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Starke Konjunktur mit Schönheitsfehlern

Martin Kocher, Leiter des Instituts für Höhere Studien, wagt im Interview einen Blick ins neue Wirtschaftsjahr: Was zu tun ist, damit die Fachkräftemisere nicht chronisch wird und die Konjunktur auf der Überholspur bleibt.

Martin Kocher ist österreichischer Ökonom und Hochschullehrer. Er ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien und leitet seit September 2016 das Institut für Höhere Studien (IHS), weiters ist er Träger zahlreicher Auszeichnungen
© IHS/Nilsson Martin Kocher ist österreichischer Ökonom und Hochschullehrer. Er ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien und leitet seit September 2016 das Institut für Höhere Studien (IHS), weiters ist er Träger zahlreicher Auszeichnungen.

Herr Professor, das neue Jahr ist wenige Tage jung. Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Entwicklung für 2019 ein? 

Martin Kocher: Die Konjunktur wird sich weiterhin positiv entwickeln. Im Vergleich zur Hochkonjunktur in den Vorjahren mit einer Wachstumsrate von zuletzt 2,7 Prozent ist allerdings mit einer Abschwächung zu rechnen: Wir gehen für 2019 von einem BIP-Wachstum von 1,7 Prozent aus.

Welche Faktoren bremsen die heimische Konjunktur? 

Kocher: Der größte Unsicherheitsfaktor ist sicherlich der Brexit. Die wirtschaftlichen Folgen des Austritts des Vereinigten Königreichs aus der EU sind und bleiben weiterhin das größte Konjunkturrisiko für Europa. 

Ist davon auszugehen, dass Österreich als Exportland – und hier insbesondere die Steiermark – überdurchschnittlich betroffen wäre?

Kocher: Freilich gibt es etwa über Zulieferketten unmittelbare Auswirkungen, schließlich ist das Vereinigte Königreich der achtwichtigste Handelspartner für Österreich. Allerdings sind die psychologischen Komponenten – nämlich die Stimmungslage in der Industrie und bei den Konsumenten – wesentlich entscheidender als die direkten wirtschaftlichen Folgen, die wir mit 0,1 Prozent weniger BIP-Wachstum beziffern. Wenn die Stimmung kippt, kann das die Konjunktur eintrüben. Entscheidend wird sein, wie der Brexit letztlich über die Bühne geht.

Als zweites Sorgenkind für die Konjunktur gilt auch die Geld- und Handelspolitik. Mit welchen Folgen?

Kocher: Die handelspolitischen Spannungen zwischen den USA und Europa haben zweifelsohne negative Auswirkungen auf die heimische  Wirtschaft, auch weil sie mit einer massiven Verunsicherung einhergehen. Was die Geldpolitik betrifft, sind durch das Anheben der Zinsen in den USA die Schwellenländer in Schwierigkeiten geraten. Bei der europäischen Geldpolitik geht es um die Frage, wann die Zinserhöhung kommt, die die EZB für nicht vor Herbst angekündigt hat. 

Von den Hemmnissen zu den Stärken: Was sind die wichtigsten Wachstumsstützen für die heimische Wirtschaft?

Kocher: Das Exportgeschäft spielt hier eine zentrale Rolle, es wird auch 2019 ein Zugpferd für die Konjunktur bleiben. Auch der private Konsum, der schon im Vorjahr kräftig zum Wachstum beigetragen hat, bleibt stark – nicht zuletzt aufgrund der guten Lohnabschlüsse und der Vorzieheffekte aus dem Familienbonus. Auch der positive Ausblick auf die Steuerreform 2020 führt zu mehr Konsumbereitschaft. 

Wie hat sich die Investitionsbereitschaft entwickelt und wohin geht die Reise 2019?

Kocher: Seit zweieinhalb Jahren haben wir eine kräftige Investitionskonjunktur mit hohen Anlageninvestitionen. Die Wachstumsraten gehen zwar etwas zurück, aber vor allem die Baukonjunktur bleibt kräftig.

Ein Problem, das sich durch alle Branchen zieht, ist der Fachkräftemangel. Ist die Regionalisierung der Mangelberufsliste aus Ihrer Sicht ein Schritt in die richtige Richtung oder nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Kocher: Hier muss man unterscheiden: Der derzeitige Fachkräftemangel ist auch konjunkturell bedingt und überrascht daher nicht. In Zeiten der Hochkonjunktur werden eben mehr Fachkräfte nachgefragt. Mittel- und langfristig stehen wir aber vor einem echten Problem, weil es ein Mismatch zwischen den von den Arbeitslosen angeboten und den von den Betrieben nachgefragten Qualifikationen gibt. Es muss Aufgabe der Bildungspolitik und der Arbeitsmarktpolitik sein, diesen Gap zu schließen. 

Und die demographische Entwicklung verschärft das Problem noch weiter...

Kocher: Ja, wenn die Generation der Babyboomer in den nächsten Jahren in Pension geht, laufen wir Gefahr, dass der Fachkräftemangel chronisch wird. Das Bildungsangebot muss sich dahingehend ändern, dass die nachgefragten Qualifikationen auch gedeckt werden können. Da sich das Problem ja nicht auf Österreich beschränkt, wird der Wettbewerb um gut ausgebildete Kräfte in den nächsten Jahren härter werden. Die Nachfrage nach Fachkräften aus anderen EU-Ländern wird massiv steigen. Hier muss man rechtzeitig Vorsorge treffen, um das langfristige Wachstum abzusichern.

Mit welchen Maßnahmen lässt sich das Wachstums-potenzial für die heimische Wirtschaft nachhaltig kräftigen? Was braucht der Wirtschaftsstandort Österreich? 

Kocher: Neben dem wichtigen Bereich Arbeitskräfte bzw. Humankapital wird auch die Entbürokratisierung zum zentralen Thema. Es braucht den Mut, unnötige Regulierungen abzuschaffen – vor allem in Hinblick darauf, dass in Zeiten der Digitalisierung neue Regulierungen notwendig werden. 

Gibt es im Bereich Forschung und Entwicklung noch Luft nach oben?   

Kocher: In der Forschungspolitik ist schon viel geschehen, Unis wurden besser ausgestattet, die Förderungen sind vorbildhaft. Wichtig ist jetzt nur, dass die Steuerreform 2020 nicht auf Kosten von F&E gegenfinanziert wird.

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