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Spaniens Zukunft ist in der Schwebe

Mit der Wirtschaft geht es im einstigen Krisenland bergauf. Wie es politisch weitergeht, ist noch offen. Wir haben mit Experten und Unternehmern gesprochen.

Blick auf Barcelona mit Seilbahn
© arkanto-stock.adobe.com Barcelona: Blühende Metropole und Hauptstadt Kataloniens.

Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Madrid, Ernst Kopp im Interview über die Entwicklungen in Spanien

Die Parlamentswahl in Spanien ist ein Monat her. Kann überhaupt eine stabile Regierung gebildet werden?

Kopp: Die Wähler haben die Sozialisten der PSOE zur stärksten Partei gemacht. Und deren Chef Pedro Sanchez ist nun der einzige Kandidat, der realistische Chancen hat, eine neue Regierung anzuführen. Allerdings sind die Kräfteverhältnisse zwischen dem linken und dem konservativen Block relativ unverändert geblieben. Keiner der beiden Blöcke hat eine Mehrheit, die zum alleinigen Regieren reicht. Und vieles spricht dafür, dass es nicht zu einer blockübergreifenden Zusammenarbeit kommen wird. Wahrscheinlicher ist eine linke Minderheitsregierung, die die Duldung durch einzelne Regionalparteien benötigt. Sanchez wäre nun aber nicht mehr auf die Unterstützung der Unabhängigkeitsbefürworter aus Katalonien angewiesen, was mehr Stabilität erwarten ließe. 

Wie kann es mit dem Katalonienkonflikt nun weitergehen?

Kopp: Im spanischen Parlament werden 48 der 350 Sitze mit Stimmen aus Katalonien vergeben. Von diesen 48 Sitzen gingen 22 an die Unabhängigkeitsbefürworter, was klar keine Mehrheit für die Abspaltung ergibt. Dennoch ist davon auszugehen, dass dieses Thema auch weiterhin die spanische Innenpolitik dominieren wird. So werden aktuell Strafprozesse gegen 18 katalanische Angeklagte geführt, die bei den Unabhängigkeitsbestrebungen eine wesentliche Rolle spielten. Ein Urteil wird, je nachdem, wie es ausfällt, starke Auswirkungen auf die weitere Entwicklung haben. Aus heutiger Sicht werden österreichische Unternehmen, die in Katalonien aktiv sind, ihre Geschäftstätigkeit auch weiterhin problemlos ausüben können. 

Noch vor ein paar Jahren war Spanien eines der Krisenländer Europas.Wie steht es heute wirtschaftlich da?

Kopp: Spanien wächst seit 2014 wieder und es schloss 2018 mit einem BIP-Zuwachs von 2,5 Prozent ab. Damit war das Land der Wachstumskaiser der fünf größten EU-Volkswirtschaften – also Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Italien und Spanien. Diese Entwicklung war möglich, weil Spanien das positive internationale Umfeld nutzte und auch seine Hausaufgaben erledigte: Ein Beispiel ist die Arbeitsmarktreform von 2012, die mitverantwortlich dafür war, dass die Arbeitslosenrate von 25,8 Prozent auf zuletzt 14,7 Prozent gefallen ist. Die neuen Arbeitsplätze brachten wiederum eine Entlastung der öffentlichen Haushalte, sodass Spanien im Vorjahr zum ersten Mal seit 2007 wieder ein maastrichtkonformes Budgetdefizit von 2,5 Prozent erreichen konnte. 

Wo gibt es noch Reformbedarf?

Kopp: Trotz der Vielzahl an positiven Entwicklungen bleibt auch in Zukunft noch einiges zu erledigen: So gilt es beispielsweise die schwierige politische Situation zu überwinden. Weiters sollten die Arbeitslosigkeit und die Staatsverschuldung weiter gesenkt werden. Sinnvoll wären auch die Verbesserung der dualen Ausbildung, die Entwicklung des ländlichen Raums und eine Steigerung der F&E-Quote.

Ernst Kopp ist Wirtschaftsdelegierter der WKÖ in Madrid/Spanien

Attraktiver Markt für steirische Unternehmen

Für die heimischen Unternehmen bieten sich in Spanien viele Geschäftsmöglichkeiten, die diese auch gekonnt zu nutzen wissen. Die österreichisch-spanischen Wirtschaftsbeziehungen entwickeln sich gut. So erreichten heimische Warenexporte kürzlich einen Wert von 2,63 Milliarden Euro – ein Plus von 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Gegenzug beliefen sich Lieferungen aus Spanien auf 2,52 Milliarden Euro. Besonders eng sind die Beziehungen in der Automobil- und deren Zulieferindustrie: Direkt vor Ort vertreten ist die AVL mit der 1990 gegründeten AVL Iberica, die die Märkte Spanien, Portugal und Mexiko abdeckt. Ihr Fokus liegt auf Prüfständen, Wachstum spüre man besonders bei Antriebstechnik und Motorkalibrierung. „Die ausgezeichnete Ausbildung der Techniker und der wettbewerbsfähige Stundensatz machen Spanien interessant für Ingenieurleistungen“, so Alberto Zumeta, Geschäftsführer AVL Iberica. „Die Mitarbeiter vor Ort sind gut auf ihre Aufgaben vorbereitet, zuverlässig und engagiert.“ Anfang 2019 gründete auch Anton Paar ein Tochterunternehmen in Spanien. „In Niederlassungen in Madrid und Barcelona gibt es Labore mit Messgeräten, damit unsere Technologie aus erster Hand getestet werden kann“, so Geschäftsführer Luis Lopez-Villalta. Interessante Branchen für österreichische Unternehmen: Maschinen, Anlagen und Zwischenprodukte für die Industrie, smarte Lösungen für Gebäude und Kommunen, designaffine und innovative Konsumarktikel, der Gesundheitssektor und die Sicherheit.

Von Petra Mravlak




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