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Warum glauben Sie an die E-Mobilität?

Vom Durchbruch der E-Fahrzeuge geht Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer im Interview mit der „Steirischen Wirtschaft“ aus. Für viele steirische Zulieferer bedeute das „Transformation oder den Unternehmensverkauf“.

Ferdinand Dudenhöfer ist Gründer und Direktor des CAR – Center Automotive Research.
© CAR Ferdinand Dudenhöfer ist Gründer und Direktor des CAR – Center Automotive Research.

Die Autoindustrie rechnet im neuen Jahr bestenfalls mit einer wirtschaftlichen Seitwärtsbewegung. Wie schätzen Sie die Lage ein?
Ferdinand Dudenhöffer:
Weltweit rechnen wir für das Jahr 2020 mit einem weiteren, wenn auch leichten Rückgang der Pkw-Nachfrage um 1,1 Prozent auf 78 Millionen Fahrzeuge gegenüber erwarteten 78,8 Millionen im Jahr 2019. Die positive Botschaft lautet, dass wir die Talsohle 2020 erreichen und ab Mitte des Jahres wieder „besseres“ Wetter aufziehen wird. Die aktuellen Vorschauen stimmen uns positiv.

Warum kriselt es aktuell in der Automobilindustrie?
Die Zollkriege des US-Präsidenten Donald Trump waren eine der wichtigsten Ursachen, warum der weltgrößte Automobilmarkt China zuletzt tief in die Rezession rutschte. Die Stimmung im Jahr 2020 bleibt, was das angeht, sehr angespannt bei Autobauern und Zulieferern. Auch weil die ersten Umrüstungen in die Elektromobilität erfolgen.

Was bedeutet das für den Markt?
Die Branche durchläuft den größten Wandel seit der Erfindung des Automobils. Ich bin davon überzeugt, dass uns diese Transformation sicher noch länger beschäftigen wird. Ich gehe sogar davon aus, dass wir 2019 nur den Beginn der ersten Welle erlebt haben. Das heißt für den gesamten Markt: Die Autobauer müssen weiterhin massive Investitionen tätigen – und das bedeutet damit einhergehend auch einen Jobabbau.

Wie kann dieser Paradigmenwechsel in der unternehmerischen Praxis gelingen?
Es ist richtig, dass viele Unternehmen ihre Kosten senken, ihre Fabrikkapazitäten und die Beschäftigung anpassen. Alles andere wäre sträflich, denn der Verbrennungsmotor wird Stück für Stück zum Auslaufmodell. Aus diesem Grund ist es richtig, die Investitionen in die Elektromobilität zu bündeln. Wer das heute versäumt, dem fehlen morgen die Kunden.

Davon sind nicht alle Automobilisten überzeugt. Schon gar nicht in der aktuell noch verbrennungskraftorientierten Zulieferindustrie…
Ich bin überzeugt, dass sich das vollelektrische Batterieauto durchsetzt und die Mobilität im Pkw-Sektor bestimmen wird.

Was macht Sie da so sicher?
Allein die EU-Klimavorgaben für das Jahr 2030: Ab dann darf der CO₂-Ausstoß von Neuwagen 60 g/km nicht überschreiten. Das entspricht einem Benzinverbrauch von 2,8 l/100 km. Wer mehr verbraucht, muss hohe Strafen zahlen. Nach heutigem Fahrzeugmix müssten dann 50 Prozent der Neuwagen durch Null-Emissionsautos ersetzt werden. Das Dilemma der Autobauer wird fühlbar. Null-Emissions-Neuwagen müssen sehr schnell in den Markt. Die Zeit für „Fächerplaudereien“ ist abgelaufen. Das Batterieauto ist alternativlos.

Was würden Sie Zulieferern von klassischen Verbrennungskraftmaschinen aktuell raten?
Wer aktuell noch 100 Prozent Komponenten für klassische Verbrennungskraftmaschinen zuliefert, dem würde ich zu Transformation, Transformation, Transformation raten. Oder dem Verkauf des Unternehmens.

Welche Zukunft attestieren Sie Brennstoffzellen­fahrzeuge?
Brennstoffzellenfahrzeuge taugen allenfalls für Nutzfahrzeuge oder Busse. Fahrzeuge in der Größe eines Golf liegen mit Brennstoffzellenantrieb bei mehr als 80.000 Euro. Das ist selbst bei 50-prozentiger Kostenreduktion nicht vermarktbar.

Und Wasserstoff?
Eine flächendeckende Wasserstoff-Tankinfrastruktur ist nicht finanzierbar und die Energiebilanz des Brennstoffzellenautos ist gruselig. Man macht aus Strom Wasserstoff und dann mit der Brennstoffzelle wieder Strom.

Blieben als Alternative die Plug-in-Hybride…
Die Fahrzeuge helfen dem Klimaschutz ja nur dann, wenn der Fahrer den Elektromotor tatsächlich nutzt. Unterm Strich bleibt nur, konsequent auf den E-Antrieb zu setzen – so wie es Volkswagen oder Tesla tun.

Bis wann wird sich Ihrer Meinung nach die E-Mobilität endgültig durchsetzen?
Ich rechne damit, dass der Durchbruch ab 2021 kommt – auch wegen der CO₂-Vorgaben der EU. 


Zur Person:

„Automotive-Papst“ Ferndinand Dudenhöffer ist Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. Er ist Gründer und Direktor des CAR – Center Automotive Research. Davor bekleidete er u. a. Spitzenpositionen bei Peugeot-Citroen, ­Porsche und Opel.



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