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Tablets sind kein Ersatz für Schulbücher

Taferlklassler mit Tablet? E-Reader statt Schulbuch? Tippen statt Schreiben? Mit welchen Medien lernen Schüler „Digitalisierung“?

Tablets statt Büchern? Ein heiß umstrittenes Thema.
© Alexandr Ermolaev/stock.adobe.com Tablets statt Büchern? Ein heiß umstrittenes Thema.

Seit einem Jahr gibt es das elektronische Schulbuch – bisher nur als Ergänzung zum gedruckten Buch. Wird sich das schon bald ändern?
Mit genau dieser Frage beschäftigen sich Wissenschafter intensiv – wie auch bei einem Symposion auf Einladung der heimischen Buch- und Medienwirtschaft sichtbar wurde. Anlass dafür ist nicht zuletzt der Vorschlag aus dem Bildungsministerium, künftig jedem Taferlklassler in Österreich – also Sechsjährigen – ein Tablet zur Verfügung zu stellen.

„Nach aktuellem Erkenntnisstand kann digitale Informationstechnik bei unkritischer Verwendung der körperlichen, emotionalen, geistigen und sozialen Entwicklung junger Menschen nachweislich schaden“, warnt etwa Gerald Lembke. Er ist Professor für digitale Medien an der Hochschule Baden-Württemberg und gegen Schnellschüsse – etwa jenem, klassische Bücher durch E-Reader oder Tablets zu ersetzen. „Dem euphorischen Glaubensansatz der digitalen Heilsamkeit in Grundschulen stehen Studien entgegen, die dem Lernnutzen der digitalen Herlferlein während des Unterrichts widersprechen“, sagt Lembke. 

Stand der Forschung ist: Je mehr Sinne angesprochen werden, umso besser ist der Lernerfolg. Dazu zählt auch die Haptik: Das „Begreifen“ eines Buches im wörtlichen Sinne helfe auch beim „Begreifen“ im übertragenen Sinne. Die digitale Kompetenz sei dabei zweifellos eine wichtige, jedoch bei weitem nicht die einzige, erklärt Julia Bock-Schappelwein, Wissenschafterin am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung. „Es ist ein Bündel von Kompetenzen nötig. Die kommunikativen, sozialen und digitalen Kompetenzen sind nur erfüllbar, wenn Basis-Kompetenzen vorhanden sind. Dazu zählen Lesen, Rechnen, Schreiben und Sprechen“, erklärt die Expertin. Ein übergroßer Fokus auf digitale Geräte oder die Verlagerung des Unterrichts auf Tablets sei dem nicht dienlich. 

Nicht zuletzt warfen die Wissenschafter auch soziale Fragen auf. „Selbst wenn in der Schule alle ein Tablet zur Verfügung gestellt bekommen, würde das zwei Gruppen von Schülern schaffen“, erklärt etwa der Philosophie-Professor Konrad Paul Liessmann von der Universität Wien: „Es würde Schüler geben, die ständig die neueste Ausstattung haben – und jene, die mit der Basis-Ausrüstung auskommen müssten.“ Diese Situation erzeuge nicht nur einen enormen Druck auf die Kinder, sondern auch auf die Eltern und führe zu Chancenungleichheit.

Für die Buch- und Medienwirtschaft ist deshalb der Weg klar: „In einem modernen Unterricht wird es künftig manchmal besser sein, mit dem Tablet zu arbeiten, manchmal mit dem Buch“, sagt Fachverbandsobmann Friedrich Hinterschweiger. „Deshalb müssen wir von der Entweder-Oder-Diskussion wegkommen und hybride Lösungen entwickeln. Ziel muss sein, die besten Bildungsmedien zu entwickeln.“

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