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So wurde die „Tanne“ im Steirerland heimisch

60 Jahre SPAR Steiermark werden dieser Tage gefeiert. Wir haben mit den beiden Mitbegründern und Unternehmerlegenden Fritz und Theo Poppmeier über sechs Jahrzehnte ereignisreiches Wirtschaften gesprochen.

Fritz (li.) und Theo Poppmeier haben in den 50ern SPAR in die Steiermark geholt.
© DJakob Fritz (li.) und Theo Poppmeier haben in den 50ern SPAR in die Steiermark geholt.

Ihr Name prägt die heimische Unternehmerlandschaft seit Jahrzehnten. Wie kam es eigentlich 1958 zur Gründung von SPAR Steiermark?
Fritz Poppmeier: Wir, also die Poppmeier KG, waren damals eine Großhandelsfirma. Ich habe mir 1958 den Zusammenschluss der Einzelhändler unter SPAR in Tirol angesehen und das mit meinem Vater und mit meinem Bruder Theo diskutiert. Es war mein Vater, der dann die Idee von SPAR in die damalige „Union alpenländischer Großhandelsfirmen“ eingebracht hat. Aber als wir die Idee bei der Mitgliederversammlung präsentierten, sind wir aus dem Saal geworfen worden. Kolonialimport (KIG) war damals der größte Großhändler. In jugendlichem Übermut meinte ich zum Wirtschaftskammer-Vizepräsidenten Pieber aus Deutschlandsberg, dass die KIG ja auch nur ein Mitbewerber sei. Darauf sagte er zu mir: „Bua, tua di net versündigen.“ Die KIG hatte damals ihren Sitz am Entenplatz – die wenigsten wissen, dass dort, wo heute die SFG angesiedelt ist, einmal die größte Lebensmittelzentrale der Steiermark war.

Sie haben im Einzelhandel begonnen, als sich das Land gerade vom Krieg erholte…
Theo Poppmeier:
Mein Gott, damals haben wir unser erstes Geschäft in der Humboldtstraße gegründet und nicht gewusst, wie wir die Regale in einer Räumlichkeit von 140 Quadratmetern füllen sollen. Es gab nach dem Krieg nicht viel an Ware. Ich kann mich noch erinnern, wie wir einen Waggon mit Pfefferminztee gekauft hatten. Diesen an die Händler zu bringen, war schon eine logistische Herausforderung. Denn im Krieg gab es Planwirtschaft und die Marken wurden erst Ende der 50er abgeschafft. Aber es herrschte Aufbruchsstimmung – wir haben auch Orangen aufgetrieben.

Wann ist SPAR in der Steier­mark dann richtig in die Gänge gekommen?
Fritz Poppmeier:
Es gab viele Hürden. Die Großhändler haben nicht verstanden, dass sie den Einzelhändler und die Flächen direkt beim Kunden brauchen. Die Kooperation zwischen Industrie und Großhandel musste erst aufgebaut werden, es ging um Verhandlungen für große Abnahmen. Wir haben unseren SPAR-Kaufleuten zugesichert, dass sie die Ware günstig kaufen können. Die Banken hatten Angst, dass Verluste entstehen, wenn die Großen nicht mehr so viel verdienen würden. In der damaligen Handelskammer unterschrieben die anderen Großhändler sogar einen „Anti-SPAR-Vertrag“ mit der Begründung, es gäbe kartellrechtliche Bedenken.

Mit Frischfleisch im Supermarkt haben Sie den Lebensmittelhandel neu definiert…
Theo Poppmeier:
Ja, wir haben als erster Trockensortimenter auch Frischfleisch hinter der Theke angeboten. In Amerika beobachteten wir das, erkannten die Chancen für den heimischen Handel und wagten die Realisierung der Vision „Frischfleisch aus dem Supermarkt“. Das war eine Sensation und eine Pioniertat zu einer Zeit, in der der Fleischer ums Eck zur Alltagskultur zählte. Eigentlich suchten wir eine Kooperation mit einem Lieferanten. Da wir nicht fündig wurden, gürndeten wir gemeinsam mit Fleischermeister Loidl dann einen eigenen Betrieb.

Von einer Pioniertat zur nächsten: Mit dem Citypark haben Sie das erste Einkaufszentrum in Graz verwirklicht.
Fritz Poppmeier:
Der Citypark als erstes Einkaufszentrum in der Stadt war eine Revolution. Heute gibt es fünf Zentren, zwei davon – Citypark und Murpark – sind in den Händen von SPAR. Uns ist aber wichtig zu betonen: Wir Grazer können jeden Tag nur froh sein, dass es noch solche Häuser wie Kastner&Öhler in der Altstadt gibt.

Wie beurteilen Sie den Wirtschaftstandort Steiermark?
Fritz Poppmeier:
Wir hätten unsere Zentrale nicht in Österreich, wenn wir nicht an Österreich glauben würden. Was wir aber sagen, ist: In der Politik bräuchte es mehr Unternehmer, die eine Ahnung vom Markt und der Praxis haben. Die Gesetzesflut und die im Anlassfall geschriebenen Normen machen das Betreiben eines Handelsgeschäfts fast schon unmöglich und das Führen eines Produktionsbetriebes erst recht. Es wird alles Erdenkliche geregelt, aber niemand zählt auf den klaren Menschenverstand. Es ist ja auch so, dass Unternehmer großes Risiko tragen. Behörden sollten diese unterstützen und mithelfen, damit etwas Neues entstehen kann.

Stichwort Neues: Wie beurteilen Sie den starken Trend zum Onlineshopping?
Fritz Poppmeier:
Wir von SPAR haben auch einen Internetshop. Faktum ist, dass mein Bruder und ich zwar betagte Herren, aber nicht blind sind. Wir beobachten den Markt genau: Internethandel kostet nur. Gewinner im Onlinebereich werden jene sein, die die Logistik beherrschen. Ärgerlich ist die Steuervermeidung ausländischer Online-Shop-Anbieter.

Aus aktuellem Anlass: Was sagen Sie zum neuen ­Arbeitszeitgesetz?
Fritz Poppmeier:
Mit dem Arbeitszeitgesetz wurde das legalisiert, was Unternehmer und Arbeitnehmer schon laufend getan haben. Von den Gegnern wird wieder einmal ein Bild vom ausbeutenden Unternehmer gezeichnet. Ich kann mich sehr gut daran erinnern, als ich noch operativ tätig war, dass meine Mitarbeiter und ich des Öfteren in der Nacht gearbeitet haben, um Ware pünktlich liefern zu können. 

Weiteres Thema in der Wirtschaft ist der Fachkräftemangel. Wo muss man ansetzen?
Theo Poppmeier:
Bildung kann man nicht einfach nur dem Staat umhängen. Bildung liegt auch in der Eigenverantwortung jedes Einzelnen. In Österreich gibt es eine gute Grundausbildung sowie die Fachhochschulen und Universitäten. Es ist aber Fakt, dass wir unsere Jugend positiv anspornen müssen, gute Leistung zu erbringen. Es muss uns eines bewusst sein: Der Rohstoff Österreichs sind die Gehirne unserer Leute. Heute zählt nur Know-how.

Gestatten Sie zum Schluss die Frage: Kaufen Sie selber gerne ein?
Fritz Poppmeier:
Ja, sehr gerne. Ich beobachte heute noch jede Marke, für die SPAR der Marktplatz ist.

Alle weiteren Informationen auf www.spar.at

Interview: Veronika Pranger

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