th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin google-plus facebook whatsapp arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home
news.wko.at

"Unsere Krise bei den Fachkräften ist eigentlich eine Bildungskrise"

Teil drei der Sommergespräche mit den Spitzen der im Wirtschaftsparlament vertretenen Fraktionen. Dieses Mal spricht Andrea Kern von der Grünen Wirtschaft über den Fachkräftemangel als Bildungskrise und warum „Steuerzuckerl“ auf ihre Lenkungswirkung zu hinterfragen sind.

Andrea Kern ist Landessprecherin der Grünen Wirtschaft
© Foto Fischer Andrea Kern ist Landessprecherin der "Grünen Wirtschaft"

Frau Kern, das Thema Fachkräftemangel treibt den heimischen Unternehmern die Sorgenfalten auf die Stirn. Wo sieht die Grüne Wirtschaft hier die wichtigsten Hebel, an denen angesetzt werden muss? 
Andrea Kern: Da gibt es einige. Auf der einen Seite herrscht ein  eklatanter Fachkräftemangel vor, gleichzeitig haben wir aber auch hohe Arbeitslosenzahlen. Und dieser Widerspruch verweist auf das eigentliche Problem dahinter: nämlich die mangelnde Qualifizierung. Ein Großteil der Arbeitsuchenden hat Ausbildungen, die nicht mehr mit den Anforderungen der Wirtschaft konform gehen. Unterm Strich hat man hier viel zu spät auf Entwicklungen im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich oder auch auf die Digitalisierung reagiert. So gesehen ist die Fachkräftekrise eigentlich eine selbst verursachte Bildungskrise.

Was ist hier also die Lösung?
Kern: Wir müssen die Bildungsinhalte dringend ins 21. Jahrhundert transferieren – und damit meine ich nicht nur die vielzitierten MINT-Fächer, sondern auch den Bereich Sprachen sowie generell wirtschaftliches Wissen. Denn das, was in den 80ern und 90ern gelehrt wurde, ist heute in der Wirtschaft vielfach veraltet. Kurzfristig müsste man aber auch die vorhandenen Erwerbspotenziale weitaus besser nützen, als es bislang der Fall ist.

Wo konkret wird das Potenzial zu wenig genützt?
Kern: Es gibt viele gut Qualifizierte, die auch arbeiten wollen, die aber keine Beschäftigung finden, weil sie ein zu hohes Alter mitbringen. Hier braucht es Anreize für Betriebe, ältere Mitarbeiter anzustellen – da sind die Lohnnebenkosten sicher das große Thema. Großes Potenzial ist aber auch bei den vielen Frauen in Teilzeit vorhanden, die mehr arbeiten möchten, wo das aber aufgrund mangelnder Kinderbetreuung scheitert. Und nicht zuletzt ist auch das Thema Migration hier einzuordnen, denn wir brauchen schon alleine aufgrund der Demografie den Zuzug. Die „3 plus 2“-Regelung, die Asylwerbern erlauben würde, eine Lehre speziell in Mangelberufen zu absolvieren und auch danach noch zwei Jahre für den Betrieb tätig zu sein, halte ich im Ansatz für eine gute Sache.

Nur im Ansatz?
Kern: Ja, weil nicht sicher ist, ob der Migrant, in den die Unternehmen Zeit und Geld investiert haben, um ihn zu einer wichtigen Fachkraft auszubilden und der damit auch gut in die Gesellschaft integriert wurde, dann auch wirklich bleiben kann.

Bleiben wir beim Thema Arbeit: Wie bewerten Sie die neue Arbeitszeitflexibilisierung, die mit 1. September in Kraft treten wird?
Kern: Ehrlich gesagt kritisch. Als Grüne Wirtschaft halten wir die vorhandenen Möglichkeiten zur zeitlich begrenzten flexibleren Arbeit für gut und vollkommen ausreichend. Unser genereller Diskussionsansatz geht hier in eine andere Richtiung, nämlich hin zu einer Reduzierung auf 35 Stunden, und das bei gleichem Lohn.

Stichwort Reformen: Wie beurteilen Sie die Regierungsarbeit generell?
Kern: Bei den Sozialversicherungen geht uns der Reformwille  nicht weit genug, wir hätten uns eine Versicherung für alle gewünscht. Das würde weitaus mehr Transparenz schaffen und das Bürokratiechaos bei Doppelversicherungen eliminieren. Was die angekündigte Senkung der Lohnnebenkosten betrifft, so möchte ich vor einer Beurteilung gerne alle Teile dieser Rechnung kennen. Denn die Frage, die sich mir bei allen Steuerreformen stellt, ist: „Welchen Plan verfolgt man damit?“ Steuern sind als Steuerelement des Staats ja per se nichts Schlechtes. Darum finde ich eine Senkung der Lohnnebenkosten mit dem Ziel von mehr Beschäftigung im Land auch sehr gut. Aber auf wessen Kosten? Welche Einnahmen werden im Gegenzug dafür hochgeschraubt? Was sicherlich nicht passieren darf, ist eine Aushöhlung des Sozialstaats zugunsten einer solchen Steuererleichterung.

Wo soll oder kann aus Ihrer Sicht also gespart werden?
Kern: Ich kann mir im Gegenzug eine Abgabe im Bereich der Energie vorstellen – indem etwa Konsumgüter mit extrem hohem Energieverbrauch, Flugreisen oder auch Autos teurer werden.

Gerade der Automotivebereich ist aber ein steirisches Stärkefeld mit zigtausenden Jobs. Wenn diese Unternehmen deshalb nach China oder Indien auswandern würden, was hätte man damit erreicht?
Kern: Mit einem solchen Szenario  hätte man natürlich gar nichts erreicht. Klima- und Umweltschutz sind globale Themen, die kann man nicht als einzelner Staat oder als EU alleine angehen, hier braucht es ein weltweites Commitment. Trotzdem muss man damit beginnen, und zwar jetzt und nicht in ferner Zukunft.

Wenn wir gerade von Commitment sprechen – wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit anderen Fraktionen in der Wirtschaftskammer?
Kern: Sehr freundschaftlich und unsere Ideen finden – etwa im wirtschaftspolititschen Beirat – Gehör.

Wo liegen die Stärken der Grünen Wirtschaft?
Kern: Als Grüne Wirtschaft haben wir uns den Themen Energie, nachhaltiges Wirtschaften und den EPU verschrieben, wenngleich bei uns natürlich für alle Unternehmensgrößen Platz ist. Was unser Engagement speziell für Frauen in der Wirtschaft betrifft, ist es etwa die Förderlandschaft, die wir hier „abklopfen“. Ein weiteres wichtiges Thema sind hier auch Mikrokredite, die vor allem weiblichen Start-ups zugute kommen würden. Denn gerade Alleinerzieherinnen tun sich oft schwer, an die für den Unternehmensstart so wichtige finanzielle Starthilfe zu kommen.

Interview: Mario Lugger und Veronika Pranger

Das könnte Sie auch interessieren

  • Steiermark
Heiße Duelle auf der eigens eingerichteten Kart-Strecke garantieren ein Motorsport-Spektakel bei der Reiteralm.

Reiteralm wird zur Grand-Prix-Strecke

Von 27. bis 30. September rittern 700 Entscheidungsträger aus der Wirtschaft im Kart um die Bestzeit. mehr