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Vereinigtes Königreich: Droht eine wirtschaftliche Talfahrt?

Aktuell stellt das Coronavirus im Vereinigten Königreich alles in den Schatten – auch den Brexit. Wir haben mit dem Wirtschaftsdelegierten Christian Kesberg darüber gesprochen.

Brexit - Landkarte mit Schachfiguren
© tanaonte, adobestock Dass kein Freihandelsabkommen zwischen UK und der EU zustande kommt, kann nicht ausgeschlossen werden.

Das Vereinigte Königreich wurde vom Coronavirus besonders hart getroffen. Wie haben Sie die Situation vor Ort erlebt?

Kesberg: Corona ist hier nach wie vor das beherrschende Thema, während sich andere Länder wieder einer gewissen Normalität annähern. Für mich war es sehr unangenehm zu beobachten, wie unterschiedlich die Briten mit der Pandemie umgegangen sind, etwa im Vergleich zu Österreich. Spekulationen über ein Erreichen der Herdenimmunität und dergleichen haben dazu geführt, dass das Steuer zu spät in die richtige Richtung gelegt wurde. Zudem traf das Virus auf ein politisch zerissenenes Land, was zu einer enormen Verunsicherung der Bevölkerung beigetragen hat.

Mit etwa 60.000 zusätzlichen Todesfällen ist Großbritannien bei der traurigen Statistik auch global gesehen ganz vorne mit dabei. Wie lässt sich das erklären?

Kesberg: Ein über zehn Jahre hinweg kaputtgespartes Gesundheitssystem, die sehr hohe Bevölkerungsdichte – England  ist viereinhalb Mal so dicht besiedelt wie Österreich –, ein starkes soziales Ungleichgewicht und massive politische Versäumnisse in der Erstphase haben zur höchsten Todesrate in Europa beigetragen. Verglichen mit Österreich ist die Übersterblichkeit  in Großbritannien acht Mal höher.  Die Folge: lange andauernde drakonische Betriebsschließungen und Zwangsmaßnahmen. Ein wirtschaftlicher Stillstand, der das Land in eine historische Wirtschaftskrise manövrierte.

In sechs Monaten soll der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU de facto vollzogen werden. Wie ist der Stand der Verhandlungen?

Kesberg: Sie sind an einem toten Punkt angelangt, aktuell ist keiner der beiden Parteien bereit, sich zu bewegen. Grundsätzlich ist das gemeinsame Ziel ein Freihandelsabkommen, das zumindest den Warenfluss ohne Zölle und Quoten ermöglichen soll. Die Briten streben einen Marktzugang ohne damit verbundene Verpflichtungen an. Die  EU möchte aber verhindern, dass Großbritannien EU-Standards, etwa bei Sozialstandards oder im Umweltschutz, unterbietet.

Wie geht es derzeit der Wirtschaft im Land?

Kesberg: Im ersten Halbjahr 2020 schrumpfte das BIP um zwei Prozent, für das zweite Quartal wird ein Minus zwischen 14 und 20 Prozent erwartet. Eine weitere Talfahrt ist nicht ausgeschlossen, etwa durch eine zweite Pandemie-Welle oder einen nach wie vor möglichen, ungeregelten Abgang aus der EU mit nicht unerheblichen volkswirtschaftlichen Kosten. Musste man diese vor Corona politisch fürchten, so werden sie nun wohl im Kielwasser der Pandemie unsichtbar versinken.

Wie steht es um die österreichisch-britischen Wirtschaftsbeziehungen?

Kesberg: UK ist Österreichs neuntwichtigstes Exportland und an fünfter Stelle bei Dienstleistungsexporten. Es gibt rund 250 österreichische Niederlassungen, in denen rund 52.000 Menschen beschäftigt sind. Zudem liefern etwa 500 österreichische Firmen regelmäßig ins Vereinigte Königreich. Es ist derzeit unmöglich, die weitere Entwicklung abzuschätzen.

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