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Warum auch Chefs eine Gewerkschaft brauchen

Traditionell bittet die „Steirische Wirtschaft“ die Spitzen der im Wirtschaftsparlament vertretenen Fraktionen zum Sommergespräch. Diesmal haben wir Karlheinz Winkler vom Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband getroffen.

Karlheinz Winkler setzt sich für eine Reform der Sozialversicherungen ein.
© Fischer Karlheinz Winkler setzt sich für eine Reform der Sozialversicherungen ein.

Sämtliche Konjunkturpfeile zeigen zurzeit nach oben. Trotzdem ist die Notwendigkeit wirtschaftlichen Wachstums nicht unumstritten. Wie steht der SWV dazu?  

Karlheinz Winkler: Wachstum ist enorm wichtig für unsere Wirtschaft. Jedes Unternehmen braucht das. Ich habe allerdings das Gefühl, dass dieser Zuwachs derzeit bei vielen EPU und Kleinstunternehmen noch nicht angekommen ist. Hier wird viel schöngeredet. 

Wie kann man hier zu mehr Wachstum kommen? 

Winkler: Durch steuerliche Erleichterungen, etwa in Form einer Anhebung der Einkommensteuer-Freigrenze. Dann wären gerade die kleinsten Unternehmer gewisse Sorgen los. Viele Selbständige können nämlich kaum von dem leben, was sie erwirtschaften.

Vom Arbeitslosengeld dagegen scheinen sehr viele gut leben zu können – so zumindest lautet ein Erklärungsversuch für den Rekord an offenen Stellen, wo doch gleichzeitig so viele auf Jobsuche sind. Woran liegt das? 

Winkler: Natürlich kann man bei den Zumutbarkeitsbestimmungen das eine oder andere nachjustieren. Das Hauptproblem sehe ich aber bei der Bildung, denn es gibt nur wenige, die sich nicht vermitteln lassen wollen. Die Unternehmen haben Probleme, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Ganz schlimm ist es bei der Lehrlingssuche, wo  Schulabgänger oftmals derart viele Defizite aufweisen, dass man mit ihnen nichts anfangen kann.

Wie könnte man die Jugendlichen besser auf das Leben nach der Schule vorbereiten? 

Winkler: Das Schulsystem muss grundlegend reformiert werden. Da wird vieles gelehrt, was nicht mehr zeitgemäß ist, anderes dagegen kommt zu kurz. Ich bin aus diesem Grund auch für eine Ganztagsschule, weil es den Jugendlichen einfach Druck abnehmen würde.  

Sprechen wir über die Sozialpartnerschaft. Diese stand in jüngster Vergangenheit ja mehrfach in der Kritik. Ist sie heute noch zeitgemäß? 

Winkler: Die Sozialpartnerschaft ist der Garant für die soziale Stabilität und darum besonders wichtig. Auch wenn es manchmal – wie zuletzt mit der Arbeitszeitflexibilisierung, die ich befürworte –, zumindest bis jetzt zu keiner Einigung kam.

Die Regierung hat ja angekündigt, dies notfalls per Gesetz zu regeln. Eine gute Idee? 

Winkler: Ich finde, es sollte eine Sache der Sozialpartner bleiben. Ich bin auch zuversichtlich, dass es hier eine Lösung geben wird. Denn amerikanische Verhältnisse, wo selbst Regierungsbeamte nur noch Tagelöhner sind, will niemand. 

Welche unternehmerischen Themen sollte die neue Bundesregierung nach der Wahl im Herbst zuerst anpacken? 

Winkler: Ein wichtiger Punkt ist für uns die soziale Absicherung von Unternehmern. Sie brauchen eine Entschädigung im Krankheitsfall – und zwar nicht ab dem 43. Tag, sondern schon ab dem vierten. Auch die Tagsätze sollten erhöht werden. Darüber hinaus setzen wir uns für ein breiteres Förderwesen ein, dass nicht nur Start-ups unterstützt, sondern jede Unternehmensgründung mit einem guten Businessplan. Wichtig ist mir aber auch die Einführung eines Bildungsschecks für Lehrherren, wenn sie Jugendliche mit Nachholbedarf aufnehmen. Da braucht es einfach mehr Unterstützung vom Staat. Und das wahrscheinlich wichtigste Thema wird aus meiner Sicht die Schließung von Steuerschlupflöchern sein. Es kann nicht sein, dass ein Konzern wie Starbucks in Österreich weniger Steuern bezahlt als ein Würstelstand ...  

Eine Forderung, die eins zu eins auch von Arbeiterkammer oder Gewerkschaft kommen könnte. Sehen Sie sich ein bisschen als solche? 

Winkler: Ja, wir haben sogar ein Schild im Hof, wo „Gewerkschaft der Selbstständigen“ draufsteht. Als solche ist es mir wichtig, sich auch für die Gesundheit der Kleinstunternehmer einzusetzen. Diese können sich oft nicht einmal eine Vorsorge leisten, da bietet die SVA aus meiner Sicht viel zu wenig an.  Viele Kleinstunternehmer kommen durch Krankheit erst ins Trudeln.

Das Thema SVA wird generell heiß diskutiert. Sehen Sie hier Reformbedarf?

Winkler: Das beschränkt sich nicht auf die SVA, das gesamte Sozialversicherungssystem gehört reformiert. Man muss nicht alles zu einer Sozialversicherung zusammenfassen, aber mehr als drei sollten es nicht sein. Mit weniger Versicherungen könnte mehr Geld für Leistungen frei werden. ■

Interview: M. Lugger/M. Neumayr

Zur Person: Karlheinz Winkler (52) ist seit 1992 Taxiunternehmer und seit 1993 im Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband (SWV) tätig. Der gelernte Elektriker ist selbst Kleinunternehmer und betreibt ein Taxifahrzeug und einen Mietwagen. Außerdem ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Taxi-Genossenschaft 2801 und Obmann-Stellvertreter in der Sparte Verkehr. Der SWV stellt derzeit sieben Abgeordnete im steirischen Wirtschaftsparlament. 



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