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Steirer-Know-how für E-Autos in Polen

Polen will bis 2025 eine Million (!) elektrische Kraftfahrzeuge auf die Straßen bringen. Eine Delegation aus weiß-grünen (Automotive-)Experten lotet deshalb in Warschau Chancen für heimische Unternehmen aus.

Steirische Experten wollen weiß-grüne Chancen in Polens ambitionierter E-Mobility-Strategie nutzen.
© elektronik-zeit-stock.adobe.com Steirische Experten wollen weiß-grüne Chancen in Polens ambitionierter E-Mobility-Strategie nutzen.

Eine Million Elektro-Autos sollen in Polen bis 2025 auf den Straßen unterwegs sein – so lautet in Kurzform das ambitionierte Ziel jener E-Mobilitätsstrategie, die sich die Regierung unter Premierminister Mateusz Morawiecki im Vorjahr auf die Fahnen geheftet hat. Doch das ist längst nicht alles: 30 Prozent dieser Wertschöpfung sind dabei lokal, also unter Beteiligung polnischer Unternehmen, zu generieren. „Dafür stellt die Regierung auch ordentlich Geld zur Verfügung“, weiß der steirische Außenhandels­obmann und Honorarkonsul für Polen, Manfred Kainz.
Will heißen: In Polen stehen die Auto-Entwickler nun gehörig unter Strom, schließlich bleiben nur mehr sieben Jahre Zeit, um die entsprechende Technik zu entwickeln und für die nötige Infrastruktur zu sorgen. Ein Wettbewerb zum Bau eines eigenen polnischen Elektro-Autos für eine Großserienproduktion läuft bereits.  
E-Mobility-Wissen ist jetzt gefragt – und wo, wenn nicht im Steirerland sind wahre Automotive-Experten und E-Mobility-Profis zu finden? Es verwundert also nicht, dass die Vizepräsidentin des Senats, Maria Koc, (Anm.: die entsprechende Position in Österreich wäre Zweite Präsidentin des Nationalrats) die langjährigen guten wirtschaftlichen Beziehungen zur Steiermark zum Anlass nahm, um Kompetenzen und damit einhergehende Kooperationen auszuloten (s. Storys unten). „Seit Jahrzehnten pflegen die Steirer und Polen ein höchst engagiertes Business-Netzwerk, das in den unterschiedlichsten Bereichen von Danzig bis an die österreichische Grenze reicht. Allein im ersten Halbjahr 2017 wurden steirische Waren im Wert von 10,41 Milliarden Euro nach Polen exportiert“, erzählt Kainz.

Steirer wollen Polens Plan auf Touren bringen

Um diese guten bilateralen Wirtschaftsbeziehungen also nun um das Kapitel „weiß-grünes Elektronik- und Mobilitäts-Know-how“ zu erweitern, begleitet Kainz als treibende Kraft gemeinsam mit dem Wirtschaftsdelegierten in Polen, Karl Schmidt, am 9. März eine steirische Unternehmer-Delegation nach Warschau. „Führende Vertreter der österreichischen – respektive steirischen – Automotivebranche treffen hier auf polnische Industrie-Repräsentanten sowie hochrangige Ministeriumsvertreter“, verdeutlicht Kainz, dass man von Seiten der heimischen Wirtschaft alle Hebel in Bewegung setzt, um diese große Chance für heimische Automobil-(Zuliefer-)Betriebe so intensiv wie möglich zu nutzen.
„Nicht zuletzt der Besuch der polnischen Botschafterin Jolanta Kozłowska am 19. Feburar in der Steiermark ist ein weiteres, sichtbares Zeichen für ein starkes Commitment von polnischer Seite, hier Stärkefelder auszumachen und gemeinsam zu nutzen“, betont Kainz. Potenzial dafür sei im Steirerland jedenfalls reichlich vorhanden, ergänzt Wolfgang Vlasaty, Geschäftsführer des steirischen Mobilitätsclusters ACstyria (siehe dazu auch Interview links.). Er ist ebenfalls mit dabei, wenn es Richtung Warschau geht. Ein wichtiger Schritt, so Vlasaty, schließlich gehe es darum, die Wünsche, den Bedarf und die Zielprofile von polnischer Seite kennenzulernen – und im Gegenzug die weiß-grünen Automotive-Kompetenzen darzustellen: „Die polnische Regierung ist im Bereich der Elektromobilität auf der Suche nach geeigneten Sparringspartnern. Die Betriebe der steirischen Mobilitätsindus­trie sind dafür bestens geeignet.“

Zitat Manfred Kainz, Obmann des steirischen Außenhandels:

„Die Steiermark pflegt seit Jahren sehr gute wirtschaftliche Beziehungen zu Polen. Im ersten Halbjahr 2017 wurden hier Waren im Wert von 10,41 Milliarden Euro exportiert. “

Interview mit Wolfgang Vlasaty, Geschäftsführer ACstyria:

Polen will eine Million E-Autos auf den Straßen sehen. Wie kann man sich das vorstellen?
Vlasaty: Polen ist in der Autoindustrie stark in der Zulieferung von Komponenten, also als „verlängerte Werkbank“ vertreten. Der nun ausgerufene Plan, eine Million E-Autos auf die Straße zu bringen und hier ordentlich „Eigenleistung“ im Bau von Kraftfahrzeugen zu erbringen, ist ein sehr ambitionierter. Hier sehen wir für die steirische Automobilindustrie zahlreiche Anknüpfungspunkte.
In welchen Bereichen könnten sich Kooperationen ergeben?
Vlasaty: Die Fülle der Möglichkeiten für steirisches Know-how ist groß: von der Batterie über Antriebssysteme bis hin zur Elektronik.
Wohin geht also die „elektrische Reise“ der Steirer in Polen?
Vlasaty: Das kann man aktuell noch nicht festmachen. Fest steht aber, dass sich bei diesem Meeting in Warschau äußerst namhafte Vertreter aus den Industrien beider Länder treffen werden, um einerseits den polnischen Bedarf wie auch die möglichen steirischen Leistungen hierzu zu konkretisieren.

Polnisch-steirische Wirtschaftsbeziehungen in Zahlen, Daten, Fakten:

Um satte 4,6 Prozent ist Polens Wirtschaft im vergangenen Jahr gewachsen – das ist doppelt so schnell wie in Deutschland. Wachstumstreiber waren vor allem der starke Inlandskonsum, stetig steigende Exporte und zunehmende Investitionen. Damit hat sich das Land im Kreis der 25 größten Volkswirtschaften der Welt etabliert. Das BIP/Kopf liegt bei 70 Prozent des EU-Durchschnitts, noch 2007 waren es nur 53 Prozent. Besonders gut läuft die Exportwirtschaft, so konnte Polen 2017 zum dritten Mal in Folge einen Außenhandelsüberschuss erzielen. Exportiert werden immer mehr Fertigwaren mit größerer Wertschöpfung, etwa Musikins­trumente, Haushalts- oder Sportgeräte. Die Arbeitslosigkeit hat einen historisch niedrigen Stand von 4,4 Prozent (nach EU-Definition) erreicht und die Konsumentenstimmung ist auf dem höchsten Stand in der Geschichte des Landes. Auch für 2018 sind die Aussichten gut: Analysten rechnen mit einem BIP-Anstieg um etwa vier Prozent.

„Unsere Unternehmen werden in Polen als erfahrene und gute Geschäftspartner geschätzt“, so Stefan Stantejsky, stellvertretender Wirtschaftsdelegierter in Warschau. So hat sich Polen zum achtwichtigsten Exportmarkt entwickelt. Österreichische Exporte stiegen von Jänner bis November 2017 um 9,8 Prozent auf etwa vier Milliarden Euro. Aufgrund von Direktinvestitionen seiner Unternehmen ist Österreich auch achtgrößter Investor in Polen. „Geschäftschancen bieten die Energieversorgung, Umwelttechnologie, Infrastruktur, Automotive und Elektromobilität sowie IT, Digitalisierung und Industrie 4.0“, so Stantejsky. Probleme sieht er im wachsenden Arbeitskräftemangel, und auch rechtsstaatlich bedenkliche Reformen könnten sich negativ auf Wirtschaftsklima und Investitionen auswirken.

AußenwirtschaftsCenter Warschau: wko.at/aussenwirtschaft/pl, warschau@wko.at

Von Veronika Pranger

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