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„Trügerisches Terrain braucht Vertrauen“

Vor genau 40 Jahren stand der Grazer Robert Schauer als erster Österreicher am Gipfel des Mount Everest. Im großen Jubiläumsinterview erklärt der Filmemacher, warum Alpinismus und Business gleichermaßen Mut erfordern.

Robert Schauer war 1978 der erste Österreicher am Gipfel des Mount Everest – seither hat er den Berg noch weitere zwei Male bezwungen.
© Foto Fischer Robert Schauer war 1978 der erste Österreicher am Gipfel des Mount Everest – seither hat er den Berg noch weitere zwei Male bezwungen.

Am 3. Mai 1978 standen Sie als erster Österreicher am Gipfel des Mount Everst – fünf Tage vor der legendären Besteigung durch Messner und Habeler. Was dachten Sie in diesem Moment?

Schauer (lacht): Dass es sehr kalt war und ich aufgrund der Wolken eigentlich nicht viel von der Welt unter mir sehen konnte. Nein, im Ernst: Natürlich war es ein bewegendes Gefühl, als wir als erste Seilschaft dieser österreichischen Everest-Expedition, zu der auch Messner und Habeler gehörten, den Gipfel erreichten. Im Gegensatz zu Reinhold und Peter stand für uns aber ein Versuch, es ohne zusätzlichen Sauerstoff zu schaffen, nie am Plan. 

Den höchsten Berg der Welt haben Sie noch zwei weitere Male bezwungen…

Schauer: Ja, allerdings dann bereits als Kameramann. Die Leidenschaft fürs Filmen auf den Bergen hat mich schon immer begleitet. Darum habe ich auch das Mountainfilm-Festival Graz im Jahr 1986 ins Leben gerufen. Aktuell läuft die Einreichfrist für das heurige Bergfilmfestival, das von 13. bis 17. November stattfindet.

Stichwort: Berg-Leidenschaft. War Ihnen eine Alpinistenkarriere schon früh bewusst?

Schauer: Ganz und gar nicht. Ich litt als Kind lange Zeit an chronischen Lungenbeschwerden. Eine Bergsteigerkarriere lag also nicht direkt auf der Hand. Erste Höhenluft habe ich sozusagen auf den Grazer Dächern geschnuppert, als mich mein Vater zum Spengler ausgebildet hat. 

Wie kamen Sie dann von den Grazer Dächern aufs Dach der Welt? 

Schauer: Ich war bereits ein engagierter und recht abenteuerlustiger Bergsteiger, als ich 1975, direkt nach der Verleihung des Maturazeugnisses, im VW-Bus meines Vaters mit Freunden von Graz über Afghanistan und Pakistan ins Karakorum-Gebiet gefahren bin, um dort meinen ersten Achttausender, den Gasherbrum I, zu besteigen. Diese Strecke habe ich insgesamt neun Mal im Auto zurückgelegt. 

Was nehmen Sie aus dem ­Alpinismus für Ihre Arbeit als Unternehmer mit?

Schauer: Ein Aufstieg verlangt großes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und in die der Seilschaft. Erforderlich sind auch eine gewisse Risikobereitschaft und Ausdauer – in physischer wie auch psychischer Natur. Letztere ist nötig, um immer wieder den einen weiteren Schritt zu tun, auch wenn man nicht mehr weitergehen will. Und alle diese Aspekte gelten ebenso fürs Business. Gerade, wenn es um vorausschauendes Handeln geht, sehe ich viele Parallelen zwischen dem Berg und dem Unternehmertum: Denn in beiden Fällen bewegt man sich mitunter auf trügerischem Terrain.

Macht es keinen Unterschied, Entscheidungen auf tausenden Metern Höhe – am Point of no return – zu treffen?

Schauer: Von einer, natürlich abstrahierten Ebene aus gesehen nicht wirklich. Denn beim Bergsteigen weiß jeder genau, worauf er sich einlässt und welches Risiko er bereit ist, einzugehen. Wenn ich aber Unternehmer bin, dann tragen noch viel mehr Menschen die Konsequenzen einer möglichen falschen Entscheidung von mir.  

Falsche Entscheidungen am Berg enden aber allzu oft in Tragödien. Wann weiß man, wenn man umkehren sollte?

Schauer: Es ist die jahrelange Erfahrung, die einen das lehrt. Und auch wenn viele dieses Bauchgefühl haben, ist es etwas anderes, auch darauf zu hören. Als ich 1987 für ITN London eine Everestbesteigung über eine damals noch unbekannte Route filmte, brachen wir das Vorhaben aufgrund von gewaltigen Höhenstürmen ab. Natürlich stellt man sich die Frage: Wie weit gehe ich, um gute Bilder zu liefern? Was riskiere ich, damit die Sponsoren den Film mit dem Zusatz „Gipfel erreicht“ besser vermarkten können? Zusätzlich kosten solche Expeditionen zigtausende Euro und der Slot, einen Gipfel in Angriff zu nehmen, ist oft eng. Kurz vorm Ziel umzudrehen fällt also nicht leicht. Viele Dramen am Berg, wie auch jenes von 1996, das ich damals als Kameramann im IMAX-Team miterlebt habe, zeigen das. 

Welche Berge wollen Sie noch erklimmen?

Schauer: Sportlich bevorzuge ich heute die Bewegung in der Natur, und dafür brauche ich keine hochalpinen Regionen. Beruflich gesehen erobere ich jedes Jahr aufs Neue die spannendsten Gipfel gemeinsam mit den Besuchern des Filmfestivals. 

Zur Person

Der Grazer Robert Schauer (geb. 1953) ist Filmemacher und einer der erfolgreichsten rot-weiß-roten Bergsteiger. Er bestieg unter anderem fünf Achttausender und war 1978 als erster Österreicher auf dem Gipfel des Mount Everest. 1986 gründete er das Internationale Berg- und Abenteuerfilmefestival. Infos: www.mountainfilm.at.

Von Veronika Pranger

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