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So hat Corona die Arbeitswelt verändert

Jobverlust, Kurzarbeit und massiver Wirtschaftseinbruch: Das Corona-Virus setzt auch die steirische Wirtschaft schwer unter Druck. Ein Überblick.

Büromenschen mit Gesichtsmasken
© Stock Adobe Das Corona-Virus hat massive Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitswelt.

Kein Stein ist mehr auf dem anderen seit dem Ausbruch der Corona-Krise. Mit welcher Wucht die Pandemie auch die steirische Wirtschaft getroffen hat, haben die Experten des Instituts für Wirtschafts- und Standortentwicklung (IWS) in der WKO Steiermark näher analysiert. Fazit: „Der kurzfristige Shutdown wird langfristige Auswirkungen auf die Wirtschaft und Arbeitswelt haben“, resümiert IWS-Leiter Ewald Verhounig.

Wie dramatisch die aktuelle Krise ist, zeigen auch die Vergleichszahlen aus der Finanzkrise 2009: Damals schrumpfte die Wirtschaft in Österreich um 3,9 Prozent, jetzt wird ein BIP-Einbruch jenseits von minus fünf Prozent prognostiziert.  Laufend werden Prognosen nach unten revidiert, zuletzt stellte der Internationale Währungsfonds (IWF) für Österreich gar ein Minus von sieben Prozent in den Raum. Viele Ökonomen gehen in ihrer Einschätzung bereits von der schwersten Rezession seit 1929 aus.

Und auch die weiß-grüne Entwicklung  spricht Bände: Während in der Finanzkrise 2009 rund 15.000 Menschen in Kurzarbeit waren, sind es aktuell bereits mehr als 132.000. Eine noch nie dagewesene Dimension – für die Betroffenen ist die Kurzarbeit aber eine Art „Auffangbecken“ für die Zeit nach der aktuten Corona-Krise.

Steigende Arbeitslosigkeit, sinkende Einkommen

Schlimmer hat es aber jene getroffen, die wegen des Corona-Virus ihre Arbeit verloren haben. Die Beschäftigung ging im März um 5,1 Prozent zurück. In der Steiermark waren laut AMS im März rund 64.000 Menschen ohne Job, das entspricht einer Zunahme von 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die steirische Arbeitslosenquote ist damit binnen kürzester Zeit auf 11,3 Prozent geklettert.
Besonders von steigender Arbeitslosigkeit betroffen sind neben der Tourismus-Branche auch der Bau und der Handel. „Die steigende Arbeitslosigkeit geht mit sinkenden Einkommen einher. Dadurch laufen wir Gefahr, dass es zusätzlich zur Angebotskrise auch zu einer Nachfragekrise kommt“, sagt Verhounig.

Dazu komme, sagt der Experte, dass die Steiermark als exportorientiertes, industriell geprägtes Bundesland besonders stark von den wirtschaftlichen Einschnitten betroffen sei, „denn wir sind hier stark von globalen Entwicklungen abhängig“. Und so taumeln auch  die Haupthandelspartner der Steiermark – nämlich Deutschland, die USA und Italien – durch die Krise, mit teils noch dramatischeren Entwicklungen als hierzulande.

Shutdown so kurz wie möglich halten

Zusätzlich setzt die Steiermark in ihrer wirtschaftlichen Ausrichtung stark auf den Tourismus. Eine Branche, die von Corona bis ins Mark getroffen wurde. „Der gesamte Dienstleistungssektor ist durch die Ausgangsbeschränkungen stark getroffen“, so Verhounig, der davon ausgeht, dass die Krise mit Verzögerung sämtliche Wirtschaftssektoren im ganzen Land treffen wird. Daher gelte es nun, „den Shutdown so kurz wie möglich zu halten, freilich unter Einhaltung strenger Sicherheitsmaßnahmen“, mahnt der Experte.

WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk appelliert indes an die Steirer, in Zeiten der Krise an einem Strang zu ziehen: „Jeder Einzelne kann jetzt bei der Bewältigung mithelfen und gezielt steirische Betriebe  unterstützen.“ Dieser „Einkaufspatriotismus“ könne den Betrieben über die kritische Zeit helfen und ein neues Konsumbewusstsein schaffen.


Wie wird sich die heimische Wirtschaft weiter entwickeln? Zurückhaltend zeigt sich Martin Kocher, Leiter des Instituts für Höhere Studien (IHS), wenn es um Prognosen geht: „Die weitere Entwicklung wird davon abhängen, ob und wie rasch ein Medikament oder Impfstoff gefunden wird und wann die Maßnahmen gelockert werden.“ Im optimistischen Fall rechnet Kocher für 2020 mit einem Minus-Wachstum von vier Prozent, während pessimistische Szenarien „von einem hohen einstelligen Prozentsatz ausgehen“. Die aktuellen Kosten, um die Folgen der Krise abzufedern, würden sich in Österreich auf zwei Milliarden Euro pro Woche belaufen. Wie das alles auf Dauer zu finanzieren sei? „Kurzfristige Steuererhöhungen wären sicher kon-
traproduktiv und würden die Konjunktur wieder abwürgen.“ Jetzt müsse man den Fokus auf die Krisenbewältigung legen und Betroffene entschädigen. Klassische Konjunkturprogramme seien jetzt aber fehl am Platz, weil Private in Krisenzeiten sparen und Unternehmen mit Investitionen zuwarten.

Ein dramatisches Bild von der Wirtschaftsentwicklung im heurigen Jahr zeichnet man auch beim Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO): So geht dessen Leiter Christoph Badelt für heuer von einem Rückgang der Wirtschaftsentwicklung  um 5,25 Prozent aus. Gleichzeitig soll die Beschäftigung um 1,75 Prozent zurückgehen und die Arbeitslosenquote auf 8,75 Prozent klettern. „Der im Vergleich zum BIP deutlich geringere Rückgang der Beschäftigung ist auf die breite Inanspruchnahme der Kurzarbeit zurückzuführen“, sagt Badelt. Ohne dieses Ins-trument wäre der Rückgang der Beschäftigung drastisch höher, nämlich um 2,5 Prozentpunkte.  Unterm Strich seien die Aussichten für die Wirtschaftsentwicklung in Österreich heuer die schlechtesten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, so Badelt. Doch vorsichtig optimistisch blickt er ins nächste Jahr: Für 2021 wird ein Wachstum von 3,5 Prozent erwartet. „Das Vorkrisenniveau beim BIP wird aber frühestens Ende 2021 erreicht werden“, glaubt Badelt.


Ein düsteres Bild von der Wirtschaftsentwicklung zeichnet auch die Industriellenvereinigung (IV). Laut ihrer aktuellen Prognose rechnet IV-Chefökonom Christian Helmenstein heuer mit einem Minus von 7,6 Prozent. „Unsere letzte Prognose ist noch von einem BIP-Zuwachs von 1,1 Prozent ausgegangen, der Rückgang der Wirtschaftsleistung beläuft sich daher insgesamt auf 8,7 Prozent.“ In absoluten Zahlen soll sich sich die Wirtschaftsleistung heuer um 30,9 Milliarden Euro verringern, rechnet die IV vor. „Der Rückgang der österreichischen Wirtschaftsleistung fällt damit  doppelt so hoch aus wie in den Jahren 2008/09“, resümiert Helmenstein. Die milliardenschweren Hilfspakete und das kostenintensive Kurzarbeitsmodell müssten aber nicht zwangsläufig zu Steuererhöhungen führen, so Helmenstein: „Mit einem wachsenden BIP  lässt sich der Schuldenzuwachs auch wieder abbauen.“ Eine Erholung setze voraussichtlich erst im dritten Quartal 2020 ein, während private Konsumausgaben nur allmählich wieder anspringen werden.
Der  kurzfristige Shutdown der Wirtschaft wird langfristige Folgen für die Wirtschaft haben. Davon ist Ewald Verhounig, Leiter des Instituts für Wirtschafts- und Standortentwicklung (IWS), überzeugt. Nicht nur angebotsseitig, auch bei der Nachfrage werde es wegen sinkender Einkommen zu massiven Einbrüchen kommen. Denn viele haben ihre Jobs verloren. „Die Zahl der Arbeitslosen ist im März in der Steiermark um 91 Prozent auf rund 64.000 gestiegen. Weitere 100.000 sind in Kurzarbeit.“ Die globale Krise werde sich hierzulande auf eine Vielzahl von Branchen negativ auswirken, sagt Verhounig, die Steiermark sei durch ihre Exportorientierung und industrielle Prägung stark betroffen. „Daher ist es wichtig, den Shutdown so kurz wie möglich zu halten.“ Licht am Ende des Tunnels sieht der Experte erst im nächsten Jahr. Er hofft, dass es zu keiner „Double-dip-Rezession“ kommt, also dem nochmaligen Kippen der Wirtschaft nach einer Phase der Erholung. „Gefährlich wird es bei Zahlungsausfällen im Kreditbereich und einer größeren Insolvenzwelle.“



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