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Vor dem nächsten Restart

Ab 7. Dezember dürfen Schulen, Einzelhandel und körpernahe Dienstleister wieder öffnen. Wir haben die Unternehmer im Land gefragt, wie sie sich auf's Wiederaufsperren vorbereiten.

Am 7. Dezember wird der Handel in Österreich wieder hochgefahren.
© AdobeStock/Kadmy Am 7. Dezember wird der Handel in Österreich wieder hochgefahren.

Startschuss für Handel und körpernahe Dienstleister: Am 7. Dezember werden die Maßnahmen für ein paar wenige Branchen wieder gelockert. Für die Gastronomie, Hotellerie, Fitnessstudios und Co. heißt es dagegen aber noch länger warten, und zwar bis mindestens 6. Jänner 2021.

Doch wie lange ist diese Situation für die steirischen Unternehmen noch tragbar? Was erwarten sich Wirtschaftstreibende nun von der Bundespolitik? Und wie schätzen Mediziner die aktuelle Lage ein? Wir haben quer durch alle Branchen nachgefragt, welche Konsequenzen die neuen Maßnahmen mit sich bringen, und ein aktuelles Stimmungsbild eingefangen:

"Wir wissen nur, dass wir nichts wissen"

Eigentlich wäre im Thermenresort Loipersdorf gerade Hochsaison. Doch von ausgebuchten Zimmern und gut gefüllten Becken darf aktuell nur geträumt werden. „Gerade die Vorweihnachtszeit ist besonders wichtig für uns. Wir planen immerhin seit Beginn des Jahres für die großen Weihnachts- und Silvesterveranstaltungen, die heuer buchstäblich ins Wasser fallen werden“, so Geschäftsführer Philip Borckenstein-Quirini. „Was wir jetzt brauchen, ist Planungssicherheit. Doch stattdessen wissen wir nur, dass wir nichts wissen. Das ist die einzige Konstante seit Wochen“, so Borckenstein-Quirini.

  Auch die Tatsache, dass Thermen bei der Senkung der Mehrwertsteuer nicht berücksichtigt wurden, sorgt für Unmut in der Branche: „Thermen beherbergen   über das ganze Jahr verteilt rund zehn Millionen Gäste, trotzdem wird der saisonale Tourismus zum Teil bevorzugt behandelt.“ Ebenfalls besorgt zeigt sich Borckenstein-Quirini über das psychische Wohl seiner Mitarbeiter: „Diese Ungewissheit und die fehlende Arbeit machen den Leuten zu schaffen.“ 

"Wir können leider nur abwarten"

Kein Gastrobetrieb, keine Hotelgäste und auch keine Kunden im Geschäft – die Aiola-Geschäftsführer Judith und Gerald Schwarz traf der zweite Lockdown gleich dreifach hart. „Es ist natürlich sehr herausfordernd für uns, dass die Maßnahmen für die Gastronomie und Hotellerie frühestens ab 7. Jänner gelockert werden. Wir können jetzt nur abwarten und hoffen“, so Judith Schwarz. Derzeit befinden sich alle Mitarbeiter der Aiola-Family in Kurzarbeit – ein Ende ist vorerst nicht in Sicht. „Wir wollen einen Abbau aber unter allen Umständen vermeiden. Schließlich wird es auch eine Zeit nach Corona geben“, so Schwarz. Um die Zeit bis dorthin effektiv zu nutzen, werden aktuell Renovierungsarbeiten vorgenommen und Kooperationen mit Lieferservices in Betracht gezogen. „Allerdings nur, wenn die Qualität der Speisen nicht darunter leidet“, so Schwarz. 

Normalität noch lange nicht in Sicht

Langsam wird das Land wieder hochgefahren – für die einen zu früh, für die anderen zu spät. Doch wie sieht die aktuelle Situation aus der Sicht eines Mediziners aus? „Es muss wenigstens das Niveau des Monats Juli 2020 erreicht werden, bevor über eine weitere Lockerung der Maßnahmen nachgedacht wird. Würde man das Land jetzt frühzeitig wieder komplett hochfahren, wären die Auswirkungen katastrophal – eine monatelange Krankheitsphase, ein monatelanger Lockdown und damit schwere Folgen für die Gesellschaft sowohl in wirtschaftlicher als auch sozialer Hinsicht“, so KAGes-Vorstandschef Karlheinz Tscheliessnigg. Auch eine Rückkehr zur Normalität im Sommer 2021 schließt der Mediziner vorerst aus: „Wir werden noch darüber hinaus Masken tragen müssen, Abstand halten und Massenansammlungen vermeiden. Selbst wenn die Durchimpfung beginnt, wird es auch weiterhin Selbstdisziplin, Einschränkung und Hausverstand benötigen.“

Ein Viertel der Mitglieder sind weg

Auch die Fitnessbranche zählt zu den Leidtragenden der Corona-Maßnahmen: Rund 25 Prozent der Bestandsmitglieder lösten 2020 ihre Fitness-Abos auf – bedingt durch die Angst vor dem Coronavirus. „Wenn der Lockdown im Jänner – wo Fitnessstudios gewöhnlich rund 15 Prozent des Neukundengewinns verzeichnen – fortgeführt wird, werden viele Studios nicht überleben können“, ist Martin Wirth, Branchensprecher und Betreiber der Best-Fitness-Clubs, überzeugt. Dabei sei Sport und Bewegung eine sinnvolle Methode, um Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht vorzubeugen. „Es ist erwiesen, dass Personen mit Übergewicht einen schwereren Krankheitsverlauf bei Covid-19 haben. Wir leben in einer Gesundheitskrise. Gerade jetzt müssten Fitness-Trainings eigentlich unterstützt und gefördert werden“, so Wirth. Gefordert wird auch eine Reduktion der Mehrwertsteuer von 20 auf  fünf bis zehn Prozent. 

"Wir brauchen bessere Planbarkeit"

„Dass die Gastronomie nicht gleichzeitig mit dem Handel am 7. Dezember öffnen wird, war abzusehen“, so Martina Muster, die zusammen mit ihrem Mann Andreas das Ratscher Landhaus führt. Die aktuelle Sehnsucht nach Freiheit sei bei allen sehr groß, weshalb die Unternehmerin befürchtet, dass die Infektionszahlen bald wieder in die Höhe schnellen werden. „Wenn man aber die Regeln befolgt, kann man auch mit Corona gut leben und arbeiten. Die wenigen Ansteckungen in der Gastronomie haben genau das gezeigt“, ist Muster überzeugt. Was jetzt zähle, seien weitere finanzielle Unterstützungen und vor allem Planbarkeit. „Gute Gastronomie und Hotellerie kann nicht binnen weniger Tage von null auf 100 hochgefahren werden. Gastronomie ist viel mehr als nur ein Bierfass an die Leitung hängen – wir verkaufen ein Gefühl und nicht nur Speisen und Getränke“, so Muster. 

Die steirischen Friseure sind in den Startlöchern

Friseurin Eva Riegler und ihr vierköpfiges Team sind bereit für den Neustart – natürlich unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. „Eine längere Zwangspause, etwa bis nach Weihnachten, wäre dramatisch für uns gewesen“, so Riegler, die einen Friseursalon in Zeltweg betreibt. „Wir müssen ohnehin froh sein, wenn wir mit einem blauen Auge davonkommen, denn das gesamte Jahr war für uns eine Nullnummer.“  Es gab kaum Veranstaltungen und keine Bälle, die besonders im ländlichen Raum ein wichtige Umsatzbringer sind. Riegler hofft auf die Zeit nach Ostern, wenn es hoffentlich wieder Erstkommunionen, Firmungen und Hochzeiten gibt. 

"Die Förderungen helfen, wenn sie schnell und unbürokratisch sind"

Trotz der nach wie vor hohen Zahl an Infizierten sieht Center-West-Manager Martin Wittigayer für den heurigen Weihnachtshandel grünes Licht: „Die Leute haben sich bereits an die Hygienemaßnahmen gewöhnt und fühlen sich dank der getroffenen Vorkehrungen sicher bei ihrem Einkauf.“ Obwohl mit 7. Dezember eine Lockerung für den Handel ausgesprochen wurde, rechnet der Unternehmer bereits mit erneuten Verschärfungen nach den Weihnachtsfeiertagen. „Erst wenn der Großteil der Bevölkerung durchgeimpft ist, können wir wieder von Normalität sprechen“, so Wittigayer. Um darauf bestmöglich vorbereitet zu sein, wünscht sich Wittigayer eine längere Vorlaufzeit in der Planung: „Die aktuellen Förderungen helfen vielen – allerdings nur, wenn sie schnell und unbürokratisch gewährt werden.“ 

Planai setzt auf vielfältiges Angebot trotz Einschränkungen

„Wir verfolgen eine normale Beschneiungsstrategie und setzen darauf, die Seilbahnen, die derzeit Profisportlern vorbehalten sind, auch für die Allgemeinheit ehestmöglich zu öffnen“, sagt Georg Bliem, Geschäftsführer der Planai-Hochwurzen-Bahnen. „Wir bieten ein Angebot im Bereich Skifahren, Wandern und Rodeln.“ Die Planai habe sich in den letzten zehn Jahren sehr gut entwickelt, und dass diese Saison Verluste bringen werde, sei klar. Bliem rechnet mit einer Entspannung ab Ende Jänner – durch Tests und die Corona-Impfung. „Im Vergleich zu anderen Skigebieten haben wir in der Region Schladming den Vorteil, dass immerhin 35 Prozent unserer Besucher nicht aus dem Ausland kommen. Außerdem haben wir mit dem Sommertourismus ein zweites wichtiges Standbein.“

Große Enttäuschung über die späte Öffnung der Hotellerie 

„Wir haben nicht damit gerechnet, dass unser gesamtes Weihnachtsgeschäft ausfallen wird“, ist Alfred Pierer, Geschäftsführer des gleichnamigen Almwellness-Hotels auf der Teichalm, enttäuscht. „So etwas hat es in der gesamten Geschichte unseres Hotels noch nicht gegeben.“ Das Weihnachtsgeschäft mache rund 50 Prozent des Winterumsatzes aus und es gelte nun abzuklären, wie es mit der von der Bundesregierung versprochenen Unterstützung aussieht. Grundsätzlich sei das Hotel aber gut aufgestellt, in den letzten Jahren wurde in Großzügigkeit und Fläche investiert. „Und wir bieten genau das, was die Leute jetzt haben wollen – die Natur vor der Haustür“, so Pierer.

Die Kunden sollen die Hoffnung und das wertvolle Handeln spüren

Zuversichtlich blickt Florian Hubmann, Geschäftsführer des Kaufhauses Hubmann in Stainz und Eibiswald, der Wiederöffnung entgegen: „Ich bin froh, dass wir wieder aufsperren können und vor allem mittelständische Einzelunternehmen die Maßnahmen gut eingehalten haben.“ Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern will der Unternehmer das Positive aus der Krise mitnehmen, Hoffnung verbreiten sowie für die Kunden wertvoll handeln. In das neue Jahr will Hubmann mit Vertrauen und Miteinander starten. Der Lockdown hat das Team zusammengeschweißt und gestärkt und so werden die Herausforderungen im Sinne der Kunden angenommen.

Das Leben soll schrittweise in die Normalität zurückfinden

Manuel Essl, Modedesigner und Geschäftsführer von Manuel Essl Design in Graz, ist sehr dankbar darüber, dass seine Kunden ihm auch während beider Lockdowns treu geblieben und auf den Online-Shop umgestiegen sind, auch wenn die Schließung des stationären Handels zu Einbußen geführt hat. Die Wiedereröffnung wünscht sich der Designer schrittweise und langsam, damit der Handel nicht überlaufen wird.  Für das neue Jahr erhofft sich Essl, dass es nicht zu einem erneuten Lockdown im Handel kommt und das Leben nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für die Gesellschaft wieder zur Normalität zurückkehrt. 


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