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"Der Tourismus ist unser Freizeitanker"

Die Steiermark ist das grüne Herz Österreichs und jetzt auch der Nabel der Tourismuswelt. Mit Hans Spreitzhofer als neuem Bundesobmann Hotellerie.

Johann Spreitzhofer in Hotel-Speisesaal
© Barbara Majcan Johann Spreitzhofer folgt Susanne Kraus-Winkler als Bundesobmann der Hotellerie nach.

Viele in der Branche rittern um diese Funktion, die Wahl ist auf Sie und damit auf die Grüne Mark gefallen. Wie schnell sind Sie dem Ruf aus Wien gefolgt?

Spreitzhofer: Innerhalb von vier Stunden ist meine Entscheidung gefallen. Sie war nicht einfach, schlussendlich hat aber mein Verantwortungsbewusstsein den Ausschlag gegeben, mich in sehr durchwachsenen Zeiten auf Bundesebene für die Hotellerie und damit für den Tourismus stark zu machen. Nicht zuletzt aber ist es auch eine Ehre, dass nach 30 Jahren wieder ein Steirer in dieser Funktion nachrückt. 

Die Erfahrungen der ersten Tage in  der neuen Funktion?

Spreitzhofer: Es gab ab der Bekanntgabe der Neubesetzung eine Flut von Interviewanfragen, das Telefon ist praktisch nicht mehr still gestanden. Ein klarer Beweis dafür, dass Hotellerie und Gas- tronomie ganz stark im Fokus der Öffentlichkeit stehen.

Warum ist das Interesse gerade an diesen Branchen so unglaublich groß?

Spreitzhofer: Weil die Menschen im Land den Tourismus als Freizeitanker sehen. Mit den Betrieben in Hotellerie und Gastlichkeit verbinden sie Geselligkeit, Kulinarik, Urlaub, Freizeitaktivitäten und noch vieles mehr, eben alles, was vom Alltag ablenkt. Daher will man auch wissen, wie es den Betrieben geht.

35.000 Jobs, die aktuell nicht besetzt sind, zeichnen aber ein ganz anderes Bild. Alle wollen sich unterhalten, aber keiner will –  so scheint es –im Tourismus arbeiten. Woran liegt das?

Spreitzhofer: Die Pandemie hat die Menschen eine neue Work-Life-Balance gelehrt, die zu Lasten des Jobs geht. Familie, Freunde und Freizeit haben Priorität.

Ist der Mitarbeitermangel auch der (angeblich) schlechten Bezahlung zuzuschreiben?

Spreitzhofer: Keinesfalls. Gute Fachkräfte werden weit über Kollektiv bezahlt, dazu kommen Trinkgeld und ein Mehrwert, der allzu oft nicht gerechnet wird: Kostenlose Unterkünfte, es gibt sogar schon eigene Mitarbeiterhotels, gratis Verpflegung und vieles mehr.  Wir  beobachten allerdings seit geraumer Zeit, dass sich immer mehr junge Leute für eine 20- bis 30-Stunden-Woche und damit auch für ein geringeres Einkommen entscheiden.

In vielen Betrieben wird über eine Vier-Tage-Woche als Lösung für das Mitarbeiterproblem nachgedacht.

Spreitzhofer: Österreich ist ein Land der Gastlichkeit, nicht der verschlossenen Türen. Wir müssen attraktive Arbeitgeber bleiben und – das habe ich schon oft gesagt  – auch mehr Wertschätzung für unsere Mitarbeiter von den Gästen einfordern. Natürlich möchten wir unseren Beschäftigten gerne eine Vier-Tage-Woche anbieten, aber dann stellt sich die Frage, woher Fachkräfte nehmen, die wir zusätzlich brauchen, wenn kaum Kapazitäten vorhanden sind.

Wie groß ist die Sorge,  dass aufgrund der aktuellen Preissteigerungen Gastlichkeit für viele Menschen nicht mehr leistbar sein wird?

Spreitzhofer: Die Situation ist für niemanden leicht. Generell von Preissteigerungen in Prozentsätzen zu sprechen, geht an der Realität völlig vorbei. Jeder Betrieb muss für sich selbst kalkulieren, wie viel Deckungsbeiträge er erwirtschaften muss, um unternehmerisch zu bestehen und nicht in eine  Schieflage zu kommen. Kein Wirt oder Hotelier wird die Preise leichtfertig nach oben schrauben.

Welche Probleme werden Sie vorrangig anpacken?

Spreitzhofer:  Unsere Forderung an die Bundesregierung lautet ganz klar: ökosoziale Steuerreform, eine Entlastung der Energiekosten und längere Laufzeiten für Überbrückungskredite. Da- rüber hinaus sind von der Politik alle Maßnahmen zu setzen, um im Herbst einen Lockdown oder eingeschränkte  Öffnungszeiten zu vermeiden oder in der Gastlichkeit die Zahl der Gäste noch einmal zu begrenzen. 

Wie hat Ihre Familie Ihre Entscheidung quittiert?

 Spreitzhofer: Diesen Schritt kann man nur setzen, wenn man eine unglaublich tolle Frau und so engagierte Kinder hat, die mir mit ganzer Kraft den Rücken für meine  neue Aufgabe freihalten. 


Zur Person

Johann Spreitzhofer, 64 Jahre alt, führt mit seiner Frau Elisabeth ein Hotel mit Gasthof in St. Kathrein/O. mit acht fixen Mitarbeitern. Er hat einen Sohn und zwei Töchter, die beide im Betrieb sind. Seit 2020 ist Spreitzhofer steirischer Sparten-Obmann Tourismus. Als Bundesobmann der Hotellerie folgt er Susanne Kraus-Winkler nach, die zur Staatssekretärin aufgestiegen ist. Seine große Leidenschaft sind seine Enkelkinder.


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