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Steht Spanien nun kurz vor dem Chaos?

Nach dem illegalen Referendum der Katalanen herrscht auf der iberischen Halbinsel große Unsicherheit. Eine Analyse.

© Matthias Oesterle /Zuma/picturedesk.com

Es trat ein, was viele im Vorfeld befürchtet haben: Die Katalanen haben trotz höchstgerichtlichem Verbot ihr Unabhängigkeitsreferendum durchgezogen und eine überwältigende Mehrheit hat sich für die Loslösung von Spanien ausgesprochen. Überschattet wurde der Wahlgang von Polizeigewalt der paramilitärischen Guardia Civil, die im Auftrag der Regierung die Wahl unterbinden wollte. Herausgekommen ist ein Chaos mit Generalstreik und Massendemonstrationen. Regierungschef  Mariano Rajoy könnte mit seiner Reaktion so zum unfreiwilligen Geburtshelfer einer katalanischen Nation werden. Doch welche wirtschaftlichen Konsequenzen hätte eine solche Unabhängigkeit? Wir haben mit den Wirtschaftsdelegierten in Madrid und Barcelona die aktuelle Lage analysiert. 

„Wirtschaftlich gesehen braucht Katalonien Spanien und Spanien braucht Katalonien“, erklärt Michael Spalek, Wirtschaftsdelegierter in Madrid. Denn zum einen werden 20 Prozent der spanischen Wirtschaftsleistung in Katalonien erwirtschaftet. Ein überwältigender Teil des katalonischen Absatzmarktes befindet sich jedoch in Spanien. „Deshalb glauben Wirtschaftskreise nicht an eine Loslösung Kataloniens. Einige ausländische Firmen haben sich aber einen Plan B zurechtgelegt, wie sie die Niederlassung schnell nach Spanien verlegen können“, erklärt Andreas Schmid, Wirtschaftsdelegierter in Barcelona. Er sieht bei einer Unabhängigkeit den katalonischen Wirtschaftsstandort in Gefahr: „Katalonien ist nicht nur von Spanien, sondern auch von der EU abhängig. 80 Prozent der Wertschöpfung gehen in die EU oder nach Spanien. Eine Loslösung wäre wirtschaftlich gesehen ein Supergau.“ Schmid bekommt derzeit den ausgerufenen Generalstreik in Barcelona zu spüren: „Nicht alle Gewerkschaften beteiligen sich, trotzdem hat es zu einem Verkehrschaos geführt. Messen wie jene zum Thema ‚Internet of things‘ sind aber nicht betroffen.“ Aktionen wie diese würden aber nur weiter zur Unsicherheit bei spanischen Unternehmen beitragen. 

Spalek sieht aber nicht nur eine innerspanische Gefahr, sondern auch ein Risiko für die gesamte EU: „In der aktuellen Situation kann es nur Verlierer geben. Die Frage ist, wie die EU darauf wirklich reagieren wird.“ Es ist eine heikle Situation, denn Katalonien ist nicht die einzige Region, die in Europa nach Unabhängigkeit strebt: „Doch schon jetzt ist die EU nur schwer zu regieren. Würden neu gegründete Staaten in der EU bleiben, würde es praktisch unmöglich werden“, glaubt Spalek. Ein unabhängiges Katalonien aus der EU werfen zu müssen, wäre jedoch ebenso katastrophal, so Spalek weiter. 

Spanische Wirtschaft erholt sich derzeit

Inmitten dessen steht viel auf dem Spiel, denn die spanische Wirtschaft erholt sich zusehends von der Wirtschaftskrise. „Seit zwei Jahren sehen wir ein konstantes Wachstum von über drei Prozent. Auch die Arbeitslosigkeit ist deutlich zurückgegangen“, betont Spalek. Für österreichische Unternehmen ist Spanien attraktiv, weil es auch ein Sprungbrett in den lateinamerikanischen Markt ist. „Spanien ist für Lateinamerika, was Österreich für Osteuropa ist“, betont der Experte.

Unterdessen bereitet die katalanische Regionalregierung die Unabhängigkeitserklärung vor. Ob es wirklich dazu kommt, wird sich zeigen, denn die Politik zeigt Gesprächsbereitschaft.  

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