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Der türkische Weg als Balanceakt

Die türkische Wirtschaft in der Rezession und Verluste der AKP bei den Kommunalwahlen – Wir haben die Situation mit Österreichs Wirtschaftsdelegiertem analysiert.

Istanbul
© yunus oguz - stock.adobe.com Noch ist offen, welchen Weg die Türkei in Zukunft einschlagen wird.

Mit einer jungen, gut ausgebildeten Bevölkerung und bedeutenden Wirtschaftssektoren wie Textil- und Automobilindustrie, Tourismus, chemischer Industrie, Maschinenbau und der Elektronikbranche galt die Türkei lange Zeit als Wirtschaftsmacht mit großem Potenzial. Die Probleme der letzten Jahre – Bombenanschläge, Putschversuche, die Flüchtlingskrise im Nachbarland Syrien sowie eine Reihe von politischen Spannungen mit anderen Ländern – schlugen sich allerdings negativ auf die Entwicklung nieder. „Trotz allem ist die Wirtschaft in den letzten Jahren durchschnittlich um fünf Prozent gewachsen“, berichtet Georg Karabaczek, der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Istanbul. „Die starke Abwertung der Lira im vergangenen August hat allerdings massive Turbulenzen ausgelöst.“ Der Wertverlust und die starke Volatilität hängen mit den internationalen Reaktionen auf die türkische Wirtschaftspolitik bzw. einem Vertrauensverlust internationaler Anleger zusammen. In Folge stieg die Inflation stark, sie liegt aktuell bei knapp 20 Prozent. Auch die Arbeitslosigkeit wuchs auf zwölf Prozent und das Wirtschaftswachstum brach ein.

Dass die AKP von Staatschef Recep Tayyip Erdogan bei den kürzlich abgehaltenen Gemeinderatswahlen zwar mit 44 Prozent nach wie vor die relative Mehrheit im Land hält, aber etwa in Istanbul und Ankara herbe Verluste verzeichnete, deutet auf eine zunehmende Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit der wirtschaftlichen Situation hin. Präsident Erdogan sieht dies allerdings anders – er ortet Wahlbetrug und will das Wahlergebnisse so nicht hinnehmen. Für Karabaczek ist das jüngste Wahlerergebnis aber vor allem ein „deutliches Signal an die Regierung sich um die Wirtschaftsprobleme zu kümmern“. Notwendig sind etwa strukturelle Reformen, so im Erziehungs- und  Steuerwesen sowie am Arbeits- und Kapitalmarkt. 

Die österreichisch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen sind nach wie vor sehr stabil. „Die größte Gefahr ist derzeit sicherlich ein Zahlungsausfall bei einem Partner, deshalb ist es wichtig, sich Möglichkeiten der Absicherung zu überlegen“, so Karabaczek. Er rechnet damit, dass die Wirtschaftskrise bald überwunden wird und es dann wieder zu einem Aufschwung kommt. „Das Land erlebt seit Jahrzehnten immer wieder Phasen extremer Turbulenzen. Bevölkerung und Unternehmen sind es gewohnt, in einem derartigen Umfeld zu agieren.“ Von außen betrachtet sehe die Situation oft dramatischer aus als vor Ort. Auch österreichische Unternehmen, die bereits in der Türkei aktiv sind, haben in den letzten Jahren weiter investiert. So lag Österreich im ersten Quartal 2018 mit Investitionen in der Höhe von 400 Millionen Euro sogar an erster Stelle bei ausländischen Direktinvestitionen in der Türkei. „Es könnte jetzt durchaus der richtige Zeitpunkt sein. Und durch die Abwertung der Währung ergeben sich natürlich auch Chancen, Importe aus der Türkei sind günstiger geworden“, fasst Karabaczek zusammen.

Stabile österreichisch-türkische Wirtschaftsbeziehungen 

Mit einem Volumen von rund 3,8 Millarden Euro sind die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und der Türkei stabil. Zahlreiche bedeutende heimische Player sind im Land am Bosporus engagiert. So beispielsweise der Voestalpine-Konzern, der in der Türkei über sechs Standorte mit insgesamt rund 250 Mitarbeitern verfügt und im Geschäftsjahr   2017/18 einen Umsatz von rund 174 Millionen Euro erwirtschaftete. Die wichtigsten Kundensegmente sind die Automobil-, die Bahninfrastruktur- sowie die Maschinenbau-Industrie.

Seit 2007 ist auch das Planungs- und  Consulting-Büro Convex in der Türkei tätig. „Wir unterstützen ausländische Unternehmen, die Bau- und Energieprojekte realisieren wollen“, berichtet Geschäftsführer Timor Uzunoglu. „Von 2008 bis 2012 sind die Geschäfte aus österreichischer Sicht sehr gut gelaufen – unsere Kunden waren die OMV und RWE“, so Uzunoglu. „Derzeit ist es ruhiger. Die Abwertung der türkischen Lira erschwert die Sache ein wenig.“ 

Die Steiermark verzeichnete noch im ersten Halbjahr 2018 beachtliche Steigerungen im Handel mit der Türkei: So wurden Waren im Wert von rund 137 Millionen Euro in die Türkei geliefert, was einem Plus von 28,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Umgekehrt gelangten im gleichen Zeitraum türkische Waren im Wert von 93,6 Millionen Euro in die Steiermark, eine Steigerung um 12,6 Prozent.

Von Petra Mravlak


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