur Wertschöpfung im Land beitragen. Exakt sind es 14.953 Selbständige, die auch ohne österreichische Staatsbürgerschaft zum Florieren der heimischen Wirtschaft beitragen, wie beim „Tag der Vielfalt“ (s. Beitrag unten) präsentiert wurde. Davon schaffen 1.652 Unternehmer mit ausländischen Wurzeln wertvolle Jobs, in Summe beschäftigen sie 22.697 Mitarbeiter. Grund genug, einen dieser Chefs stellvertretend für Unternehmer mit Migrationshintergrund vor den Vorhang zu holen: Wir haben den anerkannten Flüchtling Jan Saria besucht, der im Vorjahr den ersten syrischen Supermarkt in Österreich eröffnet hat.

Der 20. Juni des Vorjahres war für Jan Saria ein einprägsames Datum: Damals hat er nach vielen Hürden sein Lebensmittelgeschäft eröffnet – einen syrischen Supermarkt, den ersten dieser Art in ganz Österreich. Für Saria war dieser Neustart ein Meilenstein, sowohl wirtschaftlich als auch persönlich. Heute beschäftigt der studierte Betriebswirt in seinem Unternehmen sieben Mitarbeiter, allesamt syrische Landsleute.

Doch alles der Reihe nach: Fünf Jahre ist es her, dass der Syrer aus seiner Heimat Damaskus geflohen ist. In Österreich angekommen, war schnell klar, dass er ohne Deutschkenntnisse nicht vom Fleck kommt. „In Intensivkursen habe ich das Wichtigste in ein paar Monaten gelernt“, erinnert er sich.

Binnen kurzer Zeit war der 40-Jährige sprachlich so weit, dass er im Außendienst einer renommierten Versicherung arbeiten konnte. Später wechselte der ehemalige UNO-Mitarbeiter zu „Jugend am Werk“, wo er als Flüchtlingsbetreuer bis heute im Einsatz ist. Schließlich reifte im verheirateten Familienvater der Wunsch, mit einem syrischen Lebensmittelgeschäft ein Stück Heimat an die Mur zu holen. Ein Plan, der zwar nicht einfach umzusetzen, aber letztlich doch erfolgreich war: „Ich habe das Geschäft ohne Förderungen, ohne irgendeine finanzielle Hilfe auf die Beine gestellt“, sagt er nicht ohne Stolz. Heute hat der studierte Projektmanager mehr als 2.000 Artikel im Sortiment, von Kichererbsen über Sesampasten bis zu türkischem Honig. Mehr als 120 Gewürze versprühen im Laden einen Hauch Orient – und Glaubwürdigkeit ist für Saria oberstes Gebot: „Authentisch zu sein, ist mir das Wichtigste.“ Viele seiner Produkte stammen noch immer von syrischen Firmen, auch wenn sie ihre Produktionsstätten ins Ausland verlegen mussten.

Wer allerdings denkt, Saria bediene ausschließlich arabisches Klientel, der irrt: „40 Prozent meiner Kunden sind Österreicher“, stellt er klar. Für die Zukunft hegt er große Pläne: Neben einem Großmarkt will er eine weitere Filiale in Salzburg realisieren und das Sortiment verdoppeln.
Unweit davon, am Lendplatz, ist eine weitere Unternehmerin mit Migrationshintergrund höchst erfolgreich: Die gebürtige Griechin Eva Papanagiotou betreibt dort ein Lokal, das „Bakaliko“ – eine Mischung aus Delikatessengeschäft und kleinem Restaurant. „Ich hatte keinen Grund zur Flucht, es war meine freie Entscheidung, nach Graz zu kommen“, sagt sie und fügt an: „In meinem Mitarbeiter- und Freundeskreis erlebe ich die Vielfalt an Nationen und Kulturen als Bereicherung. Es braucht diese Offenheit, damit Multikultur ein Motor für Kreativität und Entwicklung sein kann.“ Aus diesem Grund müsse Migration auch als Chance verstanden werden, so WKO-Direktor Karl-Heinz Dernoscheg bei der Veranstaltung.

Aus der Statistik:

14.953 Selbständige in der Steiermark haben nicht die österreichische Staatsbürgerschaft.
10.420 davon entfallen auf den Bereich Personenbetreuer.
1.652 Arbeitgeber in der Steiermark haben einen ausländischen Pass.
22.687 Mitarbeiter haben in der Steiermark einen Chef mit Migrationshintergrund.

Migration, Integration und qualifizierte Zuwanderung standen am vierten „Tag der Vielfalt“ im Fokus:
Um brennende Zukunftsfragen  ging es kürzlich in der WKO Steiermark bei der vierten Auflage des „Tags der Vielfalt“, zu der mehr als 150 Unternehmer gekommen waren. Unter dem Motto „Was wäre Österreich ohne Zuwanderung?“ wurden Fakten und Szenarien auf den Tisch gelegt sowie Lösungen diskutiert. Und das mit hochkarätigen Rednern wie der Nahost-Expertin Karin Kneissl und Susanne Knasmüller vom Außenministerium. Helmut Maukner vom Beratungsunternehmen EY Österreich präsentierte eine Befragung über die Bereitschaft heimischer Unternehmen, asylberechtigte Flüchtlinge einzustellen (s. Beitrag rechts). „Mit dem Tag der Vielfalt wollen wir ein Zeichen setzen für gelebte Vielfalt und Wertschätzung. Das wirkt sich nicht nur positiv auf die Unternehmen selbst, sondern auf die gesamte Gesellschaft aus“, so Jasmina Gutleben, Vorsitzende des WKO-Migrationsbeirates.

Bildergalerie

Sieben von zehn steirischen Betrieben begrüßen gesteuerte Zuwanderung:

Kann Migration eine Lösung für den Arbeitskräftemangel in der Steiermark und in Österreich sein? Dieser Frage ging das Beratungsunternehmen Ernst & Young in einer Umfrage unter Verantwortlichen in mittelständischen Unternehmen nach. Demnach haben 81 Prozent der steirischen Betriebe Probleme bei der Personalsuche. Die Bereitschaft, einen Flüchtling mit Arbeitsberechtigung anzustellen, ist groß. 81 Prozent der weiß-grünen Betriebe würden asylberechtigte Flüchtlinge einstellen. Schon jetzt beschäftigt jedes siebte Unternehmen in der grünen Mark zumindest einen Flüchtling. Der Anteil derjenigen Betriebe, die gesteuerte Zuwanderung befürworten, ist in der Steiermark mit 71 Prozent am größten.

Von: Karin Sattler

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