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"Steiermark könnte der Wachstumskaiser werden"

Rückblick und Ausblick: Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria, über die konjunkturelle Großwetterlage – und welche Hausaufgaben die neuen Regierungen in Bund und Land dringend anpacken müssen.

Stefan Bruckbauer
© UniCredit Bank Austria Stefan Bruckbauer ist Chefökonom der UniCredit Bank Austria

Das Jahr 2019 neigt sich dem Ende zu. Ihr Blick darauf aus der Retrospektive?

Stefan Bruckbauer: Es war vor allem die starke Verunsicherung, die das Wirtschaftsjahr 2019 geprägt hat – Stichwort Handelskonflikt und Brexit. Die globalen Handelsvolumina sind seit Monaten rückläufig, die Kfz-Industrie ist angeschlagen. Die Entwicklungen schlagen auf Europa durch, auch wenn die Binnenkonjunktur bisher noch dagegengehalten hat.

Die steirische Wirtschaft ist stark exportorientiert – und dadurch noch abhängiger von globalen Einflüssen. Wie sehen Sie die Situation?

Bruckbauer: Auch wenn sich die Wirtschaft jetzt eintrübt, muss man sagen, dass 2019 insbesondere für die Steiermark sehr gut gelaufen ist. Es gibt neue Produktionslinien, innovative Betriebe und eine robuste Bauwirtschaft. Die Steiermark könnte mit einem Wachstum von 2,5 Prozent heuer bundesweiter Wachstumskaiser werden, im Österreich-Schnitt gehen wir von 1,5 Prozent Wachstum aus. Mit einem Volumen von über 25 Milliarden Euro hat die Steiermark ein gutes Exportjahr hinter sich – und rangiert in Relation zum regionalen BIP nach Oberösterreich und Vorarlberg auf Platz drei der Exportbilanz.

Wie schätzen Sie die Konjunkturentwicklung für das nächste Jahr ein?

Bruckbauer: Nächstes Jahr wird es definitiv schwieriger, die Konjunkturentwicklung wird sich nochmals eintrüben. Wir gehen bundesweit von einem Wachstum von nicht mehr als einem Prozent aus, die Steiermark dürfte mit rund einem Dreiviertel-Prozent sogar darunter liegen. Die globale Konjunktur tut sich weiterhin schwer, und die Abkühlung der Industrie in Europa wie in Deutschland, Italien und Frankreich wird auf die Entwicklung in Österreich durchschlagen. Frühestens 2021 dürfte sich die Lage wieder verbessern, doch auch da liegen unsere Prognosen bei unter zwei Prozent.

Immer wieder wird das Ende der Globalisierung beschworen. Ihre Position?

Bruckbauer: Ja, es gibt diesen globalisierungs- und wirtschaftsfeindlichen Trend. Die USA spielen dabei eine wesentliche Rolle. 50 Jahre lang herrschte die Meinung, dass es bei der Globalisierung auf allen Seiten Gewinner gibt – dieses Bild hat sich mit dem Populismus stark verändert. Es ist eine Stimmungsfrage, doch die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Wir hätten unseren Wohlstand nicht, wenn wir unsere Produkte nicht global ein- und verkaufen würden.

Wie wirkt sich die Stimmungslage auf den Arbeitsmarkt in einem Land mit starkem Fokus auf den produzierenden Bereich aus?

Bruckbauer: In der Steiermark ist die Zahl der Beschäftigten in der Industrie mit 21 Prozent überdurchschnittlich, bundesweit sind es 17 Prozent. Wir haben derzeit die geringste Arbeitslosigkeit seit 20 Jahren, doch nächstes Jahr rechnen wir mit einem leichten Anstieg auf 6,3 Prozent – insbesondere in der Industrie bzw. bei den Leiharbeitern. Doch der Einbruch ist keinesfalls mit der Krisen, wie wir sie 2008 und 2012 hatten, vergleichbar.

In welchen Sektoren sehen Sie einen Aufwärts-, wo einen Abwärtstrend?

Bruckbauer: Der Dienstleistungssektor bleibt stabil, die Lebensmittelbranche profitiert. Auch die Bereiche Technologie und Digitalisierung entwickeln sich gut. Weniger investiert wird im Bereich Anlagenbau, und bekanntermaßen schwächelt die Kfz-Industrie.

In Bund und Land gibt es bald neue Regierungen. Welche Hausaufgaben sind dringend zu machen?

Bruckbauer: Wir brauchen eine Entlastung der mittleren und unteren Einkommen, um den Konsum zu stärken, sowie eine Entlastung des Faktors Arbeit. Beim Umweltschutz sind längerfristig tragbare Konzepte nötig. Und die starke Regulierung gehört dringend überdacht. Insgesamt, würde ich sagen, braucht es mehr Mut und Wirtschaftsfreundlichkeit.

In wenigen Wochen ist Weihnachten. Ihr Wunsch ans Christkind?

Bruckbauer: Weiße Weihnachten – und mehr Stabilität in der globalen Politik.


Zur Person: Stefan Bruckbauer studierte Ökonomie an der Universität Linz. Assistent am Institut für Volkswirtschaftstheorie, Wechsel in die Abteilung Volkswirtschaft der Zentralsparkasse Wien. Von 2001 bis 2009 stv. Leiter der Konzernvolkswirtschaft der Bank Austria. Seither Leiter der Abteilung Economics & Market Analysis Austria und Chefvolkswirt der UniCredit Bank Austria. Lange Jahre Lektor für Volkswirtschaftstheorie an den Unis Linz und Wien und der FH für Bank- und Finanzwirtschaft in Wien. Außerdem ist er Experte des österreichischen Fiskalrats. 


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