th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin google-plus facebook whatsapp arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home
news.wko.at

Viel Armut trotz großem (Öl-)Reichtum

Viele afrikanische Flüchtlinge kommen aus Nigeria. Wir haben mit der Wirtschaftsdelegierten Nella Hengstler darüber und über die Chancen im Land gesprochen. 

Der Ölboom hat Nigeria nicht viel Wohlstand beschert.
© stock.adobe.com/Jan Der Ölboom hat Nigeria nicht viel Wohlstand beschert.

Im österreichischen Wahlkampf war ja immer wieder davon die Rede, Fluchtursachen in Afrika zu bekämpfen. Geht es Ländern wie Nigeria wirklich so schlecht? 

Nella Hengstler: Das muss man aus verschiedenen Richtungen betrachten. Zum einen gibt es auch in Nigeria Flüchtlinge, die vor Krieg flüchten, denn im Norden des Landes ist die Boko Haram aktiv. Der Großteil sind aber Wirtschaftsflüchtlinge, die kaum in Österreich anerkannt werden. Kulturell betrachtet kommt hinzu, dass Nigeria­ner sehr unternehmerisch geprägt und immer auf neue Chancen aus sind, und das ist eigentlich eine gute Eigenschaft. Der Wohlstand ist aber ungleich verteilt. Während die Menschen in den Flüchtlingscamps im Norden durchaus Hunger leiden, kennt man das im Süden nicht. Jedoch ist Armut relativ, auch im Süden mangelt es hinten und vorne an Infrastruktur, und das, obwohl Nigeria ein großer Erdölproduzent ist.

Wie geht es der nigerianischen Wirtschaft derzeit? 

Hengstler: Die Wirtschaft stabilisiert sich nach fünf Quartalen Rezession wieder. Zuletzt hatten wir sogar wieder leichtes Wachstum. Das liegt auch daran, dass der Ölpreis wieder leicht gestiegen ist. Das niedrige Preisniveau hat dem Land sehr zugesetzt. Jedoch musste man sich jetzt endlich überlegen, wie man die Wirtschaft diversifizieren kann. 

Was wird im Land unternommen, um das zu schaffen? 

Hengstler: Das ist derzeit mehr Theorie als Praxis. Es gibt Kredite für kleinere und mittlere Betriebe, aber der bürokratische Aufwand ist enorm. Die Politik verspricht, Straßen und das Elektrizitätsnetz zu bauen, aber viel ist noch nicht passiert. Das Umdenken fängt vielmehr bei den Unternehmen selbst an, die nun versuchen, lokale Lieferketten aufzubauen. 

Das heißt, Nigeria wäre inzwischen auch als Produktions­standort attraktiv? 

Hengstler: Es gibt zwar unglaublich viele junge und arbeitswillige Leute, dieses Potenzial wäre also gegeben. Das große Hindernis ist aber die fehlende Elektrizität. Wenn den ganzen Tag der Generator laufen muss, dann ist man nirgends wettbewerbsfähig. 

Und wie steht es mit der Rechtssicherheit und Korruption im Land?

Hengstler: Es gibt ein an das britische Recht angelegtes System, das jedoch langsam und korrupt ist. Bevor man vor Gericht landet, schreiben viele den Posten lieber ab. Es zahlt sich einfach nicht aus, für 20.000 Dollar zwanzig Jahre zu prozessieren. Korruption existiert außerdem auf allen Ebenen. Hier verschwimmt oft die Trennlinie zwischen Trinkgeld und Bestechung. Die neue Regierung hat aber versprochen, die Korruption ernsthaft zu bekämpfen. 

Welche Chancen gibt es für österreichische Unternehmen im Land? 

Hengstler: Österreichische Unternehmen sind vor allem bei Maschinen für die Industrie und die Bauwirtschaft erfolgreich. Wenn man sich in Nigeria engagiert, muss man aber in Lagos anfangen. Die Frage ist nur, ob man den Aufwand betreiben will, um erfolgreich ein Geschäft abschließen zu können. Hier braucht es nämlich sehr viel Geduld und einen guten Partner, doch die Margen sind hierzulande in vielen Bereichen sehr hoch.  

Das könnte Sie auch interessieren

  • International
Newsportal Das Steirerherz auf Business-Mission im Reich der Mitte

Das Steirerherz auf Business-Mission im Reich der Mitte

Eine hochkarätige Delegation mit Vertretern der steirischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ebnete in China den Weg für neue Kooperationen. Besonders im Bereich Bildung und Forschung geht man neue Wege.  mehr

  • International
Newsportal In der Sandkiste mit Donald Trump

In der Sandkiste mit Donald Trump

Hat Donald Trump die Spielregeln für Medien und Wirtschaft verändert? In der WKO Steiermark diskutierten dazu namhafte Experten, allen voran Gerhard Zeiler – Turner-International-Präsident und damit Boss von CNN. mehr

  • International
Newsportal Frauen an der Macht

Frauen an der Macht

Auch auf dem internationalen Parkett sind mächtige Frauen eher die Ausnahme. Grund dafür ist ein kultureller Teufelskreis, denn es fehlt an Vorbildern.  mehr