th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin google-plus facebook whatsapp arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home
news.wko.at

Warum auf Messen auch in Zukunft der Rubel rollt

Messe – quo vadis? Seit Jahren wird über Messen als anachronistische Marktplätze im digitalen Zeitalter diskutiert. Doch Totgesagte leben bekanntlich länger: Alleine die Veranstaltungen der Messe Congress Graz (MCG) spülen pro Jahr 110 Millionen Euro in zahlreiche Kassen und selbst Digitalexperten pilgern zu zig Tausenden auf „analoge“ Events.

Messerummel in Graz
© Kanizaj Marija Großer Rummel auf der Grazer Messe

Das digitale Zeitalter hat längst sämtliche Bereiche des täglichen Lebens erreicht – und gerade wenn’s ums Thema „Geld ausgeben“ geht, beweist das Klingeln der Onlinekassen rund um den Globus, dass es so gut wie nichts mehr gibt, das man nicht mit einem einfachen Mausklick bequem ordern kann. Umso mehr verwundert deshalb auf den ersten Blick, dass sich hier der analoge Marktplatz „Messe“, nach wie vor hält. Trotz deutlicher Strukturbereinigung ziehen Messen nämlich nach wie vor die Besucher an. So zählte man etwa bei der letzten Grazer Herbstmesse 70.000 Interessierte. Und besonders in den Regionen sind die zahlreichen Hausmessen weit mehr als „nur“ Verkaufsplattform. Sie haben zuweilen echten Volksfestcharakter – 30.000 Besucher am Gady-Markt sind dafür wohl der beste Beweis.

Pünktlich zum Start der Grazer Frühjahrsmesse (27. April bis 1. Mai) hat die Steirische Wirtschaft deshalb das Phänomen „Messe“ durchleuchtet und ist der Frage nachgegangen, warum auf und rund um Messen auch in der digitalen Zukunft der Rubel weiter kräftigt rollt: „Bereits in den 90ern wurde das Ende der Messen in Anbetracht der fortschreitenden Digitalisierung heraufbeschworen. Doch ihr Stellenwert ist ungebrochen“, erzählt Peter Schnedlitz, Vorstand des Instituts für Handel und Marketing an der WU Wien. Denn das Netz biete nur auf den ersten Blick sämtliche Information, und es sei ein „kaltes“ Medium, betont der Experte. Nur wer genau wisse, was er wolle, der sei im Web gut aufgehoben. „Aber wenn es darum geht, sich erst entscheiden zu müssen, ist der persönliche Kontakt durch nichts zu ersetzen. Menschen wollen von Menschen kaufen, sie wollen das Produkt in natura sehen und es mit allen Sinnen begreifen – es müssen Emotionen ausgelöst werden, die den letzten Kaufimpuls setzen. Und das kann eine Onlineplattform in der Regel nicht.“ 


Reale Begegnungsstätten statt digitaler Welten


Das sei der Grund dafür, dass der Faktor „persönliche Kommunikation“ gerade in der immer stärker digitalisierten Welt an strategischer Bedeutung für den Verkauf gewonnen habe, unterstreicht Schnedlitz. Und das wird wohl nirgends deutlicher als auf jenen internationalen Fachmessen, die doch prädestiniert dafür wären, komplett online stattzufinden. Wie anders ist es sonst zu erklären, dass sich etwa am World Mobile Congress in Barcelona jedes Jahr mehr als 100.000 Telekommunikationsexperten zum realen (!) Austausch mit 2.200 Händlern treffen oder die CES (Consumer Electronics Show) über 150.000 Elektro- und Digitalprofis persönlich in die Wüste Nevadas nach Las Vegas lockt.

Die Messe ist also nach wie vor wichtige reale Begegnungsstätte – gerade in der Ära der „kalten“ Screens. Ein Punkt, den auch Philipp Gady unterstreicht (s. auch Statements links): „Im Zeitalter von Social-Media-Communication scheint eine Messe ja wirklich Schnee von gestern zu sein. Aber in ihrer kommunikativen Wirkung ist sie bis heute als Marketinginstrument unerreicht.“ Er muss es wissen, schließlich treffen sich 30.000 Menschen auf den Gady-Märkten zur analogen Kommunikation. Das sei „social communication at it’s best“, erzählt Gady. Natürlich freue man sich auch über tatsächlich getätigte Käufe – Autos und Landmaschinen im guten zweistelligen Bereich –, „doch der wahre Gewinn ist der unbeschreibbare kommunikative Wert“.

Nicht zu unterschätzen ist auch die regionale Partizipation am Erfolg eines Gady-Marktes: Über 100 Aussteller und Schausteller sind bei dieser Hausmesse mit Volksfestcharakter mit an Bord. Ein ähnlich buntes Treiben und ordentlich Umsatz auch vor den Ticket-Kassen erwartet auch Messe-Congress-Graz-Chef Armin Egger, nicht nur bei der kommenden Grazer Frühjahrsmesse (s. dazu auch Story 28). Denn Veranstaltungen dieser Art sind nicht nur für die Aussteller selbst wichtig – hier reiben sich auch viele extern vom Messerummel Begünstige die Hände – ob Taxi, Hotel oder Gastronomiebetrieb, die jährlich 1,2 Millionen MCG-Besucher lassen ihre Euros ja nicht ausschließlich am Messegelände klimpern. So sei ein Viertel der Nächtigungen in der Landeshauptstadt auf die Messe Congress Graz zurückzuführen, erzählt Egger: „Die MCG bewirkt 110 Millionen Euro an Wertschöpfung. Das sichert alleine in der Stadt Graz 400 Jobs. Rechnet man die Messe-Aussteller und deren Mitarbeiter hinzu, sind es sogar 2.000 Jobs.“ 

Zitate:

Armin Egger: "Es ist die große Mär, dass Fachmessen besser laufen als Publikumsmessen. Die großen Publikumsmessen bringen noch immer sehr viel Geld – im Schnitt gibt jeder Besucher der Messe Congress Graz 132 Euro zusätzlich zum Kartenkauf innerhalb und außerhalb des Geländes aus."

Philipp Gady: "30.000 Menschen kommen zum Gady-Markt. Davon profitiert die gesamte Region. Kulinarik, Winzer oder Handwerk – über 100 Aussteller samt Schausteller beleben dieses Event. Nicht zu vergessen ist der kommunikative Aspekt – auch im digitalen Zeitalter ist das persönliche Gespräch durch nichts zu ersetzen."

Peter Schnedlitz: "Totgesagte leben länger: Schon in den 90ern wurden Messen hinterfragt, doch ihr Stellenwert ist ungebrochen."


Von Veronika Pranger

Das könnte Sie auch interessieren

  • Steiermark
Newsportal Wie sich junge Flüchtlinge eine Zukunft aufbauen

Wie sich junge Flüchtlinge eine Zukunft aufbauen

Vor gut einem Jahr wurde die Balkanroute geschlossen. Seither hat sich bei der Integration viel getan. Ein bundesweites Pilotprojekt soll jetzt junge Flüchtlinge für Bauberufe vorbereiten. Ein Lokalaugenschein in Niklasdorf. mehr

  • Steiermark
Newsportal Kultwirt muss wegen Raucher in den Knast

Kultwirt muss wegen Raucher in den Knast

Das Schiwago in Dobl ist Kult, nicht nur weil dort Falco ein und aus gegangen ist. Nun steht das Lokal aber vor dem Aus. mehr

  • Steiermark
Newsportal Grenzen für die  Dumping- Konkurrenz

Grenzen für die Dumping- Konkurrenz

Steuerbetrug: 80 Prozent der von der Finanzpolizei geprüften Grenzgänger stehen unter Dumpingverdacht. Wir waren bei der „Aktion scharf“ dabei. mehr