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„Weiche Faktoren sind harte Währung“

Digitalisierung und Arbeitswelt: Nicole Brandes, international gefragte Top-Speakerin und Managementcoach, im Gespräch, warum die größten Herausforderungen nicht technologischer, sondern menschlicher Art sind.

Nicole Brandes
© Nicole Brandes Nicole Brandes im Gespräch mit der Steirischen Wirtschaft
Sie waren Top-Managerin in internationalen Konzernen wie der Swiss Air, führten eine Stiftung für Königin Silvia und krempelten das Management einer der ältesten Privatbanken der Welt um. Heute sprechen Sie vor Führungskräften rund um den Globus. Was ist Ihre Message an die steirischen Unternehmer?
Brandes: Dass Digitalisierung das Thema der Stunde ist und man sich diesem Megatrend nicht verweigern kann. Digitalisierung verändert einfach alles: Die Art, was wir tun, wie wir es tun und sogar wer wir sind. Das erfordert neue Herangehensweisen, die uns schneller und schlauer werden lassen. Wir leben in atemberaubenden Zeiten, doch je mehr Technologie in unser Leben tritt, umso mehr menschliches Können ist gefragt.

In Ihren Vorträgen betonen Sie, dass in Zeiten der Digitalisierung die Zukunft „weiblich“ ist. Eine Zuschreibung, die sensible Antennen schnell berührt…

Brandes: Ich spreche nicht von sterotypen Eigenschaften, sondern von der Wichtigkeit, gemischte Teams in Unternehmen zu etablieren. Wir wissen, dass Männer ihren Fokus verstärkt auf das Kompetitive richten – sie sind finanz-, status- und machtorientierter. Frauen sind mehr kollaborativ und beziehungsorientiert. Beide haben wichtige Qualitäten, die wir benötigen. Keinesfalls geht es darum, Männer durch Frauen zu ersetzen oder umgekehrt.


Worum geht es also?
Brandes: Wir kommen künftig am Diversitätsprinzip nicht mehr vorbei
– und Frauen sind wertvoller Teil dieser
Vielfalt.  Man weiß aus Langzeitstudien, dass Frauen Unternehmen resilienter, schneller und bis zu 45 Prozent profitabler machen. Und: Wir können in Zeiten, wo die technologische Revolution wie eine Megawelle über uns hereinbricht, die Welt alleine nicht mehr meistern. Wir brauchen die Weisheit der Gemeinschaft. Und diese kann ihre Stärken nur entfalten, wenn in Unternehmen die Strukturen dafür gestaltet werden – auch so, dass Egalität zur Realität wird.


Wie begegnen Unternehmen diesen revolutionären Zeiten am besten?
Brandes: Weiche Faktoren sind die harte Währung der Zukunft. Technologie wird zum Standard  und künstliche Intelligenz wird Teil unseres Alltags sein. In dieser Technologisierung werden der Ruf und die Sehnsucht nach echten menschlichen Begegnungen und dem Sinn immer lauter. Die Zukunft gehört jenen Unternehmen, die den Menschen – Mitarbeiter, Partner wie auch Kunden – emotional abholen können.


Technologischer Fortschritt und Sinnsuche – wie passt das zusammen?
Brandes: Bei aller Digitalisierung sind wir in unseren elementaren Bedürfnissen immer noch analog. Wir ertrinken in Daten und wonach wir uns sehnen, sind Erkenntnisse. Wir sind mit der ganzen Welt verbunden, aber wem sind wir wirklich emotional nahe? Wir leben in einer Zeit der totalen Entgrenzung: Nationale Grenzen, Organisationsgrenzen, sogar Körpergrenzen lösen sich auf. Gleichzeitig haben die Menschen ein starkes Bedürfnis nach Identität und Zugehörigkeit wie nie zuvor. Das ist eine der großen Aufgaben von Führungskräften: Wieder ein Wir-Gefühl zu schaffen.


Was empfehlen Sie den Unternehmen?
Brandes: Führungskräfte sind Denker der Zukunft. Niemand muss sich so sehr mit dem auseinandersetzen, was kommt und welche Auswirkungen das auf ihre Betriebe hat, wie sie. Dabei stehen sie vor der schwierigen Aufgabe, auf der einen Seite Stabilität sicherzustellen, um die gegenwärtige Performanz zu gewährleisten, und auf der anderen Seite jene Flexibilität aufzubringen, um das Neue zu integrieren. Sie sind auch Humanagenten: Es gilt, die Kunden ins Zentrum zu rücken und Mitarbeitern zu ermöglichen, mehr Verantwortung zu übernehmen.


Diese „atemberaubenden Zeiten“ scheinen aber doch sehr atemraubend zu sein…
Brandes: Ja, denn Führungskräfte sind an allen Fronten gefordert: Hier gilt es nicht nur die treibenden Kräfte der Trends, der  Organisation und der Menschen im Fokus zu haben, sondern auch sich selbst. Dazu benötigt es eine hohe Selbstkompetenz. Sich der eigenen Werte und Philosophie bewusst zu sein, ist die Kraftquelle, um in diesem Megachange nicht weggerissen zu werden.  

Weitere Informationen: www.nicolebrandes.com

Nicole Brandes begeisterte 200 Unternehmerinnen, die der Einladung am 13. Juni 2017 zum „Tag der Frauen in der Wirtschaft“ in der WKO Steiermark folgten. Alles zur Veranstaltung: wko.at/stmk/fiw

Von Veronika Pranger

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