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Viele marschieren wieder gegen Erdogan

Ein Jahr nach dem Putschversuch sitzt der türkische Präsident weniger fest im Sattel wie er dachte, sagt der Wirtschaftsdelegierten Georg Karabaczek im Gespräch.

Istanbul war das Zentrum des türkischen Putschversuches vor einem Jahr.
© Givaga - stock.adobe.com Istanbul war das Zentrum des türkischen Putschversuches vor einem Jahr.

Der Putschversuch in der Türkei ist ein Jahr her und seitdem hat es auch viele Verwerfungen mit Österreich gegeben. Wie hat sich das Land verändert? 

Georg Karabaczek: Politisch hat sich natürlich sehr viel verändert. So wurde etwa die Verfassung geändert, obwohl die meisten Änderungen erst 2019 in Kraft treten. Wirtschaftlich sind wir erstaunt gewesen, dass im vergangenen Jahr die Wirtschaft trotzdem um drei Prozent gewachsen ist. Die Prognose für 2017 ist mit 4,5 Prozent sogar noch höher. Man geht davon aus, dass sich die Lage nach dem Verfassungs-Referendum nun normalisiert und die Wirtschaft wieder Vertrauen schöpft. Ausschlaggebend für das unerwartete Wachstum sind die erhöhten Ausgaben der öffentlichen Hand.

Der türkischen Tourismus scheint am Boden zu liegen...   

Karabaczek: Der Tourismus ist ein wichtiger Teil der Wirtschaft, aber er ist nicht so dominierend wie viele glauben. Betroffen sind vor allem die Küsten im Süden und im Westen, aber auch Istanbul als Kongressstandort. Im Gegensatz boomen jedoch die Automobilindustrie und andere exportorientierte Branchen. Entscheidend für das Wirtschaftswachstum sind aber der Inlandskonsum und die Staatsausgaben. Letztere steigen zur Zeit an, wohl auch eine Vorbereitung auf den Wahlkampf in zwei Jahren.

Könnte die Erholung durch so ein Konjunkturprogramm ein Strohfeuer sein? 

Karabaczek: Die Ratingagenturen stufen die Türkei immer noch als Ramsch ein. Grundsätzlich hat die Türkei aber mit einem Defizit von rund einem Prozent ein relativ solides Budget. Das Konjunkturprogramm kann aber sicher nicht über Jahre gespielt werden.

Was wären nun die wichtigsten Reform-Schritte? 

Karabaczek: Neben der Bildungsreform bräuchte es dringend mehr Anreize für Exporte um das Leistungsbilanzdefizit zu verringern. 

Zuletzt gingen wieder tausende Oppositions-Anhänger beim Friedensmarsch auf die Straße. Könnte das Erdogan noch gefährlich werden? 

Karabaczek: Das Ergebnis des Verfassungs-Referendums war so knapp, dass es auch ein Denkzettel für Erdogan war. Er sitzt daher nicht so fest im Sattel wie er dachte. Und deshalb wird er auch weiter gegen die Opposition vorgehen. Da war der Friedensmarsch schon ein starkes Zeichen. 

Politisch isoliert sich die Türkei aber. Könnte sich das auf die Wirtschaft auswirken? 

Karabaczek: Das kann sich natürlich auswirken. Die Vertiefung der Zollunion ist für die Türkei ein wichtiger Punkt. Die Distanzierung zu Europa ist auch schlecht, weil die Türkei noch keine Alternativmärkte hat. Zwar versucht man neue Märkte in Asien und in Afrika zu erschließen. Diese Märkte können aber den europäischen Markt nicht ersetzen. 

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